Zittern die Unternehmen vor Trumps Zöllen? Was das Wirtschafts-Hickhack für‘s Oberland bedeutet

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Das Wolfratshauser Unternehmen Eagle Burgmann liefert Dichtungen an mehr als 45 000 Kunden weltweit. © Archiv

Es gibt in der Metropolregion München und südlich davon viele Global Player. Die großen Arbeitgeber beobachten Trumps Wirtschaftspolitik ganz genau.

Wolfratshausen – US-Präsident Donald Trump hat ein Paket voller Zölle geschnürt. Der Inhalt ließ weltweit die Aktienkurse in die Knie gehen. Auch wenn er mittlerweile ein 90-tägiges Moratorium auf die meisten angekündigten Sonderzölle verhängt hat, fürchten nicht wenige Ökonomen einen Handelskrieg mit gravierenden Folgen für die internationale Wirtschaft. Diese Aussichten bereiten auch einigen Unternehmen im Landkreis Kopfzerbrechen.

Beim Dichtungshersteller Eagle Burgmann in Wolfratshausen, einem sogenannten Global Player, der in mehr als 80 Ländern auf der Erde Standorte unterhält, wird die Entwicklung „natürlich permanent verfolgt“. Das berichtet René Heilmann, Director Global Corporate Communications, auf Anfrage unserer Zeitung. Nach seinen Worten liefert Eagle Burgmann sicherheitsrelevante Dichtungen an mehr als 45 000 Kunden weltweit – „auch in den USA“. Heilmann: „Dort sind vor allem die Öl- und Gasindustrie, aber auch die Petrochemie, die Lebensmittelindustrie, die pharmazeutische Industrie und andere Wirtschaftszweige wichtige Zielmärkte.“

EagleBurgmann unterhält einen Standort in Texas

Das Bestreben des Wolfratshauser Unternehmens, das gut 5600 Männer und Frauen rund um den Globus beschäftigt, sei es, immer dort zu sein, wo die Kunden sind: „So haben wir Vertriebsbüros, über 100 Service-Center und Produktionsstandorte rund um die Welt, auch in den USA“, bilanziert Heilmann. Der Hauptstandort von Eagle Burgmann in den USA befindet sich in Houston/Texas.

Wie das Unternehmen mit dem Thema Zölle umgehen wird, kann der Pressesprecher noch nicht sagen. Er stellt fest: „Grundsätzlich laufen die Geschäfte unserer Unternehmensgruppe nach wie vor sehr positiv“. Die Freudenberg-Gruppe mit der Marke Eagle Burgmann konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr ihren Umsatz um 0,4 Prozent auf 11,95 Milliarden Euro erhöhen und ein Betriebsergebnis von 1,13 Milliarden Euro erwirtschaften – eine von 4,7 Prozentpunkten.

Heilmann weist in diesem Kontext auch auf die Investitionen hin, die die Freudenberg-Gruppe im Geschäftsjahr 2024 in Deutschland tätigte. In Summe waren es 181,2 Millionen Euro („ein historischer Höchstwert“) – unter anderem ist in Wolfratshausen ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum entstanden (wir berichteten).

Weltmarktführer aus Wolfratshausen: Zoll-Politik „beobachten wir sehr genau“

Ein Weltmarktführer mit Sitz in der Loisachstadt ist die Weber Schraubautomaten GmbH, vor zwei Jahren mit dem Wirtschaftspreis der Kommune ausgezeichnet. „Auch wir beobachten die Entwicklungen rund um neue und angekündigte Zollmaßnahmen im weltweiten Handel sehr genau“, teilt Marketingleiter Benedikt Burger auf Anfrage mit. „Als international agierendes Unternehmen mit Kunden und Partnern in über 30 Ländern haben wir frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um potenzielle Auswirkungen auf unsere Lieferketten und Produktionsprozesse zu minimieren.“

Die GmbH sei aufgrund ihrer dezentralen Struktur mit eigenen Standorten sowie strategischen Partnern und Tochtergesellschaften in Europa, Nordamerika und Asien in der Lage, „flexibel und marktgerecht auf neue Handelsbedingungen zu reagieren“, erläutert Burger. Wo es möglich und sinnvoll sei, setze Weber Schraubautomaten auf die regionale Fertigung, lokale Beschaffung „und eine entsprechende Anpassung unserer Logistikprozesse“. So ließen sich die wirtschaftlichen Effekte zusätzlicher Zölle auf ein Minimum reduzieren – für das Unternehmen wie auch für die Kunden.

Zusammenarbeit mit Handels- und Zollberatern

„Wir verfolgen eine mehrgleisige Beschaffungsstrategie, die uns erlaubt, auf geopolitische oder handelsbezogene Veränderungen schnell zu reagieren.“ Kritische Komponenten und Rohstoffe werden nach Burgers Worten – wo immer möglich – aus mehreren Quellen bezogen, um Abhängigkeiten zu vermeiden. „Gleichzeitig evaluieren wir kontinuierlich alternative Beschaffungsmärkte und -regionen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und Kostensteigerungen durch Zölle abzufedern“. Nicht zuletzt arbeite das Wolfratshauser Unternehmen „eng mit internationalen Zoll- und Handelsberatern zusammen, um schnell und rechtssicher auf neue Vorgaben reagieren zu können“.

Wir hoffen jetzt auf jeden Fall auf Verhandlungen anstatt weiterer Eskalation, nicht nur im Hinblick auf unser wichtiges USA-Geschäft, sondern auch in Bezug auf unsere Exporte nach China und Asien.

„Mit Schrecken“ reagiert Hubert H. Löcherer, Generalbevollmächtigter des Kochler Unternehmens Dorst Technologies, auf den „von den USA angezettelten Angriff auf den Welthandel“. Die weltwirtschaftliche Lage sei bereits schwierig genug gewesen. „Ein Absturz in die totale Rezession ist jetzt nicht mehr auszuschließen.“ Dorst habe bereits auf durchschnittlich 30 Prozent Kurzarbeit umgestellt. „Was Trumps globaler Zollkrieg letztlich für unsere Ausrichtung und Planung bewirken wird, ist noch gar nicht abzusehen“, erklärt der Unternehmer.

„Wir hoffen jetzt auf jeden Fall auf Verhandlungen anstatt weiterer Eskalation, nicht nur im Hinblick auf unser wichtiges USA-Geschäft, sondern auch in Bezug auf unsere Exporte nach China und Asien.“ Ganz generell werde Dorst sich jetzt noch mehr auf „kundenspezifische Ingenieurleistungen mit hohem technischen und wirtschaftlichen Standard“ konzentrieren, also Leistungen, „die möglichst konkurrenzlos sind und da und dort auch weiterhin gebraucht werden“. Löcherer weiter: „Ansonsten werden wir bei Gott sei Dank gesunder Kapitalbasis versuchen, uns mit größter Entschlossenheit diesen desaströsen Entwicklungen entgegenzustellen.“

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