Wenig Worte, klare Positionen: Bürgermeisterkandidaten diskutieren über Garchings Zukunft

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Die Kandidaten (v.l.): Christian Nolte (UG), Simone Schmidt (BfG), Dietmar Gruchmann (SPD), Bastian Dombret (FDP), Werner Landmann (Grüne) und Thomas Lemke (CSU). © Dieter Michalek

Bei einer Podiumsdiskussion debattieren die Garchinger Bürgermeisterkandidaten über die Zukunft der Stadt. Vor allem bei den Finanzen gingen die Meinungen weit auseinander.

Garching – Ein umfunktionierter Schuhkarton steht auf einem kleinen Tisch neben der Bühne im Garchinger Bürgersaal. Immer wieder laufen Menschen am Montagabend zur Fragenbox und werfen einen postkartengroßen Zettel hinein, während die sechs Bürgermeisterkandidaten auf dem Podium mit Moderatorin Mira Barthelmann vom BR diskutieren. Ein ganzer Stapel, rund 40 Bürgerfragen, sind am Ende zusammengekommen.

„Sechs Menschen, die ihren Hut in den Ring werfen, das ist wirklich bemerkenswert“, sagte Barthelmann und stellte die Kandidaten auf amüsante Art vor: den amtierenden Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD), Thomas Lemke (CSU), Christian Nolte (UG), Werner Landmann (Grüne), Simone Schmidt (BfG) und Bastian Dombret (FDP). Bemerkenswert war auch die Länge der Veranstaltung, organisiert vom Verein Lebendiges Garching, kurz und knapp – in unter zwei Stunden – schnitt Barthelmann jeden in der Stadt relevanten Themenblock an, von bezahlbarem Wohnraum hin zum Haushalt, der Sozialpolitik sowie Verkehr und Umwelt.

Garching, Podiumsdiskussion, 09.02.2026,Foto: Michalek
Rund 40 Fragen landeten in der Schachtel. Für alle war keine Zeit, deshalb konnten die Bürger ihre E-Mail-Adresse hinterlassen. © Dieter Michalek

In den meisten Punkten herrschte große Einigkeit – doch die Finanzen der Universitätsstadt spalteten die Kandidaten. „Dieses Jahr passt noch alles. Doch wie sieht die Zukunft aus? Eine Haushaltsplanung, die auf Grundstücksverkäufen und Schulden basiert geht nicht“, sagte Lemke (51), Geschäftsführer der CSU Oberbayern, und forderte ein Kostencontrolling für Bauvorhaben, damit die Ausgaben nicht wie beim Feuerwehrhaus oder dem Stadion am See aus dem Ruder laufen. Dem schloss sich Gymnasiallehrerin Schmidt (45) an: „Viele Kosten sind explodiert.“ Außerdem schlug sie vor, das teure, für die Grundschule Nord geplante Lehrschwimmbecken wegzulassen und dafür einen Investor für ein Schwimmbad zu suchen. Auch Projektmanager Nolte (57) appellierte, vorsichtig zu planen. „Irgendwann kommt der Tag, da können wir es uns nicht mehr leisten.“ Gruchmann (65), Historiker und Politologe Landmann (50) und Bankbetriebswirt Dombret (45) blicken hingegen positiv in die Zukunft. „Ich bin verwundert über die panikartige Diskussion der finanziellen Lage in Garching. Unsere Ausgangslage ist sehr gut und komfortabel“, sagte Dombret. „Ich mache mir keine Sorgen, wir haben ein brummendes Gewerbegebiet. Es besteht keine Gefahr, dass wir bald pleite sind“, so der Amtsinhaber.

Garching, Podiumsdiskussion, 09.02.2026,Foto: Michalek
Mehrere hundert Garchinger kamen in den Bürgersaal. © Dieter Michalek

Ein Dauerbrenner ist das Thema Wohnraum, vor allem bezahlbarer. Dass dieser in Garching fehlt, da stimmten alle zu. Hoffnung liegt auf der Kommunikationszone, hier passiert nach langem Stillstand dieses Jahr endlich etwas. Während die Mehrheit dafür plädierte, bei den bisherigen Plänen zu bleiben, um voranzukommen, will Schmidt sie überarbeiten lassen, „um den Verkehr aus dem Wohngebiet zu bekommen“. Gruchmann sagte: „Bezahlbare Erbpachtmodelle und genossenschaftliches Wohnen wird die Zukunft sein.“ Dombret fügte hinzu: „Beim Thema Wohnraum helfen nur zwei Dinge: Bauen und versuchen, die Gewinnerzielungsabsichten rauszubekommen.“ Landmann warf alternative Modelle wie kommunaler Wohnungstausch oder Wohnen für Hilfe in den Raum.

Garching, Podiumsdiskussion, 09.02.2026,Foto: Michalekveranstalten den Abend:Annette Hülsmann, Doreen Pietzsch und Ulrike Haerendel
Veranstalten den Abend (v.l.): Annette Hülsmann, Doreen Pietzsch und Ulrike Haerendel vom Verein Lebendiges Garching. © Dieter Michalek

Im Bereich Umwelt setzte jeder Kandidat seinen eigenen Schwerpunkt. Während Nolte die kommunale Wärmeplanung ein wichtiges Anliegen ist, wollen Landmann und Schmidt den Parkdruck reduzieren. „Garching soll keine Parkstadt werden“, sagte die BfG-Kandidatin. Dombret entgegnete: „Das Auto gehört für viele zur Lebensrealität und ist notwendig.“ Er sieht die Zukunft der erneuerbaren Energien bei der PV-Anlage. Gruchmann will sich weiter für die Herabstufung der Staatsstraße einsetzen: „Ich bin guter Dinge, dass wir Tempo 30 bekommen.“

Etwa ein Viertel der von den Bürgern schriftlich gestellten Fragen konnten die Kandidaten direkt besprechen, wie den Wunsch nach einem Ärztehaus. „Die kassenärztliche Vereinigung ist das Problem“, sagte Gruchmann. Es gebe eine bestimmte Anzahl an Niederlassungen für den Landkreis, und die Ärzte können selbst entscheiden, wo sie ihre Praxis eröffnen. „Aber ich kämpfe dafür.“ Lemke: „Wir brauchen einen Wirtschaftsförderer, der sich hauptamtlich um solche Themen kümmert.“ Der Rest der Fragen wurde unter den Bewerbern fürs Bürgermeisteramt verteilt und soll später per Mail den Fragestellern beantwortet werden.