„Amtsversagen hoch drei“: Oberbayerischer Gemeinderat verzweifelt wegen desolater Straße

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Mehr Löcher als Fahrbahn: Seit Jahren wird der desolate Zustand der Staatsstraße 2072 zwischen Wegscheid und Lenggries beklagt. © Arndt Pröhl

Seit 20 Jahren ist der desolate Zustand der Staatsstraße 2072 bekannt. Jetzt wendet sich der Gemeinderat erneut mit einer Resolution an den Verkehrsminister.

Lenggries – Es gibt kaum ein Thema, das den Gemeinderat Lenggries so aufbringt, wie der Zustand der Staatsstraße 2072 und dass deren Sanierung vom Staatlichen Bauamt Weilheim einfach nicht angegangen wird. Auf jeden Fall verhindern will die Gemeinde, dass die Erneuerung der Isarbrücke in Angriff genommen wird, bevor die Staatsstraße saniert ist. Denn über diese müsste der gesamte Umleitungsverkehr laufen.

Sanierung wird seit Jahren nicht angegangen

Am Montagabend beschloss das Gremium nun erneut, sich mit einer Resolution an Verkehrsminister Christian Bernreiter zu wenden. Auch Ministerpräsident Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Thorsten Glauber erhalten einen Abdruck des von allen Gemeinderäten unterzeichneten Schreibens.

Schon im Juli 2025 hatte sich die Gemeinde an Bernreiter gewandt (wir berichteten). Auch ein Gespräch mit dem Staatlichen Bauamt sei geführt worden. Doch nichts habe etwas an der „prekären Situation geändert“, heißt es in dem Brief. Der Zustand der Straße sei desolat, das sei seit 20 Jahren bei der Weilheimer Behörde bekannt. „Im Bereich Richtung Wegscheid sackt die Straße stark ab. Schadhafte Stellen werden immer wieder notdürftig ,geflickt‘. Dazu kommt, dass die sogenannte Grasmüllerkurve sehr eng und gefährlich ist, was zukünftig eine neue Trassenführung notwendig macht“, heißt es in der Resolution.

Zwischen Kurve und Ortseingang Lenggries plädiere man dafür, die Straße ein Stück Richtung Isar zu verschieben. Dort befinden sich alle Flächen im Eigentum des Freistaats. „Somit könnte unserer Ansicht nach der Grunderwerb von landwirtschaftlich genutzten Flächen, die bisher scheiterten, sehr stark reduziert werden.“ Problem an der Lösung: Die staatlichen Flächen liegen im FFH- oder Landschaftsschutzgebiet. „Aus naturschutzrechtlichen Gründen wurde die Verlegung der Trasse vom Staatlichen Bauamt bisher abgelehnt, was wir so nicht akzeptieren können“, heißt es in dem Schreiben. „Es kann nicht sein, dass der Naturschutz, ohne genauere Betrachtung, über die gesellschaftlichen Interessen und über die landwirtschaftlichen Flächen im Privateigentum gestellt wird.“ Zudem gehe es hier nur um eine Verschiebung von etwa einem Meter in Richtung Isar, ergänzte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG). „Wir reden hier über das Bankett. Da stellt sich schon die Frage, warum die Fläche eines aktiven Landwirts weniger wert sein soll.“ Eberhard Pichler (FWG) fragte an, ob es nicht die Möglichkeit eines Grundstückstauschs gebe, dass man dem FFH-Gebiet praktisch eine Fläche derselben Größe zurückgebe, die man ihm entnehme.

Forderung: Straßensanierung vor Neubau der Isarbrücke

Erneut wird gefordert, dass die Straßensanierung vor dem Neubau der Isarbrücke erfolgen muss, die 2030 beginnen soll. „Weitere zwei Jahre Schwerlastverkehr hält die Straße nicht mehr aus“, heißt es in dem Schreiben. Dieser Ansicht ist auch Martin Willibald (FWG). Um als Umleitungsstrecke dienen zu können, müsste sie so oder so ausgebessert werden. Für Willibald eine Verschwendung von Geld. „Man flickt sie für nix. Danach hätte man immer noch eine kaputte Straße.“ Außerdem gebe es bereits jetzt Staus an schönen Ausflugswochenenden, rief Andreas Wohlmuth (FWG) in Erinnerung. Feuerwehr oder auch Rettungsdienst, die dann ebenfalls über diese Strecke fahren müssten, „haben da keine Chance“.

Idee: Resolution bis zum bayerischen Ministerpräsidenten schicken

Recht aufgebracht war Peter Gascha (FWG). Er sei seit 18 Jahren im Gemeinderat, und seitdem sei die Straße Thema – ohne dass etwas vorwärts geht. „Für mich ist das Amtsversagen hoch drei“, schimpfte Gascha. „Es passiert einfach nichts.“ Er regte an, die Resolution auch an den Ministerpräsidenten und den Wirtschaftsminister zu adressieren. Die Anregung wurde aufgenommen.

Gefordert wird zudem, dass mit dem Planfeststellungsverfahren für die Straße sofort begonnen werden muss, um auf dem Weg zur Baugenehmigung vorwärts zu kommen. „Das hat aber nichts mit Enteignungen zu tun“, betonte Klaffenbacher.

Zum Schluss wird Verkehrsminister Bernreiter noch zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen. „Um mit uns die Lage zu erörtern und gemeinsam eine zeitnahe Lösung zu entwickeln“.