Micky Maus wirbt für „Eis Silvano“: War das die erste Tölzer Eisdiele 1949?

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

Kommentare

Anfang der 1950er-Jahre dürfte dieses Foto von der Eisdiele in der Badstraße 24 entstanden sein. Auf dem Mäuerchen sitzen Peter Zirngibls Mutter Johanna und dahinter „die Tante Gerda aus Aichach“. © Repro: cs-press

1949 eröffnete in der Badstraße 24 die wohl erste Tölzer Eisdiele. Ein Blick in die Unterlagen im Tölzer Stadtarchiv zeigt die Familiengeschichte.

Bad Tölz - Temperaturen weit über 30 Grad: Da kommt ein köstliches Eis gerade recht. Heute wie früher. Ein Zufallsfund im Tölzer Stadtarchiv bringt die Antwort auf die Frage, wann es in Tölz bereits Eisdielen gab. Mindestens seit 1949. Da beantragt nämlich ein gewisser Silvano Moreschi bei der Stadt eine Werbetafel für seine Eisdiele und liefert dazu passenderweise eine putzige Zeichnung von einer Eis schleckenden Micky Maus.

In Handarbeit hergestellt

Beantragt ist die Tafel für das Haus Badstraße 24, das zur Jahrhundertwende vom Tölzer Steinmetzmeister Rehle errichtet worden war. Dort, wo sich heute der Friseursalon Maria befindet, war dann etwa zehn Jahre lang die Eisdiele von Silvano Moreschi, der sie zusammen mit dem späteren Milchgeschäftsinhaber Lorenz Doose (Marktstraße) betrieb.

Dies alle weiß Peter Zirngibl aus dem Rehle-Haus, der sich auch noch ganz gut an das Geschäft des Eismachens erinnert. Dort, wo früher hinterm Haus die Werkstatt des Steinmetzes war, wurde das Eis in Handarbeit hergestellt. Die Brauerei Oberland habe regelmäßig Eisstangen gebracht, die, zerstoßen und dann mit Viehsalz versetzt, eine Kühlsole ergaben, mit deren Hilfe das Eis produziert wurde, erzählt der 83-Jährige.

Der amerikanische Einfluss war bei Silvano Moreschi unübersehbar: Micky Maus warb 1949 für seine Eisdiele in der Badstraße. Die Zeichnung stammt aus dem Genehmigungsantrag für das Rathaus.
Der amerikanische Einfluss war bei Silvano Moreschi unübersehbar: Micky Maus warb 1949 für seine Eisdiele in der Badstraße. Die Zeichnung stammt aus dem Genehmigungsantrag für das Rathaus. © Repro: cs-press

Frische Früchte aus dem Obstgeschäft

Für das Eis hätten sich Silvano Moreschi und Lorenz Doose frische Früchte am damaligen Obstgeschäft Huber am Amortplatz geholt. Zirngibl: „Da gab‘s noch keine künstlichen Aromen.“ Besonders gut erinnert sich Zirngibl an eine Spezialität namens „Pezziduri“, ein zweischichtiges Eis zwischen Waffeln. Die Eisdiele besaß, wie ein Bild beweist, auf dem breiten Gehsteig auch einen kleinen Freibereich mit Tischen und Stühlen. Auf dem Foto ist zu erkennen, dass eine Tasse Kaffee 63 Pfennig kostete. Für das Stück Kuchen musste man 50 Pfennig investieren.

Ausgewandert nach Südafrika

Wer war Silvano Moreschi? Im Tölzer Adressbuch 1949 wird er als Kellner bezeichnet. Peter Zirngibl weiß noch, dass er mit den Amerikanern nach Tölz kam und zunächst in der Kaserne arbeitete. Er heiratete Rosa Elisabeth Ginhart und hatte zwei Töchter (Ingrid und Stella). Die Ehe ging schnell auseinander. Moreschi sei, erzählt Peter Zirngibl, sei später nach Südafrika ausgewandert.

Das Mobiliar der Eisdiele in der Badstraße wurde nach den Worten Zirngibls im Sommer 1959 an Giovanni Colle verkauft. Colle gilt noch heute als der Inbegriff für die frühe Tölzer Eiskunst. Er eröffnete im Sommer 1959 sein „Eis Venezia“ in der unteren Badstraße, das er dann 50 Jahre lang führte.

Auch interessant

Kommentare