An Buben und Mädchen scheitert es nicht, sondern an fehlendem Personal. Erstmalig im Landkreis kommt es daher im September zur Bildung einer sogenannten Kombiklasse an der Grundschule Wallgau-Krün. Leidtragende sind sechs künftige ABC-Schützen aus Wallgau.
Wallgau/Krün – Schulamtsdirektor Markus Köpf versichert: „Das Ganze ist mit pädagogischem Feingefühl behandelt worden, das geschah nicht willkürlich.“ Worauf er abzielt, ist ein Novum im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: In der Grundschule Wallgau-Krün muss im kommenden September eine sogenannte jahrgangskombinierte Klasse gebildet werden – und zwar wegen Lehrermangels.
Und das im Freistaat Bayern, wo man sich doch immer so auf die Schultern klopft.
„Und das im Freistaat Bayern, wo man sich doch immer so auf die Schultern klopft“, kann sich Wallgaus Bürgermeister und SPD-Mitglied Bastian Eiter einen beißenden Kommentar Richtung CSU geführter Staatsregierung nicht verkneifen. Eiter, sein Krüner Amtskollege Thomas Schwarzenberger (CSU) sowie die beiden Gemeinderäte informierte Markus Köpf in einer nicht-öffentlichen Sitzung am 6. Mai. Eine Woche später schenkte der Schulamtsdirektor den betroffenen Eltern reinen Wein ein. Die Begeisterung soll sich dem Vernehmen nach in Grenzen gehalten haben. Zumal das konkret für sechs künftige Erstklässler aus Wallgau bedeutet, dass sie im neuen Schuljahr in der zweiten Klasse in Krün unterrichtet werden. Konkret ausgedrückt:: Anderer Ort und ältere Mitschüler.
Ein Modell, das es bereits seit 24 Jahren im Freistaat gibt. Köpf spricht von bayernweit rund 1550 Kombi-Klassen allein in diesem Schuljahr. Im Landkreis finden sich diese in den Grundschulen Grainau, Burgrain, Farchant, Oberau, Eschenlohe, Ohlstadt, Saulgrub-Altenau, Bad Bayersoien und Unterammergau. Der einzige Unterschied zu Wallgau-Krün: Diesmal fehlt’s nicht an Kindern, sondern am Fachpersonal.
Geld und Planstellen sind da, sie können sie nur nicht besetzen.
Aktuell besuchen in den beiden Isartal-Dörfern 108 Buben und Mädchen sechs Klassen. Und die Zahlen sollen Prognosen zufolge – anders als in der Vergangenheit – stabil bleiben. Was für die aktuell zehn Lehrkräfte im Schulverbund offenbar weniger zutrifft. Von vielerlei Arbeitszeit-Modellen ist die Rede. „Wie in allen sozialen Berufen“, ergänzt Markus Köpf. Freimütig räumt der Oberammergauer ein, dass auch unter diesem Gesichtspunkt „das Thema Klassenbildung immer komplexer“ werde.
Anders als Bürgermeister Eiter sieht er darin auch kein politisches Versagen. „Geld und Planstellen sind da, sie können sie nur nicht besetzen.“ Womit Köpf die Verantwortlichen im Kultusministerium meint.
Schon jetzt versucht der Pädagoge, besorgten Eltern die Angst vor Kombi-Klassen zu nehmen. Für diese Arbeit werden ihm zufolge die Lehrkräfte „mit besonderer Sorgfalt“ ausgewählt. „In der Regel handelt es sich um erfahrene Lehrer und Lehrerinnen, die bereits die betroffenen Jahrgangsstufen geführt haben.“ Das ausgewählte Personal soll durch Regierung und Schulamt „intensiv“ auf die neuen Aufgaben vorbereitet werden. „Es ist kein Projekt, bei dem die Kinder weniger lernen.“
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Gleichwohl ist es eine Variante, die idealerweise zur Ausnahme gehören sollte. Kopfzerbrechen bereiten dem Schulamtsdirektor aber nicht nur die Personal-Engpässe in Krün und Wallgau, sondern auch die ernüchternden Zahlen in der sechsten Jahrgangsstufe an der Grund- und Mittelschule in Mittenwald. „Eine Klasse, die Sorgen bereitet“, drückt es Köpf angesichts von derzeit elf Jugendlichen aus. Und wieder droht jungen Isartalern das Schicksal von Fahrschülern nach Partenkirchen.
Spätestens dann könnte daraus erneut ein lokalpolitischer Streitfall werden. Denn nicht ganz unberechtigt werden sich in diesem Fall die Marktgemeinderäte in Mittenwald fragen, warum sie ihre Karwendelschule für viel Geld saniert und modernisiert haben – den Bau der künftigen Dreifach-Sporthalle nicht zu vergessen.
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