In nur zwei Stunden ereigneten sich am Kesselberg bei Kochel zwei Motorrad-Unfälle. Eine schwerverletzte Bikerin (23) wurde durch Zufall in den Bäumen entdeckt.
Kochel - Innerhalb von zwei Stunden haben sich am Samstagnachmittag (13. September) auf der B11 am Kochler Kesselberg zwei Kradunfälle ereignete. Beide im Bereich der „Applauskurve“. In einem Fall musste eine schwerverletzte Kirchheimerin (23) von der Feuerwehr aus einem Waldhang geborgen worden.
Am Samstag wurde eine schwerverletzte Bikerin nach einem Sturz auf der B11 am Kesselberg nur zufällig in den Bäumen entdeckt
Gegen 14.50 Uhr ereignete sich ein schwerer Unfall. Er wurde „durch Zufall von einem Polizeibeamten entdeckt“, wie es von der Polizei Kochel heißt. Der Kollege befand sich privat auf der Durchfahrt, ihm fielen verdächtige Schleifspuren auf der Fahrbahn auf. Der Beamte erkannte eine leblose Person in Motorradkleidung, die sich verkeilt zwischen den Bäumen befand.
Zeitnahe Unterstützung erhielt der Kollege von zwei weiteren Ersthelfern. Bei einem handelte es sich zudem eine Rettungssanitäterin, so dass der schwer verletzten und bewusstlosen Kradfahrerin schnellstmöglich professionelle Hilfe noch vor Ort zuteil wurde, bevor kurz darauf das BRK eintraf. Die Schwerverletzte wurde anschließend mit dem Rettungshubschrauber in die Unfallklinik nach Murnau geflogen.
Zu hohes Tempo in der Kurve
Die 23 Jahre alte Kirchheimerin war mit ihrer Ducati bergabwärts unterwegs gewesen. Die Spurenlage am Unfallort ließ laut Polizei erkennen, dass die Geschwindigkeit für die Kurvenverhältnisse nicht angepasst war „und damit unfallursächlich gewesen sein dürfte“.
Feuerwehr kümmerte sich um Bergung
An der Maschine war ein wirtschaftlicher Totalschaden entstanden, geschätzt über 20.000 Euro. Das zerstörte Krad wurde von einem Abschleppdienst geborgen und abtransportiert.
Die Feuerwehr kümmerte sich um die aufwendige Bergung der Verletzten sowie die Sicherung und Absperrung der Unfallstelle. Die Einsatzkräfte bauten mit Steckleitern sowie Seilgeländern eine Zugangsmöglichkeit, berichtet die Wehr auf ihrer Facebook-Seite. Die Fahrerin war bei ihrem Sturz von mehreren kleinen Bäumen sowie einem großen Stein gestoppt worden und hängen geblieben Äste wurden mit der Bügelsäge von der Person abgeschnitten sowie naheliegende Bäume mit der Rettungsschere abgezwickt. Die Verletzte wurde mit einem Spineboard aus dem Abhang gerettet und weiter versorgt. Das Motorrad zogen die Helfer mit ihrer Seilwinde circa 30 Meter den Abhang hinauf.
Feuerwehr: Wurden von Motorradfahrern überholt
Die Feuerwehr Kochel spricht zu den beiden Einsätzen am Samstag am Kesselberg auf ihrer Facebook-Seite etwas „sehr Ernstes“ an. Die freiwilligen Helfer wurden nach eigener Aussage bereits auf der Alarmfahrt zu diesen Einsätzen – trotz Blaulicht, Martinshorn, Überholverbot und durchgezogener Linie – von Motorradfahrern mit hoher Geschwindigkeit überholt.. Was nicht zum ersten Mal geschehen sei.
„Wir leisten unseren Dienst freiwillig. Wir verlassen dafür unsere Familien, Arbeitsstellen oder unsere Freizeit – um anderen in Not zu helfen. Am Kesselberg sind wir vieles gewohnt: ungeduldige Autofahrer, genervte Radler, riskante Manöver. Aber wenn selbst unsere Anfahrt zum Einsatz durch solches Verhalten gefährlich gemacht wird, wird eine Grenze überschritten“, teilen die Ehrenamtliche mit. Und weiter: „Jeder sollte sich bewusst machen: Wir fahren nicht zum Spaß mit Blaulicht – wir fahren, weil Menschenleben in Gefahr sind. Wer uns auf der Anfahrt behindert oder gar gefährdet, riskiert, dass Hilfe zu spät kommt.“ Die Feuerwehr Kochel schließt ihren Beitrag mit den mahnenden Worten: „Ihre Rücksicht kann Leben retten – vielleicht auch Ihr eigenes!!!“
17-Jähriger stürzt in „Applauskurve“
Etwas glimpflicher war laut Polizei zuvor gegen 13 Uhr der Sturz eines 17 Jahre alten Jugendlichen aus Bad Kohlgrub ausgegangen. Dieser war mit seiner 125er Yamaha ebenfalls bergabwärts unterwegs und in der „Applauskurve“ gestürzt. Beim Sturz zog sich der 17-jährige eine schwere Beinverletzung zu. Der junge Mann wurde in die Unfallklinik Murnau gebracht.
Auch zu schnell unterwegs
Auch bei diesem Unfall hatte die Spurenlage erkennen lassen, „dass es der Fahrer zuvor unterlassen hatte, seine Geschwindigkeit dem Kurvenverlauf rechtzeitig anzupassen“, heißt es von der Polizei. Auch hier war die Feuerwehr Kochel im Einsatz gewesen. Um den Abtransport des beschädigten Krads hatten sich Freunde des Verunfallten gekümmert.
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