„Sehr gut, eine Grüne, die gegen Verbote ist“, sagt Weimer und kuschelt mit Lang

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen verliert gerade eine weitere Vormachtstellung. Gespart wird, deutlich und drastisch, am politischen Talk – und das ohne Rücksicht darauf, wie viel Gesprächsbedarf die aktuelle Politik eigentlich gerade erfordert: Sonntage ohne „Caren Miosga“, Montage ohne „Hart aber fair“, Donnerstage ohne „Maybrit Illner“. 

Wie in der Physik füllt sich aber auch im Mediengeschäft jedes Vakuum schnell. Der Nachrichtensender „n-tv“ nutzt diese Schwäche der Großen und bläst die Backen gewaltig auf. Der neue Talk „Pinar Atalay“ hatte zum Start vergangenen Montag gleich Bundeskanzler Friedrich Merz als Gast. Diesen Montag startete „Blome & Pfeffer – der „n-tv“-Hauptstadt-Talk“. Die Gäste hier waren mit Ricarda Lang, der Ex-Chefin der Grünen, und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine Nummer kleiner. 

Dafür ist der Anspruch groß. „Jeder Gast“, so lautet das Versprechen, „stellt ein Thema vor und fordert die Runde heraus.“ Und RTL-Politikchef Nikolaus Blome, zuvor selbst gerne gebucht als Talk-Gast, formuliert ein herausfordernd unverkrampftes Ziel: „Es soll sich anfühlen wie am Küchentisch oder in der Kantine.“ Das klingt nach der Hitze von Diskussionen, dem Grillen von Gästen und dem Brodeln von Themen.

Kulturstaatsminister zweifelt an Donald Trumps „Integrität“

Willkommen also an Nikolaus Blomes Küchentisch oder in der Kantine von Hauptstadtkorrespondentin Clara Pfeffer! Wie hitzig war es wirklich – und womit forderten Lang und Weimer die Runde heraus? 

Zum Auftakt am Tag der Freilassung der überlebenden israelischen Geiseln hatte Nikolaus Blome gleich einmal den Friedensnobelpreis für Donald Trump befürwortet. Für die Grüne Ricarda Lang wäre das nur „die Einladung zum Missbrauch“ – und der weitere Weg in eine faschistoide Richtung. Das ist erwartbar. 

Wie positionierte sich Wolfram Weimer? In der Mitte. „Das ist ein Tag der Freude“, stellte er fest, „das ist Friedenspolitik der erfolgreichen Art.“ Zum Friedensnobelpreis gehöre allerdings auch „Integrität“. Da aber fehle es Weimer beim US-Präsidenten. Das ist sehr deutlich für ein Mitglied der Regierung. Der gönnte sich danach aber gleich selber ein gutes Stück Populismus – und setzt sich gegen das EU-Verbot von veganen Fleischersatz-Produkten ein. 

Die Diskussion im Anschluss passte gut zu Küche und Kantine. Der Nährwert bleibt überschaubar. „Man verkauft den Verbraucher als total dumm“, stimmte Richarda Lang ein, „wer ist dumm genug, nicht zu verstehen, dass ich hier ein veganes Produkt kaufe?“ Da freute sich auch Weimer: „Sehr gut, eine Grüne, die gegen Verbote ist!“ Für Gastgeber Nikolaus Blome ist es ein eher billiges Signal der Politik – Symbolpolitik einer konservativeren Regierung, um zu zeigen, dass man verstanden habe. Kurz: „Das ist eine Schraube, die leicht zu erreichen ist.“

Hitzig in der Küche? Weimer bestaunt den grünen „Furor“

Geht’s auch ernsthafter? Hauptstadtkorrespondentin Clara Pfeffer bemühte sich darum. Ihr Thema ist das Verbrenner-Aus – das gerade die deutsche Autoindustrie in Richtung wirtschaftliches Aus zu manövrieren droht. Überraschungen bleiben hier aus. Der Kulturstaatsminister plädierte dafür, ein Ziel zu formulieren und den Weg für die Ingenieure offenzulassen. Die Grüne Lang sah tatsächlich nur eine einzige Chance, die Batterie-Mobilität. Für Wolfram Weimer ist das der grüne „Fetisch“ und er bestaunte, „mit welchem Furor“ Ricarda Lang den deutschen Ingenieuren die technische Kompetenz abspricht. 

Das baute zumindest Spannung auf, welches Thema sich die Grüne für den Talk vorbereitet hat. Sie versuchte es noch aktueller. Bürgergeld und Erbschaftssteuer – kurz: Sozialneid mit dem „Gängeln der Ärmsten“, während in ihrer Wahrnehmung die Politik den Schutz derer garantiert, die „300 Wohnungen“ erben.

Schwarz und Grün kuscheln sich schon mal an

„Es geht darum, Leute in Arbeit zu bringen“, blieb Gastgeber Blome seiner Nüchternheit treu. „Wir brauchen euch am Ende in der Mitte wieder“, warnte Weimer die Grüne vor allzu linken Positionen. Und die fasste ihm an der Stelle gleich zum zweiten Mal an Arm und Schulter. Da kuschelt sich Schwarz-Grün schon sehr bemerkenswert in aller Öffentlichkeit zusammen. Zwischenmenschliche Wärme zwischen Lang und Weimer ersetzte die Hitze der echten Auseinandersetzung. 

Dem Talk-David gelingt keine große Diskussion zum Start. Aber: Der Talk ist schnell. Die Moderatoren kommen ohne allzu viel Eitelkeit aus. Es entsteht ein gut gelauntes Geplauder. Der Unterhaltungswert ist gut, der Nährwert bleibt noch überschaubar.

TV-Kolumne
Vier Menschen, vier Themen: Die Gastgeber Clara Pfeffer und Nikolaus Blome mischen mit n-tv