Das Angebot für Nachtschwärmer im Tegernseer Tal ist nicht gerade üppig und wird immer dürftiger. Jetzt machen Gerüchte um die angesagte Weinstube in Rottach-Egern die Runde. Die Lichter sind seit geraumer Zeit aus.
Tegernsee – „Wir erleben gerade eine große Misere im Nachtleben am Tegernsee.“ Wenn Markus Greger das sagt, muss man ihm das einfach glauben. Der 61-jährige Gmunder war mit seiner Weinstube im ersten Stock des Geschäftshauses an der Nördlichen Hauptstraße in Rottach-Egern ein Magnet für die Nachtschwärmer-Szene am Tegernsee. Nach 26 Jahren hatte Greger bereits Ende 2023 das Lokal mit Restaurant, coolen Drinks und chilliger Musik an Marco Fleissner übergeben. Der damals 31-Jährige war zuvor Betriebsleiter im Wiesseer Hotel Bussi Baby.
Greger hatte ihm zugetraut, dass er den Laden am Laufen halten kann. „Ich habe ihm den Pachtvertrag, das Inventar und den Lokal-Namen verkauft“, berichtet Greger, für den damit aber nicht Schluss war in der Weinstube. Anderthalb Jahre hat er ausgeholfen und war weiter das gewohnte Gesicht in der Weinstube. Dann kam der Zeitpunkt, an dem er offenbar keine Perspektive mehr sah. Der Gmunder verließ das Lokal endgültig, fand dann einen Job im Weinhandel bei Mandi Gerg.
Was lief mit Fleissner schief in der Weinstube? Über die genauen Gründe will sich Greger nicht äußern. Hat er vielleicht mitbekommen, dass der Laden nicht mehr in seinem Sinne lief? Kam es gar zu einer finanziellen Misere? Fakt ist: In der Weinstube sind seit geraumer Zeit die Lichter aus. Über die Gründe wird im Ort viel spekuliert. Selbst der Eigentümer der zentral gelegenen Immobilie kennt die Gründe nicht. Er verweist auf die kommenden Wochen, in denen sich die Situation klären müsse. Zu Vertragsdetails, etwa, ob die Pacht weiter fließt, möchte er sich nicht äußern. Nur so viel sagt er: „Ich bin sehr interessiert daran, dass die Weinstube zu altem Leben erwacht.“
Das scheint auch Markus Greger zu sein. Er zieht in Betracht, über einen eventuellen Rückkauf zu verhandeln. Als Talbürger und langjähriger Gastronom fühle er sich verpflichtet für Rottach-Egern und das Tal.
Konzept ist nicht aufgegangen
Während Marco Fleissner für Nachfragen nicht zur Verfügung stand, meldet sich sein Vater Hans-Peter Fleissner zu Wort: „Die Gründe der Weinstuben-Schließung sind wirtschaftlicher Natur. Das Konzept ist nicht aufgegangen.“ Er habe Marco geraten, das Lokal stillzulegen. Marco Fleissner erlebt damit eine weitere Niederlage. Der Tennisclub Rottach-Egern hatte Fleissner und seinem Geschäftspartner Gabriel Huber im Frühsommer die Tennis-Alm anvertraut. Nach nur drei Monaten wurde der Vertrag mit der Fleissner-Huber GmbH „einvernehmlich“ aufgelöst. Die Zusammenarbeit hatte nicht funktioniert. In Sachen Weinstube ist Hans-Peter Fleissner zuversichtlich: „Es wird weitergehen, in irgendeiner Form.“
Apropos Misere: Auch im früheren Weinhaus Moschner, dem bei der Jugend angesagtesten Lokal am See, das von Bräustüberlwirt Peter Hubert betrieben wurde und Ende März dichtgemacht hat, wird so schnell kein neues Leben einkehren. Im Gegenteil: Haus-Eigentümer Stefan Windschiegl aus Windischeschenbach in der Oberpfalz will sich Zeit lassen mit Zukunftsplänen. „Frühestens im Herbst 2026 werde ich eine Entscheidung treffen, wie es weitergeht“, sagt der 61-Jährige und verweist auf steuerliche Gründe.
Die Parkplätze hat er derweilen einer benachbarten Bäckerei zur Verfügung gestellt. „Sollte sich ein Interessent melden, der das Haus wieder beleben will, so bin ich jederzeit offen“, so Windschiegl. Allerdings müsste einiges gemacht werden. Die Rottacher Bauamtsleiterin Tanja Zink verweist auf Auflagen bezüglich Küche, Toiletten und Brandschutz.
In einem weiteren, gut besuchten Lokal gingen zuletzt ebenfalls die Lichter aus: Ottavio Carrera hat sein gleichnamiges italienisches Ristorante im Hotel Waltershof an der Seestraße geräumt. Der Gebäudekomplex wird im Bestand saniert und erweitert, ein Vorbescheid ist bereits genehmigt. „Im Dezember befassen wir uns mit dem Bauantrag“, sagt Bauamtsleiterin Tanja Zink und fügt hinzu: „Ob es dort künftig wieder ein öffentliches Restaurant geben wird, können wir erst sagen, wenn die finale Planung vorliegt.“