Venezuela als Schlüsselmoment? Trump legt Xis Achillesferse offen – „gibt nicht viel, was China tun kann“

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Die USA greifen in Venezuela militärisch ein. China muss das wohl hinnehmen. Für Peking zeigt der Schlag ein doppeltes Problem auf. Eine kommentierende Analyse.

Peking/Washington – Der Angriff der USA in Venezuela kam nicht komplett überraschend. Donald Trump hatte Nicolás Maduro über Wochen vorgewarnt. Doch die Verhaftung des Präsidenten kam für die Welt, inklusive China, dann doch plötzlich. Offiziell geht es den USA um die Vollstreckung eines Haftbefehls und um einen Einsatz gegen „Drogenterrorismus“. Doch internationale Beobachter ziehen größere Schlüsse.

Donald Trump hat Venezuelas Präsident Maduro verhaftet. Für China womöglich ein harter wirtschaftlicher Schlag. (Collage aus Archivbildern) © dpa/Alex Brandon//IMAGO / ZUMA Press//IMAGO / Bestimage

Die Rechnung ist recht einfach: Venezuela ist das Land mit den größten Erdöl-Vorkommen weltweit. Somit ist die wirtschaftliche Bedeutung der Nation kaum wegzudiskutieren. Gleichzeitig ist auch Trumps Kampf um die wirtschaftliche Vormachtsstellung in der Welt spätestens seit seiner Wiederwahl kaum zu übersehen. Die Zoll-Politik ist der einfachste Beleg. Dabei erscheint vor allem China langfristig als der große Kontrahent.

Venezuela-Moment als Wendepunkt? Trump legt Chinas Schwächen brutal offen

Venezuela könnte für Trump nun zum Schlüsselmoment in diesem Streben werden. Denn damit legen die USA Chinas Achillesferse gnadenlos offen. Und das gleich in zweierlei Hinsicht.

Erstens geht es ums Öl. Denn nach wie vor ist China die mit Abstand größte CO₂-intensive Wirtschaft der Welt, wie Wirtschaftsexperte Federico Rampini für den Corriere einordnet. Peking ist also bei allem Bemühen um E-Autos und grüne Technologie enorm abhängig von Öl und wird es noch lange bleiben. China ist zudem der größte Abnehmer von Öl aus Venezuela. Auch, wenn das nur fünf Prozent der Gesamtimporte Chinas ausmacht, darf dies nicht unterschätzt werden. Gleichzeitig verfügt Venezuela über die größten Erdöl-Vorkommen weltweit, fördert aktuell aber vergleichsweise wenig Rohöl. Das heißt auch: Steigen die Förderkapazitäten, steigt auch das Öl, das nach China fließen kann. Diese Lage könnte sich indessen mit dem Eintreten von US-Firmen ändern.

China und Venezuela:

China und Venezuela sind Verbündete. Peking ist einer der wichtigsten Käufer venezolanischen Erdöls und gewährte dem Land eine Zeit lang immer wieder Kredite für den Ausbau von Energiewirtschaft und Infrastruktur. 2023 erweiterten Maduro und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die diplomatischen Beziehungen beider Länder zu einer sogenannten strategischen Allwetter-Partnerschaft, einer Art der Beziehungen, die Peking nur mit wenigen Staaten unterhält.

Das Problem für China wird aber erst im größeren Kontext wirklich greifbar. Denn zeitgleich steckt auch der Iran in einer politischen Krise. Ein weiterer wichtiger Energielieferant für China, wie der Corriere einordnet. Parallel haben die USA ihren Einfluss auf den Arabisch-Persischen Golf ausgeweitet. Und auch Russlands Öl-Exporte beschneiden die USA durch Sanktionen aktuell. Kurzum: Die USA bauen mit dem Venezuela-Schlag ihre Vormachtsstellung im Bereich Öl massiv aus.

Und auch für Chinas Seidenstraßen-Projekt könnte die US-Aktion gefährlich werden. Besonders dann, wenn die USA nicht bei Venezuela aufhören. Darauf lassen Aussagen von Donald Trump schließen, der auch Kuba oder Kolumbien als Problem nannte. Für China ist Lateinamerika eine enorm wichtige „Säule der Strategie Chinas für den globalen Süden“, so Andy Mok, Wissenschaftler vom Zentrum für China und Globalisierung, gegenüber Al Jazeera. Weitet Trump diese Politik im Stile der Monroe-Doktrin aus, könnten sich die Spannungen zwischen den USA und China verschärfen, so Mok.

USA greifen nach Venezuela – China kann nur zusehen

Und China? Peking nannte die Aktion einen „klaren Verstoß gegen das Völkerrecht“ und forderte die Freilassung von Maduro. Doch mehr als diplomatische Reaktionen sind wohl nicht zu erwarten. Das zeigt auf das zweite große Problem Chinas hin.

„Es gibt nicht viel, was China tun kann“, ordnet Shaun Rein, Wirtschaftsanalyst und China-Experte von der China Market Research Group, gegenüber Al Jazeera ein. Denn China fehle es an militärischer Macht. „Es hat nur zwei Militärbasen außerhalb Chinas, während Amerika 800 hat. Historisch gesehen ist China nicht kriegerisch“, so Shein. Deshalb werde Peking das US-Eingreifen in Venezuela wohl scharf verurteilen. Militärische Maßnahmen werde es aber nicht geben – und auch wirtschaftliche Sanktionen gegen die USA seien sehr unwahrscheinlich, so der Experte.

Somit legt Trump im Wettlauf mit China zwei große Schwachstellen Pekings offen: die Abhängigkeit von Öl-Importen sowie die mangelnden militärischen Fähigkeiten, international reagieren zu können. (Verwendete Quellen: Corriere della Sera, Al Jazeera, dpa, afp)