Das kostet nicht nur gut 450.000 Euro zusätzlich, sondern auch noch wertvolle Zeit: Die Stadt Landsberg rollt das Vergabeverfahren für die Sanierung und Erweiterung der Schlossbergschule neu auf. Sind mögliche Versäumnisse bei der Statikberechnung der Auslöser dafür? Das siegreiche Architekturbüro erhebt schwere Vorwürfe in diese Richtung.
Landsberg – Bekanntlich waren die beiden Münchener Architekten Professor Victoria von Gaudecker und Axel Hofstadt als Sieger des Architektenwettbewerbes Schlossbergschule mit der Entwurfsplanung (Leistungsphasen 1 bis 3) beauftragt worden. Nachdem das abgeschlossen war, lenkte die Stadt aber um. Und Mitte Dezember beschloss der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung die erneute, also doppelte Vergabe der Planung. Begründung: „erhebliche Änderungen des Planungsumfanges“. Die Regierung von Oberbayern hatte die Stadtoberen zuvor aufgefordert, das Raumprogramm um eine bislang nicht berücksichtige Turnhalle zu erweitern. Kostenpunkt: 1,6 Millionen Euro, zusätzlich zu den geschätzten 35,6 Millionen für das gesamte Projekt.
Allein das als Grund für den „Reset“ anzuführen scheint in den Augen der siegreichen Architekten nicht stimmig. Wie der landsbergblog bereits am Mittwoch vergangener Woche berichtete, stellen die Landeshauptstädter die Begründung infrage. Mehr noch: Sie erheben schwere Vorwürfe in Richtung Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) und Stadtbaumeisterin Annegret Michler. In einem Schreiben an die Beiden und an die Mitglieder des Stadtrates ist von einer „desaströsen Entwicklung“ die Rede und von einer „nicht immer aufrichtigen Planungsleitung“.
Versäumnisse in der Statikberechnung vor 20 Jahren?
Besonders schwer aber wiegt der Vorwurf möglicher Versäumnisse bei der Statikberechnung. Nicht etwa beim geplanten Erweiterungsbau, sondern beim Altbau. Die Prüfstatik für den 2005 unter Stadtbaumeisterin Michler durchgeführten Dachgeschossausbau habe man trotz wiederholter Aufforderung nicht erhalten, weshalb die Architeken von Gaudecker und Hofstadt den Dachstuhl anhand der Bestandspläne vom Tragwerksplanungsbüro Dittrich nachrechnen ließen. Mit erschreckendem Ergebnis: „Der Dachgeschossausbau des alten Schulbaus von 2005 entsprach demnach nicht den statischen Erfordernissen“, heißt es in dem Papier aus München.
Auch in der Folge habe das Stadtbauamt die Grundlage der weiteren Planung nicht vorgelegt, stattdessen aber seinerseits ein Tragwerksplanungsbüro mit der Einschätzung der Statik im Altbau beauftragt. Darin werde lediglich pauschal bestätigt, dass davon ausgegangen werden könne, dass zum Bauzeitpunkt um 1900 voraussichtlich eine statische Berechnung erstellt worden sei. Zum Dachgeschossausbau 2005 sei keine Einschätzung getroffen worden, so die beiden Architekten.
Nicht zuletzt habe fehlende Unterstützung seitens des Stadtbauamtes dazu geführt, dass die im Vertrag skizzierten Fristen nicht mehr einzuhalten gewesen seien, zitiert der landsbergblog Victoria von Gaudecker und Axel Hofstadt. Darauf habe man vertragsgemäß sowohl OBin Baumgartl als auch Stadtbaumeisterin Michler hingewiesen und vor den damit verbundenen Kosten gewarnt. „Ihre Strategie, nun das gesamte Bauvorhaben aufgrund der Turnhalle, also einem eigenen Baukörper, komplett neu zu starten, setzt diesem Vorgehen schlicht und ergreifend die Krone auf.“
Die Anfrage des KREISBOTEN an die Stadt Landsberg liegt aktuell noch nicht vor.