Anonymer Anruf führt zu besonderem Tauschgeschäft an besonderem Ort

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Freuen sich über die Votivtafeln: (v.l.) der Pfarrer des Pfarrverbands Robert Kröpfl, Kirchenpfleger Erwin Walk und Thomas Dorsch vom Förderverein. © Hochenauer

Ein besonderes Tauschgeschäft wurde kürzlich auf einem Berg in Oberbayern abgewickelt: Die Geschichte, wie es dazu kam, begann mit einem anonymen Anruf.

Es ist etwa drei Jahre her, dass in der Pfarrei „St. Michael“ in Peiting das Telefon klingelte. „Die Nummer war unterdrückt und der Anrufer fragte, ob Votivtafeln an die Kirche zurückgegeben werden können“, erinnert sich der Pfarrer des Pfarrverbands Peiting-Hohenpeißenberg, Robert Kröpfl. Er habe bejaht und der Anrufer, der seinen Namen nicht genannt hat, beendete das Telefonat rasch. „Wenig später ist die Votivtafel auf einmal vor der Tür gestanden“, sagt Kröpfl.

Es begann mit einem anonymen Anruf

Es ist eine schreckliche Szene, die die Votivtafel zeigt: Ein Säugling liegt tot im Kinderbettchen, um ihn herum viele Kinder, ein Mann und eine Frau – wohl die Mutter des toten Kindes –, die wohl im Bett liegt. Über diesem Geschehen schwebt im Himmel, an dem sich dunkle Wolken türmen, die Madonna aus der Gnadenkapelle. „Das Bild ist dramatisch“, sagte Kirchenpfleger Erwin Walk, der zusammen mit Kröpfl zur Übergabe der Votivtafel auf den Hohen Peißenberg gekommen war.

Darüber, dass die Votivtafel ihren Weg zurück in den Pfarrverband Peiting-Hohenpeißenberg gefunden hatte, gab es am 10. August 2022 auch den Bericht in den „Schongauer Nachrichten“. „Votivtafel zurück in Maria Egg“ lautete der Titel, denn damals dachte man noch, dass das Votivbild in die Wallfahrtskapelle „Maria unter der Egg“ in Peiting gehört. In dem Zeitungsartikel wurde darüber berichtet, dass die Votivtafel aus dem Jahr 1737 stammt und seit dem Jahr 1963 verschwunden war.

Zeitungsbericht ließ aufmerken

Diesen Zeitungsbericht hat damals auch der Hohenpeißenberger Bürgermeister Thomas Dorsch gelesen und beim genaueren Betrachten des Fotos vermutet, dass die Votivtafel wohl am falschen Wallfahrtsort im Pfarrverband gelandet ist. „Ich habe mir gleich gedacht, dass auf dem Votivbild das Gnadenbild vom Hohen Peißenberg zu sehen ist“, erinnert sich Dorsch beim Pressetermin in der Wallfahrtskirche. Die Madonna auf dem Bild habe zum Beispiel einen Apfel in der Hand, wie es auch beim Gnadenbild der Fall ist. „Die Tafel ist von der Ikonographie her eindeutig Hohenpeißenberg zuzuordnen“, sagt Dorsch. Damals habe er sich aber nicht weiter darum gekümmert.

Da man im Pfarrverband ja davon ausging, dass die Votivtafel in die Wallfahrtskapelle Maria Egg nach Peiting gehört, wurde diese dann, nachdem sie fachkundig restauriert worden war, auch dort aufgehängt, berichtete Walk. Nach geraumer Zeit hat Dorsch dann bei einem Termin im Pfarrverband angemerkt, dass die Votivtafel in Maria Egg eigentlich auf den Hohen Peißenberg gehört.

Wenig später hat er dann im Handel ein Votivbild entdeckt, das tatsächlich die Wallfahrtskapelle Maria Egg in Peiting zeigt, über der eine Madonna mit Jesuskind schwebt. „Wir hatten großes Glück, dass wir das günstig erwerben konnten“, berichtet Dorsch, der im Vorstand des Fördervereins „Freunde der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt“ ist. Aus Peiting kam das Signal, dass man einem Tausch gegenüber nicht abgeneigt sei. Nur die Restaurierungskosten sollten erstattet werden.

Erstmal zum Restaurator

Diese hat der Förderverein gern übernommen und auch das Votivbild, das zum Tausch gefunden worden war, restaurieren lassen. Kürzlich fand die Übergabe der beiden Votivtafeln in der Gnadenkapelle auf dem Hohen Peißenberg statt. Dass der Tausch so gut funktioniert habe, sei Ausdruck des guten Miteinanders im Pfarrverband. „Es ist ein sehr vertrauensvoller Austausch, bei dem wir uns gegenseitig helfen“, sagt Walk.

Nun hat jeder Wallfahrtsort sein passendes Votivbild. In der Wallfahrtskirche soll sie in den Durchgang zwischen Gnadenkapelle und Wallfahrtskirche gehängt werden und im Maria Egg an den Platz kommen, an dem zuvor das getauschte Bild hing.

Das Votivbild

Votivtafeln sind eng mit der Wallfahrt verknüpft und hatten ihre Hochphase im Barock. In der Regel ist das Votivbild ein kleinformatiges Bild, das die Rettung aus einer Notlage thematisiert, denjenigen, der um Hilfe gebeten hatte, den angerufenen Patron und den Anlass darstellt. Es wurde zum Zeichen der Dankbarkeit angefertigt und dann dem Patron dargebracht, der angerufen worden war. So sind damals an den Wallfahrtsorten unzählige Votivbilder gelandet. Sie sind Ausdruck besonderer Volksfrömmigkeit und gleichzeitig Zeugnis der Geschichte. Früher gab es sowohl in der Wallfahrtskirche auf dem Hohen Peißenberg als auch in der Wallfahrtskapelle in Peiting mehrere hundert Votivtafeln. Da diese viele Jahre als wertlos galten, wurden viele von ihnen entsorgt und verschenkt. Inzwischen werden sie wieder wertgeschätzt.

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