Die Pfadfinder in Garching wurden vom Sportplatz verwiesen. Doch der Ärger ist nach Gesprächen mit dem Bürgermeister wieder beigelegt.
Garching – Seit rund 40 Jahren, seit es die Grundschule West in Garching gibt, nutzen die Pfadfinder der katholischen Pfarrgemeinde St. Severin den Sportplatz jeden Mittwochabend zum Spielen, Lernen und Spaß haben. 40 Kinder treffen sich dort einmal die Woche von 18 bis 20 Uhr mit den Gruppenleitern. Vor etwa drei Wochen dann der Schock für die Jugendorganisation mit rund 90 Mitgliedern: „Uns wurde ein Platzverweis erteilt“, sagt Stammesvorstand Dominik Sygulla, für den die Verwarnung völlig aus dem Nichts kam. „Es gab noch nie Probleme oder Beschwerden. Ich war fassungslos und enttäuscht.“ Auch in den sozialen Netzwerken ist der Vorfall ein Thema, nachdem die Eltern per E-Mail informiert wurden.
Natürlich dürfen die Pfadfinder weiter dort spielen.
Sygulla hat sich sofort an die Stadt gewandt, um dem Vorgehen der vom Ordnungsamt beauftragten Security-Firma auf den Grund zu gehen. Denn, die „Jugendarbeit kann ohne Sportplatz nicht stattfinden, er ist essenziell“. Die Räume der Pfarrei seien für so viele Kinder zu klein. Doch der Rathaus-Besuch blieb ohne Erfolg: „Wir wurden abgeschmettert.“ Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) sagt auf Merkur-Nachfrage: „Die Pfadfinder kamen ins Rathaus reingerumpelt und haben Forderungen gestellt. Das war diplomatisch unklug.“ Sowohl der Bürgermeister als auch die Jugendorganisation haben sich daraufhin an den Pfarrer und den Pfarrgemeinderat von St. Severin gewandt. „Wir haben miteinander gesprochen und eine Lösung gefunden“, so Gruchmann. „Natürlich dürfen die Pfadfinder weiter dort spielen.“ Bedingung sei jedoch, dass eine Aufsichtsperson dabei ist.
Denn die Kontrolle der Security-Firma auf dem Areal der Grundschule West hatte einen Grund: massiver Vandalismus. „Wir müssen leider feststellen, dass seit dem Erweiterungsbau das Gelände häufiger besucht wird“, so der Bürgermeister. Im Zuge des Erweiterungsgebäudes für unter anderem die Mittagsbetreuung, das im Oktober 2024 Einweihung feierte, wurde auch der Spiel- und Sportplatz der Grundschule West und der Max-Mannheimer-Mittelschule mit einigen neuen Geräten bestückt. Seitdem kommen regelmäßig Unruhestifter auf das Gelände. „Es gab und gibt mutwillige Zerstörungen am Neubau“, so Gruchmann. „Es wird getrunken, es liegen Zigaretten und gefährliche Glassplitter am Boden und sogar vom Balkon wird uriniert.“ Die Schulleitung und der Bauunterhalt haben ihn daher um strenge Kontrollen außerhalb der öffentlichen Nutzungszeiten im Schulgelände gebeten. „Wir sind als Kommune in der Fürsorgepflicht.“
Doch wieso wurden die friedlich spielenden Pfadfinder vom Sportplatz verwiesen? „Die Security kann nicht zwischen guten und bösen Nutzern unterscheiden.“ Die Mitarbeiter haben sich auf die Nutzungsordnung berufen, die besagt, dass das Gelände im Winter ab 18 Uhr gesperrt ist. „Ausgewählte Personen dürfen den Sportplatz aber weiter nutzen“, sagt Sygulla. „Wir sind davon ausgegangen, dass wir dazuzählen.“ Nach kurzer Aufruhr und klärenden Gesprächen kann die Gruppenstunde weiter wie seit Jahrzehnten mittwochabends am gewohnten Ort stattfinden.