„Wir haben die Isar für euch gefüllt“: Besonderes Wassersport-Event findet trotz Dauerregen statt

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Der jüngste Einzelpaddler war Jonas (13) aus München. © mk

Trotz Regen starteten 85 Kajakfahrer in Bad Tölz. Ein nostalgisches Event erinnerte an die Pionier-Faltbootwerft. Die Wasserstände waren ideal.

Kajakfahrer sind wetterfest – das bewiesen vor allem am Samstag die Teilnehmer der Isarregatta: Wasser von unten ist unverzichtbar für ihren Sport, soviel Wasser von oben wäre für ihre Tour jedoch nicht nötig gewesen. Trotz der unguten Wettervorhersage machten sich am Vormittag 85 Bootfahrer auf den Weg von Bad Tölz in Richtung München.

Isarregatta: 85 Faltbootfahrer gehen an Start

Einige Kapitäne mit alten Faltbooten waren am Morgen ein Stück weiter flussaufwärts im Bereich Arzbach gestartet, um dann bei ihrer Ankunft am Tölzer Wohnmobil-Stellplatz sozusagen den Staffelstab an die hier versammelten und moderner ausgerüsteten Regatta-Teilnehmer zu überreichen und somit das Zeichen zum Regatta-Start zu geben. Die Aktion am Samstag war Teil eines insgesamt dreitägigen Events, das nicht zuletzt an die vor 100 Jahren in Tölz gegründete und seinerzeit erfolgreiche „Pionier-Faltbootwerft“ erinnern sollte. Das Stadtmuseum hat dieses markante Jubiläum zum Anlass für eine Ausstellung genommen, die eintauchen lässt in die damalige Zeit, in der so mancher Bürger und trotz Kritik von konservativer Seite auch Frauen ihren Freiheits- und Erlebnisdrang auf dem Wasser auslebten.

Ab ins kühle Nass: Die Faltboot-Fahrer ließen sich von dem Regenwetter nicht beeindrucken.
Ab ins kühle Nass: Die Faltboot-Fahrer ließen sich von dem Regenwetter nicht beeindrucken. © mk (2)

Nostalgischen Charme verbreitete zur Jubiläumsfeier auch das Faltboot-Camp, das der Verein „Freunde historischer Faltboote“ von Freitag bis Sonntag an der Isarwiese direkt an der Stadtbrücke aufgeschlagen hatte. Boote und die für mehrtägige Ausflüge unerlässlichen Zelte samt Ausrüstung von anno dazumal wurden dabei von manch Schaulustigen in Augenschein genommen – wobei besseres Wetter wohl sicher mehr Besucher angelockt hätte.

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Ein beinahe rundes Jubiläum kann auch die Isarregatta verzeichnen: Sie wurde 1921 eingeführt und nach etlichen Wiederholungen und dann immer wieder langjährigen Auszeiten im vorigen Jahr und heuer wieder neu aufgelegt. Wobei, wie Organisator Heribert Gobitz-Pfeifer vom Deutschen Touring-Kajak-Club vor dem Aufbruch der Gefährte am Samstag erklärte, der Name „Regatta“ in diesem Zusammenhang nur mehr ein historisches Relikt sei: „Es gibt hier heute keine Regeln für die Beschaffenheit der Boote und auch keine Zeit-Wertung.“

Die Regenpause am Samstagvormittag lockte dann doch einige Besucher raus.
Die Regenpause am Samstagvormittag lockte dann doch einige Besucher raus. © mk

Bei den Vorbereitungen am Startplatz war den Sportlern und Zuschauern, darunter Bürgermeister Ingo Mehner und Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker, eine regenfreie Frist gegönnt. Während er Wechselkleidung im Boot verstaute und eine weichere Sitzunterlage auf dem Holzbrett anbrachte – alles mit Schnüren befestigt – damit es im Falle des Kenterns nicht davon schwimmen kann, erzählte Joki Langbein aus München von der Generationen übergreifenden Liebhaberei des Kajakfahrens in seiner Familie. Erst kürzlich habe er mit seiner Mutter, seinem Sohn und seinem Enkel eine Tour unternommen. Ausstaffiert mit Schwimmweste, Paddeljacke, Neoprenanzug und einer Spritzschutzdecke für den Boots-Innenraum konnte es dann losgehen. Eine dreiköpfige Familie hatte sich ebenfalls bereitgemacht, jüngster Einzelpaddler war der 13-jährige Jonas. Mit von der Partie war außerdem eine Gruppe amerikanischer Soldaten – die seien in Amberg stationiert und wollten in Verbindung mit der früheren US-Kaserne in Tölz gerne hier mitmachen, wie Gobitz-Pfeifer erzählte.

Optimale Wasserstände

Für alle erfreulich war, dass nach vielen zuvor von Gobitz-Pfeifer absolvierten Behördengängen die bis vergangenen Mittwoch herrschende Hochwasserlage rückläufig und für die Kajaks freie Fahrt mit idealen Wasserständen geboten war. „Wir haben die Isar für euch füllen lassen“, meinte Bürgermeister Ingo Mehner schmunzelnd mit Blick auf den reduzierten Abfluss aus dem Sylvensteinspeicher. Nach fünf- bis sechsstündiger Reise haben alle Kanuten unfallfrei ihr Ziel – Schäftlarn oder Thalkirchen – erreicht, resümierte Gobitz-Pfeifer am Sonntag. Auch an diesem dritten Tag begaben sich etliche Faltboot- und Kajak-Kapitäne nochmal ins kühle Nass, diesmal für einen kurzen Trip von Lenggries nach Tölz. Dass diese Boot-Leidenschaft gut zu Tölz passe, unterstrich Mehner vor dem Regatta-Start: „Zur Marke der Stadt gehören Natur- und Heimatverbundenheit, zu eurem Sport auch.“ (Rosi Bauer)

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