„Ich bin kein Ruheständler" – Nemec plaudert über Tatort und sein Leben

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Ein kurzweiliger Abend: Schauspieler und Musiker Miroslav Nemec (r.) war zu Gast beim „actors talk“ von Georg Seitz. © Thomas Plettenberg

Tatort-Star Miroslav Nemec sprach vor 80 Gästen über sein Leben und seine Karriere. Nach 35 Jahren endet die Ära Batic und Leitmayr.

Weissach – Zu einer kurzweiligen wie vergnüglichen Plauderei vor 80 Gästen geriet am Freitagabend im Spa & Resort Bachmair Weissach der „actors talk“ mit Schauspieler und Musiker Miroslav Nemec. Anlass für das Interview mit Journalist und Podcaster Georg Seitz war die 100. Tatort-Folge und der Abschied des Münchner Ermittlerduos Batic und Leitmayr nach 35 Jahren Fernsehgeschichte. Aber das Leben, die Karriere und die Interessen von „Mr. Tatort“ sind so reich an Eindrücken, Begebenheiten und Begegnungen und gehen weit über die TV-Krimireihe hinaus.

Kindheit ist geprägt von starken Frauen

Nemec erzählte offen und eindrucksvoll von seiner Kindheit in Zagreb in tiefer Armut – geprägt von den starken Frauen seiner Familie, allen voran seiner „Bába“ (Großmutter). Der 71-Jährige berichtete von seiner Adoption durch kinderlose und gestrenge Verwandte, der Umsiedlung nach Freilassing und der Zerrissenheit und das Gefühl der Heimatlosigkeit, die das verursacht hatte. Unterlegt waren die Erzählungen mit Kinderfotos.

Für die Anekdoten aus der Adoleszenz, in der Nemec seine Liebe zur Musik entdeckte – eine Ausbildung am Mozarteum in Salzburg und die Gründung der eigenen Rock-Pop-Blues-Band „Asphyxia“ inklusive – griff er immer wieder zur Gitarre und gab Kostproben von seinem Können: vom lautmalerischen, Ernst Jandl inspirierten, österreichisch-englischen Gedicht über Brasilien, aus dem er einen Calipso gemacht hat. Dann Dylans „Mr. Tamborin Man“, ein wienerischer „Winter“-Blues, und später einen „Dicht&Ergreifend“-Rap, den er mit den Hip-Hoppern im Oktober vor 15 000 Leuten in der Olympiahalle zum Besten gab. Dafür gab’s auch im Bachmair-Weissach-Festsaal Applaus.

Ausbildung an Schauspielschule in Zürich

Anerkennung, aber auch Lacher erntete Nemec für seine Betrachtungen, wie er zur Schauspielerei (über die Schauspielschule in Zürich) auf die Bühnen in Graz, Köln und München gekommen, Musical in Essen getanzt, gesungen und gespielt hatte und 1991 experimentellen Low-Budget-Film „The Wonderbeats“ landete. Eine Szene davon wurde auch eingespielt. Alles in allem ein faszinierender Einblick in die Kunst- und Kultszene der 1980er- und 90er-Jahre. Mit Kosenamen wie der „Camus und Sartre liebenden Zukunftsbestimmerin“ und Bekenntnissen, wie „In erotischer Hinsicht habe ich versucht, nichts zu versäumen“, ging er auf seine Sturm-und-Drang-Zeit ein, bevor er heiratete und Vater von drei Töchtern wurde. Nonchalant fesselte er mit Anekdoten, wie er zu Biografie und eigenen Büchern gekommen ist, aus denen er auch Passagen vorlas.

Das Tatort-Wirken resümierte er mit einem Ausschnitt aus seiner ersten Folge „Animals“ (ausgestrahlt 1991), wo er noch sehr leidenschaftlich und „angriffig“ versucht habe, „die Jacke des deutschen Kriminalers auszufüllen“. Er betrachtete seine von Konkurrenz und Freundschaft geprägte Beziehung zu Tatort-Partner Udo Wachtveitl und verwies auf die Übergabe des „Blauen Panthers“ durch Ministerpräsident Markus Söder bei den Dreharbeiten zur letzten Folge.

Bei der immensen Zahl an Projekten mit Wachtveitl und Soloprojekten, glaubt man Nemec, wenn er davon spricht, dass er vielmehr in einer Aufbruchstimmung ist, als in Melancholie ob des Abschieds. In der Fragerunde erzählte er nicht nur von seinem Leben zwischen München, dem Berchtesgadener Land und Istrien. Er brachte auch sein Befinden auf den Punkt: „Ich bin kein Ruheständler. Ich bin ein Unruheständler.“

mm

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