In einer gemeinsamen Sitzung in der Tiefstollenhalle in Peißenberg wurde den Gemeinderäten von Peißenberg und Oberhausen die Vorzugsvariante für den Bau eines alltagstauglichen Fahrradwegs zwischen den beiden Nachbargemeinden vorgestellt. Euphorie kam bei den Gremiumsmitgliedern aber nicht auf. Ob sich das Wunschprojekt tatsächlich realisieren lässt, ist nämlich mehr als fraglich.
Peißenberg – Schon vor 30 Jahren wurden Varianten skizziert und 2015 von Studenten der Hochschule für Technik in Stuttgart sogar wissenschaftliche Untersuchungen angestellt, die in einer gutachterlichen Projektarbeit mündeten. Doch bis dato wurde kein einziger Quadratmeter an Radweg gebaut. Mit ein Grund dafür ist, dass der Landkreis das Thema lange Zeit eher halbherzig behandelte – wohl auch aus finanziellen Gründen.
Zuletzt wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung initiiert. Die zog sich auch noch einmal über gut zwei Jahre hin. Die Ergebnisse wurden nun vom Staatlichen Bauamt den Gemeinderäten von Peißenberg und Oberhausen präsentiert.
Andreas Lenker, Abteilungsleiter „Straßenbau“ im Staatlichen Bauamt, stellte Zahlen, Daten und Fakten zu den einzelnen Varianten vor. Das klare Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung: Die „absolute Vorzugsvariante“ für eine möglichst sichere, direkte sowie auf den Schüler- und Alltagsverkehr ausgerichtete Radwegeverbindung ist eine entlang der Kreisstraße (WM 15) verlaufende Route. Selbige würde laut Lenker im Gegensatz zu den Trassen entlang der Ammer respektive Eyach und Ach „keine erhebliche Beeinträchtigung“ in puncto „Naturschutz“ haben. Und: Mit einer Länge von 5,20 Kilometer ist sie die kürzeste, höhendifferenzärmste (30 Meter) und mit einer Fahrzeit von 17 Minuten (bei einem angenommenen Durchschnittstempo von 18 Stundenkilometern) auch die schnellste Verbindung. Genau diese Werte hatten bereits die Stuttgarter Studenten vor knapp zehn Jahren ermittelt. Die geschätzten Baukosten würden ungefähr mit knapp zwei Millionen Euro zu Buche schlagen.
Die anderen Varianten liegen – wenn zum Teil auch nur knapp – über diesem Betrag. Allein eine Brücke über die Ammer würde über eine Million Euro verschlingen – „zum aktuellen Zeitpunkt“, wie Lenker betonte. Da staatliche Zuschüsse aber nur für alltagstaugliche Radwege fließen, muss die Trasse durchgängig asphaltiert und mindestens 2,50 Meter breit sein. Das heißt, allein mit einem Brückenschlag über die Ammer auf Höhe der Ach-Mündung oder im Bereich „Thalhausen“ wäre es nicht getan. Zusätzlich müsste der Ammerdammweg am nördlichen Flussufer Richtung Peißenberg asphaltiert werden.
Gibt es eine Chance auf Umsetzung?
Am Sinn und Zweck eines Radwegs gibt es allgemein keine Zweifel. In Lenkers Präsentation war von einer „relativ hohen Ausprägung an Verkehrsbeziehungen zwischen Peißenberg und Oberhausen für alltägliche Fahrten“ die Rede. Gemeint ist damit vor allem der Schüler-, Berufs- und Einkaufsverkehr. „Wir freuen uns alle, dass jetzt wieder Bewegung in die Geschichte reingekommen ist“, erklärte Grünen-Fraktionssprecher Matthias Bichlmayr (Peißenberg) in der Diskussionsrunde: „Ich weiß allerdings nicht, ob wir jetzt euphorisch sein dürfen.“ Es habe sich schon bei der letzten Info-Runde mit dem Staatlichen Bauamt vor drei Jahren abgezeichnet, dass nur die Route entlang der Kreisstraße wirklich in Frage kommen würde. Aber: „Haben wir denn eine Chance auf Umsetzung?“, fragte Bichlmayr. Großer Knackpunkt der Vorzugsvariante ist der Grunderwerb. Rund ein Dutzend Eigentümer müssten Flächen abgeben – unter dem Strich etwa 30.000 Quadratmeter.
Oberhausens Bürgermeister Rudolf Sonnleitner (Parteifreie Wählerschaft) versprach, in die Grundstücksverhandlungen einzusteigen.
Zu Wort meldete sich Georg Hutter (Peißenberg; CSU/Parteilose). Der Landwirt ist Eigentümer von benötigten Flächen an der Kreisstraße. „Den Radweg braucht es“, beteuerte Hutter – aber: Die Landwirte würden an ihrem Grund und Boden „emotional hängen“. Auch sei der Größenzuschnitt der Felder für die maschinelle Bewirtschaftung enorm wichtig. Kreiskämmerer Norbert Merk hielt entgegen, dass die Benennung der Vorzugsvariante gerade ein „klassischer Ausdruck“ der rechtlichen Güterabwägung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung sei. Natürlich sei es legitim, dass Landwirte ihren Grund und Boden nicht verkaufen wollen. Aber das hätte natürlich Auswirkungen auf das gesamte Projekt. Im Klartext: Lässt sich die Vorzugsvariante nicht realisieren, wird es keinen Radweg geben.
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Sonnleitner und sein Peißenberger Amtskollege Frank Zellner (CSU) werden nun das Gespräch mit den Grundeigentümern suchen. Wenn der Grunderwerb für die Vorzugsvariante klappen würde, ist trotzdem vage, ob gebaut werden könnte. Wie Lenker berichtete, sind die staatlichen Fördertöpfe für den Radwegebau zwar gut gefüllt. Aber nach den Ausführungen Merks bliebe am finanziell angeschlagenen Landkreis ein sechsstelliger Eigenanteil hängen. Ob ein solcher Betrag finanziert werden könnte, ist ungewiss.
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