„Ad MCCCCXXV“ ist zu Fuße des Reliefs am Bayertor zu sehen. Es zeigt das Baujahr des Landsberger Wahrzeichens: 1425. Seit der letzten Sanierung 2018 erstrahlt es wieder in neuem, alten Glanz. Und dieses Jahr wird es 600 Jahre alt.
Landsberg - Es hat seine schwäbische und seine bayerische Seite. Und ist eine sogenannte Barbarkanen-Anlage mit Vortoren, Hof, Wehrgang und Torwärterwohnung: Das Bayertor, angesiedelt auf der rund zwei Kilometer langen, die Stadt umlaufenden mittelalterlichen Mauer. Und weil es eines der besterhaltenen gotischen Stadttore in Deutschland gehört, hat es auch einen gewissen Bekanntheitsgrad. Auch durch das gotische Kreuzigungsrelief, das laut Historiker Werner Fees-Buchecker zum „Weichen Stil“ der Spätgotik gehört und bayernweit einzigartig ist.
600 Jahre Bayertor: Wahrzeichen der Stadt Landsberg und Grenze zwischen Bayern und Schwaben
Als die Stadt Landsberg im Spätmittelalter durch Handel und Handwerk entlang der damaligen Salzstraße zu einer wichtigen Stadt in Bayern wurde und damit auch wuchs, wurde sie samt Stadtmauer gen Osten auf den Berg erweitert. Und bis 1425 mit dem Tor als repräsentativem ‚Eingang‘ ausgestattet. Die Bürger der Stadt gaben das Tor in Auftrag und regelten die Finanzierung.
Hilfe kam von den Wittelsbacher Herzog Wilhelm III., vor allem aber von dessen Bruder Herzog Ernst sowie seiner Frau Elisabeth Visconti, die „40 Pfund Pfennige“ gab und Landsberg dafür als Witwensitz erhielt – und einen Teil der Stadtsteuer als Rente. Deshalb ist auch über dem Stadtwappen und zwischen den bayerischen Herzogswappen das (leicht erschreckend anmutende) Wappen der Mailänder Herrscherfamilie Wisconti – die blaue Drachenschlange, die ein Kind gebiert –, am Bayertor zu sehen. Wer meint, diese Drachenschlange irgendwoher zu kennen: Sie schmückt auch den rechten Halbkreis des ‚Wappens‘ der Automarke Alpha Romeo, mit Sitz in Mailand.
Dass das Bayertor an dieser Stelle steht, obwohl das Herzogtum Bayern eigentlich noch rund acht Kilometer weiter gen Westen reichte, liegt daran, dass die bayerischen Zöllner den Besuchern von Westen her am Lech den Zoll abkassierten – und der Fluss somit als Grenze zu Schwaben gesehen wurde.
Das Relief des Bayertors im Fokus: die Restaurierungen
In den 70ern und ab 2015 wurde Landsbergs Wahrzeichen restauriert. Ging schon die erste – und wegen ihrer ‚leuchtenden‘ Farbwahl für das Relief auch oft umstrittene – Restaurierung auf Anton Lichtenstern zurück, brachte der ehemalige Stadtheimatpfleger auch 2008 den Stein für die zweite Sanierung ins Rollen, vorangetrieben auch durch den 2015 gegründeten Förderverein Landsberger Bayertor, der Spenden von Institutionen und Bürgern dafür sammelte. Der Wasserbehälter im Turm wurde ausgebaut, das Fundament des Tores drainagiert, dann folgte die Restaurierung, die 2018 abgeschlossen wurde – und nach der Maria beispielsweise nicht mehr in Gelb, sondern in Grau gekleidet ist.
Die erste Restaurierung des Reliefs übernahm das Bildhauerehepaar Svea und Bertram Graf aus Utting. ‘Zierten‘ bis dahin noch provisorisch angepappte Mörtel- und Holzteile das Relief, konnten die beiden, die oben auf dem Tor sogar ihren 25. Hochzeitstag mit Sekt feierten, die Figuren in sensibler Arbeit wieder glänzen lassen. So überzeugend, dass es dafür die Europa-Nostra-Medaille für „die beispielgebende Wiederherstellung eines gotischen Stadttores“ gab. Auch wenn Svea Graf im Gespräch 2018 bekundete, dass sie die – nicht von ihnen ausgewählten – Farben „erschreckt“ hätten.
Bei der Sanierung 2018 wurde dann, aufgrund von Funden der Fassung vor 1970 und auch aufgrund der Ikonografie, nachgebessert. Und so ist Maria seither beispielsweise nicht mehr in einen gelben Mantel, sondern in Weiß gekleidet. Bis 2021 war dann auch das Innenleben der Anlage wieder auf Vordermann gebracht.
Zu seinem 600. Geburtstag steht Landsbergs Kennzeichen also gut da. Und kann vom 4. bis zum 6. Juli, samt Mittelaltermarkt, Musik und diversen Darbietungen ausgiebig gefeiert werden. Die Stadt rechnet mit bis zu 8.000 Gästen, das Programm gibt‘s im bereits ausliegenden Flyer - und auch im kommenden KREISBOTEN am 25. Juni.
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