Immer mehr Ausbildungsabbrüche: Was sind die Gründe?

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Deutschlandweit steigt die Zahl der Ausbildungsabbrüche. Die Gründe sind verschieden. © Imagebroker/Jan Tepass/Imago

Immer mehr junge Menschenbeenden eine Berufslehre vorzeitig. Zwar sind die Abbrecherzahlen in Bayern moderater, als in anderen Teilen der Republik, trotzdem lassen sich Trends auch im Landkreis feststellen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Immer mehr junge Menschen brechen ihre Ausbildung ab. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervor. In manchen Regionen Deutschlands beendet sogar jeder zweite Auszubildende frühzeitig seine Lehre. In Bayern ist die Lage zwar etwas moderater, dennoch schlägt sich der Anstieg auch hier nieder. Wie ist die Situation im Landkreis? Und was sind die Gründe für die Abbrüche? Vorab: Konkrete Landkreiszahlen kann weder die Industrie- und Handelskammer (IHK) noch die Berufsschule, die Agentur für Arbeit oder Handwerkskammer nennen. Es lassen sich aber Trends beobachten.

Großes Angebot an Ausbildungsplätzen

Florian Dietz ist Schulleiter der Staatlichen Berufsschule. Er sagt: „Wir haben etabliert, dass sich Schüler bei einem Ausbildungsverlust oder -abbruch mit unseren Jugendsozialarbeitern beraten.“ Einige würden dabei als Grund nennen, dass die Ausbildungsrichtung oder der Betrieb nicht zu ihnen passt. „Durch das große Angebot an Ausbildungsplätzen hatten viele keine Probleme, einen Ausbildungsplatz zu bekommen und bleiben daher trotz des momentanen Verlustes absolut optimistisch, eine gute Alternative zu finden“, sagt Dietz. Der Großteil der Abbrüche erfolge im ersten Lehrjahr.

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Die Agentur für Arbeit stellt einen leichten Anstieg bei den Abbrüchen fest. Man müsse jedoch beachten, dass sich die Arbeitsagentur lediglich auf die jungen Menschen beziehen kann, die sich bei der Behörde melden. „Die Gründe für die Abbrüche sind meist persönlicher oder gesundheitlicher Art“, sagt Nicole Cujai, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rosenheim. „Der hohe Fachkräftebedarf und die demografische Situation haben zu einer verbesserten Ausbildungslage geführt“, sagt sie. „Das hat zum Teil zur Folge, dass junge Menschen, die beispielsweise bei persönlichen Differenzen mit dem Ausbildungsbetrieb in der Vergangenheit vielleicht im Betrieb geblieben wären, heute eher die Ausbildung vorzeitig beenden. Sie erhoffen sich, leichter einen neuen Betrieb zu finden.“ Generell habe sie in den vergangenen Jahren beobachtet, dass aufgrund der rückläufigen Zahl der Bewerber für Ausbildungsstellen mehr Jugendliche, die in der Schule schwächere Leistungen erbracht haben, einen Ausbildungsplatz bekommen haben. „Diese tun sich wiederum teilweise schwerer, die Anforderungen zu erfüllen, wodurch es ebenfalls zu Abbrüchen kommen kann“, so Cujai.

Mehr Abbrüche am Ausbildungsanfang

Laut Arbeitsagentur müsse man aber auch differenziert betrachten, ob nach dem Abbruch weiterhin ein Ausbildungsplatz gesucht wird. Denn laut Cujai kann dann von keinem Abbruch im klassischen Sinne gesprochen werden. Das gibt in dem Kontext auch Almut Burkhardt, Pressesprecherin bei der IHK, zu bedenken: „Bricht jemand seine Ausbildung vorzeitig ab, kann das zugleich heißen, dass er die gleiche Ausbildung bei einem anderen Betrieb fortsetzt oder mit einem neuen Ausbildungsberuf beginnt. Diese jungen Erwachsenen gehen somit als Azubis nicht per se verloren.“

Häufiger Abbrüche bei Malern und Lackierern, Friseuren, Lebensmittelhandwerkern und Fachverkäufern

Alexander Tauscher von der Handwerkskammer für München und Oberbayern sagt auf Anfrage, dass Landkreiszahlen zum Thema Abbrüche nicht aussagekräftig seien, da eine zu geringe Fallzahl vorliege, allerdings zeigen sich bayernweit Trends. „2024 wurden 8856 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst“ – 57 Prozent davon im ersten Ausbildungsjahr, wiederum 32 Prozent davon in der Probezeit, die zur Orientierung dienen soll. „In dieser Zeit zeigt sich oft in der Praxis, ob der gewählte Beruf beziehungsweise Betrieb der richtig ist. Etwa die Hälfte stellt daher keinen Abbruch der Ausbildung dar, sondern lediglich ein Wechsel in einen anderen Beruf oder Betrieb.“ Überdurchschnittlich häufig wird eine Handwerks-Ausbildung bei Malern und Lackierern, bei Friseuren und Lebensmittelhandwerkern, vor allem im Fachverkauf, abgebrochen. Hingegen komme es eher selten bei Land- und Baumaschinenmechatronikern, Zimmerern oder Schreinern zum Abbruch. Wichtig ist laut Tauscher, dass die Abbruchquote nicht vom Berufsbild beeinflusst wird, sondern vom Schulabschluss, der Herkunft und den Sprachkenntnissen.

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