Mit einem Lichterzug hat die Bürgerinitiative „Miteinander“ um Respekt geworben vor dem Ratsentscheid über den Standort einer Flüchtlingsunterkunft.
Baierbrunn - Über 200 Baierbrunnerinnen und Baierbrunner sind am Sonntagabend dem Aufruf der neu gegründeten Bürgerinitiative „Miteinander“ gefolgt und haben bei einem Lichterzug ein Zeichen gesetzt „für Toleranz, Vielfalt, Respekt und gegenseitige Wertschätzung“. Mit Kerzen, Taschenlampen, Laternen gingen sie in der Dämmerung vom Maibaum die Kirchenstraße hinauf zu St. Peter und Paul.
Zusammenhalt im Ort als höchstes Gut
Die Stimmung: allerbestens und sehr entspannt. Kinder schwenkten St. Martins-Laternen, Erwachsene hatten zu tun, dass ihre Kerzen nicht ausgingen. Manche hatten ihren Hund dabei. Während immer wieder gerätselt wurde, wie viel Leute nun wirklich gekommen wären – bis irgendjemand anfing zu zählen und auf 224 Teilnehmer kam. Tanja König, Grünen-Gemeinderätin und eine der Organisatorinnen, sagte: „Es war uns wichtig, ein Zeichen zu setzen. Der Zusammenhalt im Ort ist unser höchstes Gut.“ Man hatte das Ganze ja erst vor sechs Tagen zu planen begonnen.
Standort ist strittig, nicht Unterkunft generell – Ratsentscheid am 15. Dezember
Der Lichterzug: eine Antwort von „Miteinander“ auf die stark in den sozialen Medien veröffentlichten Argumente der Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen eine Asylunterkunft auf dem sogenannten Wirthsfeld. Das Bürgerbegehren wurde zwar vom Gemeinderat wegen unklarer Fragestellung nicht zugelassen, das Gremium setzte aber, weil über 500 Bürger unterschrieben hatten und weil klar war, dass die Verantwortlichen sonst geklagt hätten, zum Thema ein Ratsbegehren auf. Das findet jetzt am 15. Dezember statt.
Auch Befürworter des Bürgerbegehrens sind für Toleranz
Zwei, die das Bürgerbegehren unterstützen, Felix Maiwald und Martina Fellermeier, beide CSU, gingen am Sonntag auch mit hoch zur Kirche. Maiwald sagte: „Wir sind ebenso für Toleranz.“ Es sei ihnen immer nur um den Standort gegangen, nie um die Frage, ob Baierbrunn weitere Flüchtlinge aufnimmt oder nicht.
Es geht um den Standort am Wirthsfeld, nicht um generelle Absage an Unterkunft
Und Katharina Tadic, eine der Initiatorinnen des Bürgerbegehrens, erklärte am Tag nach der Lichterkette gegenüber der Redaktion: „Sowohl ich als auch die Mitinitiatoren stehen für alle Werte – Offenheit, Toleranz, Respekt, Wertschätzung – ein, welche uns hier als fehlend angeheftet werden.“ Ihre Intention sei von Anfang an gewesen, die Entscheidung für den Standort Wirthsfeld kritisch zu hinterfragen. „Bis dato fehlen hier von den wichtigen Instanzen die Antworten. Deshalb ist es in unserem Sinne erst die Fakten zu klären, bevor langfristige Entscheidungen getroffen werden können. Nicht mehr und nicht weniger“, sagt Tadic.
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Baierbrunn erfüllt Unterbringungsquote nicht
Baierbrunn erfüllt seit Jahren seine Unterbringungsquote bei weitem nicht. Auch Ukrainerinnen hatten sich dem Lichterzug angeschlossen. Tanja König von den Grünen sagte dazu: „Wir sollten uns lieber von Angesicht zu Angesicht begegnen.“ Oben angekommen, im Pfarrhof von St. Peter und Paul, bildeten die Leute mit ihren Lichtern einen Kreis – ein Fotograf wollte von oben mit der Drohne ein Bild machen. Ein Wimmelbild.
Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) war verhindert, wäre aber gern gekommen
Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) war verhindert gewesen, hatte aber ausrichten lassen, er wäre gern gekommen. Zweimal hat er noch Gelegenheit, wie es aussieht, mit „Miteinander“ für ein besseres Miteinander zu demonstrieren: Weitere Lichterzüge sollen am 3. und am 16. November stattfinden.
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