Panikraum bei Norma für 17.639 Euro? Christian hat Angst und viel Größeres vor

Erinnern Sie sich an die Jahrtausendwende? Manche Menschen glaubten, dass zum Jahreswechsel 2000 die Welt zusammenbrechen würde. Sie fürchteten den Millennium-Bug: Flugzeuge würden abstürzen, Banken pleitegehen und überhaupt die gesamte Infrastruktur zusammenbrechen. 

Sie horteten Lebensmittel. Überraschenderweise ist es nicht so gekommen. Überraschenderweise machen das jetzt wieder manche Menschen. 

Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) – keine Organisation mit Hang zur Hysterie – empfiehlt jedem deutschen Haushalt eine Vorratshaltung für den Notfall: 20 Liter Wasser, 3,5 Kilo Getreideprodukte, Dosenobst und Nüsse, H-Milch und vieles weitere mehr.

Bomben von Moskau nach München in Sekunden

Wir hören der ARD-Reportage „Mein Bunker, meine Waffe, mein Misstrauen“ (jetzt abrufbar in der ARD-Mediathek), dass die Welt „unübersichtlich und erschreckend geworden ist“. Durch Corona, Naturkatastrophen, Kriege, Cyberangriffe und Messerangriffe auf offener Straße. Wir hören: „Viele Menschen fühlen sich nicht ausreichend geschützt, auch nicht vom Staat.“ 

Christian ist einer dieser Menschen. Der Unternehmer aus dem Allgäu baut sich gerade ein Haus. Das Haus hat einen Keller. Es hat aber auch einen Bunker, acht Meter unter der Erde. 

Der Bunker ist atomwaffensicher. Der Bayer begründet sein Vorhaben so: „Die Ukraine ist jetzt auch nicht so weit weg von uns.“ Bomben von Moskau nach München bräuchten nur etwa 200 Sekunden.

Ein Panikraum kostet beim Discounter 17.639 Euro

Christian ist sich seiner Sache sicher, auch wenn seine Frau berichtet: „Ja, ich habe mir gedacht: Spinnt der jetzt?“ Inzwischen hat sie sich angefreundet mit dem Bunker. Wenn es wieder recht heiß werde im Sommer, könnte es da unten angenehm kühl sein. 

Und vielleicht wollten ihre Söhne später den Schutzraum als Partykeller nutzen. Der Fachmann, der Christian beim Bunkerbauen hilft, meint: „Vor wenigen Jahren wurden die Bunkerbauer im Allgäu noch belächelt, jetzt ist es ein Geschäft.“ Ein weltweites Geschäft übrigens. 

Bis 2030 werden Bunker für fast 40 Milliarden Dollar gebaut worden sein. Und beim Discounter Norma kann man schon jetzt den „Pop Up Panikraum BS153“ für 17.639 Euro erwerben. Christian würde sich mit so einem Billig-Produkt nicht abgeben.

Jennifer lernt das Kämpfen mit dem Mantra: „Keine Gnade!“

Verteidigen will sich auch Jennifer aus Düsseldorf. Sie fühlt sich nachts auf den Straßen nicht sicher. Jennifer boxt regelmäßig. Jetzt übt sie auch, einen Angreifer niederzustrecken, mit Händen und Füßen. Sie lernt, wie man einem Täter die Waffe entwendet und wie sie richtig um ihr Leben rennt. Und wenn es dann wirklich passieren sollte, wenn einer sie real angreift? „No mercy! Keine Gnade!“, sagt ihr Trainer.

81Prozent der jungen Menschen in Deutschland haben Angst vor Krieg. Vor Russlands Angriff auf die Ukraine waren es nicht einmal 50 Prozent. In der Schweiz gibt es Bunker in jedem Mehrfamilienhaus. Bunkerbauer Christian aus dem Allgäu sagt: „In Deutschland ist man weit hinterher.“ 

Wir erfahren, dass es in der Hauptstadt keine öffentlichen Schutzräume gibt. In Finnland sind es viele, nämlich 55.000, die im Alltag als Sport- oder Spielplätze genutzt werden. Bei Christian wird kein Spielplatz entstehen, sondern ein atomsicherer Bunker. Schutzwesten und Helme sind zusammen mit den Kindern schon eingeräumt. 

Der jüngere Sohn sitzt scheu in einer Ecke. Der Ältere fragt beim Blick auf ein kleines Metallgerät: „Papa, was ist das?“ Der Vater erklärt besonnen: „Eine Stütze fürs Gewehr, wenn man liegend schießen muss.“