Ramadama in Geretsried und Wolfratshausen: 350 Freiwillige packten mit an – Unappetitliche Funde

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Umweltengel: Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner (re.) begrüßte am Samstagmorgen rund 150 Freiwillige zum Ramadama. © Hans Lippert

Insgesamt rund 350 freiwillige Helfer kümmerten sich am Samstag in und um die beiden Städte Geretsried und Wolfratshausen um die Umwelt. Sie sammelten Müll und räumten auf. Zutage kam dabei wie üblich das ein oder andere unappetitliche Fundstück.

Wolfratshausen/Geretsried – Eine Stadt macht sauber: Etwa 200 offiziell angemeldete Personen und einige weitere Freiwillige mehr beteiligten sich am landkreisweiten Ramadama in Geretsried. Mit blauen Müllsäcken und Handschuhen ausgestattet, zogen sie durch die Straßen, über Wiesen und durch den Stadtwald. Über zwei Stunden lang räumte eine Gruppe von 25 Geocachern um Roland Umlauft den Parkplatz an der Böhmwiese auf. Normalerweise begeben sich die GPS-Schnitzeljäger auf die Suche nach kleinen versteckten Dosen, in denen sich ein Logbuch und Tauschgegenstände befinden. Diesmal stießen sie unter anderem auf eine Bierbank im Gebüsch, auf Teile eines Einkaufswagens, auf drei Feuerlöscher und einige Autoreifen. „Nicht zu glauben, was die Leute alles einfach in der Natur entsorgen“, meinte Claudia Bechmann, die extra aus Sendling angereist war, um zu helfen.

Ramadama in Geretsried und Wolfratshausen: 350 Freiwillige packten mit an

Mit Eifer in Geretsried unterwegs: Alexander und Roman.
Mit Eifer in Geretsried unterwegs: Alexander und Roman. © Hans Lippert

Sabine und Robert Sporer aus Geretsried lasen Kleinzeug wie Getränkeflaschen, Zigarettenkippen und Verpackungsmüll entlang des Fahrradwegs Richtung Schulzentrum auf. Die beiden waren nach eigenen Angaben heuer zum dritten Mal beim Ramadama dabei. „Es ist ein gutes Gefühl, ein wenig dazu beizutragen, dass unsere Umwelt wieder schöner wird“, sagte Sabine Sporer.

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Zum ersten Mal klaubten Jennifer Kübler, Klemens Irmer und vier weitere Mitglieder des VdK Unrat zusammen. Sie berichteten von besonders unappetitlichen Fundstücken wie Kondomen am Radweg Richtung Norden. Dr. Detlev Ringer und Bernhard Lorenz waren für den ADFC im Einsatz, ausnahmsweise nicht mit dem Rad, sondern zu Fuß. Wie viele andere Müllsammler holten sie sich ab 11 Uhr eine Apfelschorle und eine Leberkäs-Semmel (beziehungsweise Käsesemmel für die Vegetarier) in den Ratsstuben ab. Die wohlverdiente Brotzeit hatte die Stadtverwaltung spendiert. Sie bedanke sich ganz herzlich bei allen fleißigen Helfern, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auch Ukrainer halfen mit beim Saubermachen

Rund ums Schulzentrum, am Eisstadion und entlang der Jahnstraße waren mehrere Ukrainerinnen und Ukrainer unterwegs. Anna Dobler, die die Geflüchteten seit Jahren unterstützt, hatte die Menschen, die noch in der Mittelschul-Turnhalle untergebracht sind, aber bald umziehen werden, mobilisiert. Alexander Andreiev erklärte auf Englisch, er und seine Landsleute wollten durch ihre Teilnahme „etwas zurückgeben“, weil sie so freundlich aufgenommen worden seien. „Wir möchten uns integrieren“, sagte der 33-Jährige. Auch die Kinder halfen mit, und die sinnvolle Beschäftigung machte ihnen sogar Spaß. Ihr Umfeld befreiten sie vor allem von Süßigkeitenpapieren, Dosen und Plastikflaschen. An der Ampel am Schulzentrum deponierten sie zum Schluss fast zehn gut gefüllte blaue Säcke, die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs später abholten.

Deutschland etwas zurückgeben: Eine Gruppe von Ukrainern beteiligte sich in Geretsried an der Sammelaktion.
Deutschland etwas zurückgeben: Eine Gruppe von Ukrainern beteiligte sich in Geretsried an der Sammelaktion. © Tanja Lühr

Helfer aller Altersgruppen in Wolfratshausen

Eine Woche vor der Eiersuche fanden Helfer aller Altersgruppen bei ihrem Streifzug durch die Wolfratshauser Stadtteile ganz andere Dinge. Den verdienten Lohn gab es nicht nur in Form einer von der Stadt spendierten Brotzeit. Viele erhielten schon während der Aufräumaktion von Passanten Lob – und ein Stadtrat freute sich gar über einen geschenkten Schoko-Osterhasen.

„Ich hoffe, dass wir genug Müll in der Stadt haben und jeder seinen Sack vollkriegt“, scherzte Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Gemeinsam mit Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung begrüßte er am Morgen einen Großteil der insgesamt knapp 150 Helfer an der Sammelstelle hinterm Rathaus. Annalena Beischl vom Referat Planen und Umwelt verteilte Pläne, an denen die Ablageorte der Müllsäcke im Bergwald, am Bahnhof und auf anderen Arealen eingezeichnet waren. Zwei Stunden später stärkten sich die Beteiligten mit einer Brotzeit und erzählten sich von ihren Erlebnissen.

Fleißige Helfer: Der vierjährige Justin war mit seinem Vater Florian am Loisachufer unterwegs.
Fleißige Helfer: Der vierjährige Justus war mit seinem Vater Florian – ausgerüstet mit Greifer und Müllsack – am Loisachufer in Wolfratshausen unterwegs. © Hans Lippert

„Ich war neben der B11 aktiv, als mir ein Mann hinterherrief und mich aufforderte, sofort stehenzubleiben“, berichtete Dr. Hans Schmidt. Der Umweltreferent befürchtete schon eine Zurechtweisung, bekam dann aber einen Schoko-Osterhasen zugesteckt. Übel riechende Funde vermeldete dagegen die Gruppe eines integrativen Kindergartens. In der Nähe der Königsdorfer Straße stießen die Frauen und Kinder an den Bahngleisen auf eine Unterhose mit braunem Inhalt. „Die hat ganz schön gestunken“, rümpfte Betreuerin Theresa Gollwitzer die Nase.

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Zudem steckte der Ramadama-Trupp zerbrochene Flaschen, Kronkorken und Verpackungspapier in die blauen Säcke. Damit sich niemand an den Scherben schneidet oder an den Händen schmutzig macht, hatte Ines Lobenstein schon am Morgen Handschuhe verteilt. Dem Aufruf der Leiterin des Asylhelferkreises folgten 50 Flüchtlinge aus der Ukraine, Syrien, Afghanistan und anderen Ländern. Mit 30 Teilnehmern erschien der Bezirksfischereiverein. „Bei uns muss jedes Mitglied mindestens vier Arbeitsdienste im Jahr vorweisen: Da nehmen wir das Ramadama gerne mit“, erklärte Vorsitzender Helmuth Holzheu. Die Waldramer Kolpingsfamilie startete rund um den Skatepark an der B11 und fand allem in den schwer zugänglichen Hecken ein buntes Sammelsurium aus einem iPhone, Autoreifen und Flaschen.

Zigarettenkippen sind das größte Übel

Und welche Hinterlassenschaften mussten nun am häufigsten aufgeklaubt werden? Johann Schwarzenbeck, wohnhaft am Obermarkt, überlegte da nicht lange. „Die vielen Zigarettenkippen sind das größte Übel: Den Leuten ist gar nicht bewusst, was sie da anrichten“, ärgerte er sich. Am Ende überwog jedoch bei den meistern Helfern die Zufriedenheit, dass sie in kurzer Zeit viel geschafft haben. Einige gaben an, dass sie auch unabhängig von Ramadama-Aktionen das ganze Jahr über aktiv bleiben wollen. Von Tanja Lühr und Peter Herrmann

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