Geopolitisches Beben: Trump greift nach Venezuelas Öl – und Chinas Milliarden-Imperium

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Nach der US-Gefangennahme von Venezuelas Präsident Maduro bangt China um seinen Einfluss in dem südamerikanischen Land – ist das erst der Anfang in der Region?

Washington/Peking – Im chinesischen Shandong blickt man derzeit wohl besonders nach Venezuela. Die Provinz an der Ostküste der Volksrepublik ist besonders für ihre „Teapots“ bekannt. Die unabhängigen Raffinerien verarbeiten gerne schwere, schwefelreiche Rohölsorten. Daraus entstehen vor allem klassische Kraftstoffe wie Diesel und Benzin, außerdem Kerosin. Und am „schweren Ende“ der Produktion fällt Bitumen an. Das zähe Bindemittel hält Asphalt im Straßenbau zusammen.

Nach Maduro-Aus: USA greifen nach Öl-Industrie in Venezuela – zu Lasten von Chinas Einfluss?

Was nach einem technischen Detail klingt, ist plötzlich zu einem geopolitisches Risiko geworden. Denn ausgerechnet dafür ist venezolanisches Merey 16 in Shandong besonders gefragt. Seit der Gefangennahme von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte, deutet vieles darauf hin, dass US-Präsident Donald Trump die Ölströme in dem südamerikanischen Land neu sortieren will. Dann müssten die Raffinerien in Shandong auf andere Sorten ausweichen – oder ihre Auslastung drosseln. Doch das US-Gebaren könnte für China weit über die Raffinerien hinaus Folgen haben: Venezuela war für China in den vergangenen Jahren nicht nur ein Ressourcen-Lieferant, sondern vor allem auch ein Schuldner und Investitionsstandort in die Infrastruktur des Landes – das Ziel: Die weltweite Einflusssphäre zu erweitern und der USA vor ihrer eigenen Haustür die Stirn zu bieten.

Nicolás Maduro (li.) und Xi Jinping im Mai in Moskau.
Enge Partnerschaft: Venezuelas Ex-Präsident Nicolás Maduro (li.) und Xi Jinping im Mai 2025 in Moskau. © Marcelo Garcia/AFP

Denn an Venezuela hängt für Peking mehr als ein paar Tankerladungen. China ist laut Reuters ein Hauptabnehmer venezolanischen Öls. Für 2025 lag die Lieferungen demnach bei rund 470.000 Barrel pro Tag, häufig gekauft von unabhängigen Raffinerien und teils über umdeklarierten Handel, der die US-Sanktionen umgehen sollte. Zum Vergleich: Venezuelas Gesamtexporte lagen 2025 je nach Monat bei rund 844.000 Barrel pro Tag im Juni bis 921.000 Barrel pro Tag im November – die Volksrepublik war dabei jeweils der mit Abstand wichtigste Abnehmer. Ein Teil der Fracht dient außerdem dazu, Venezuelas Schulden bei Peking zu bedienen.

Gesamtes Engagement Chinas in Venezuela unübersichtlich – Experten sprechen von Milliardeninvestitionen

Experten schätzen die Verbindlichkeiten auf mehr als zehn bis 20 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig sind chinesische Firmen wie China National Petroleum Corp  (CNPC) weiter im Ölsektor engagiert, unter anderem über das Joint Venture Sinovensa mit dem Staatskonzern PDVSA. Auch Sinopec wird als Partner in Joint Ventures genannt. Darüber hinaus mischen auch private Akteure wie China Concord Resources sowie Kerui Petroleum und Anhui Erhuan mit Investments mit. Wie groß das Engagement heute ist, bleibt schwer zu beziffern. Venezuela veröffentlicht seit dem Staatsbankrott 2017 nur wenige detaillierte Wirtschaftsdaten. Nach einer Schätzung des American Enterprise Institute flossen zwischen 2016 und 2023 rund 2,1 Milliarden US Dollar in Venezuelas Ölsektor.

USA sendet Botschaft an „Rivalen“ – China-Delegation war wenige Stunden vor Maduro-Zugriff in Venezuela

Außerdem geht es auch um andere Zahlungswege: Venezuela dient Peking als eine Art Testfeld für die externe Währungs-Strategie des Renminbis. Öl- und Treibstoffpreise wurden in der Vergangenheit häufig in Yuan ausgezeichnet – als Signal der venezolanischen und chinesischen Regierung, dass Rohstoffhandel auch jenseits des Dollar-Rahmens laufen könne. Genau das macht den Maduro-Sturz zum potenziellen Signal an andere Länder der Region und unterzieht den chinesischen Einfluss einem Belastungstest: Die aktuelle Botschaft der USA an die Länder Lateinamerikas lautet in etwa, dass die Volksrepublik zwar wirtschaftliche Unterstützung bieten kann, das letzte Wort aber immer noch die USA haben.

Zumal Stunden vor dem Zugriff der US-Spezialkräfte noch eine chinesische Delegation um Pekings Sondergesandter für Lateinamerika und die Karibik, Qiu Xiaoxi, Maduro und weitere Regierungsmitglieder getroffen hatte – so dokumentierte es zumindest die Instagram-Seite des gefallenen Machthabers.

Sitzung im UN-Sicherheitsrat verpufft wirkungslos – Weißes Haus fordert von Venezuela Zugeständnisse

China versuchte, den Fall auch im UN-Sicherheitsrat zu thematisieren. Das Treffen kam auf Antrag Kolumbiens zustande und wurde von China und Russland unterstützt. Am Vorgehen Washingtons änderte das nichts. Trump rechtfertigte den US-Vorstoß dagegen vehement mit der „Donroe Doctrine“, die eine Sicherheitsstrategie impliziert, die Rivalen China den Zugriff auf „strategisch wichtige Assets“ in der Region verwehren will. US-Außenminister Marco Rubio formulierte das als Grundsatz, die USA würden den Kontinent nicht als Operationsbasis für Rivalen akzeptieren.

Laut ABC habe das Weiße Haus von Venezuela verlangt, wirtschaftliche Verbindungen zu China zu kappen. Der Konter aus Peking fiel zwar deutlich aus: Regierungsvertreter sprachen von gezieltem „Mobbing“ und pochten auf das „legitime Rechte“ Chinas in Venezuela, tätig zu sein.

Weitere China-Investitionen auf dem Prüfstand? Unternehmen bangen um Einfluss in Venezuela

Die Wirtschaftsbeziehungen erreichten ihren Höhepunkt in den Jahren unter Hugo Chávez, dem Vorgänger von Maduro. Seit 2007 stellte China laut Reuters Venezuela nach Schätzungen mehr als 60 Milliarden US Dollar zur Verfügung, oft als ölbesicherte Kredite. Die aktuelle Situation könnte damit zu einem unangenehmen Präzedenzfall werden. Denn während Trump im Zuge der Maduro-Verhaftung auch Mexiko und Kolumbien drohte sowie Rubio Warnungen an Kuba sendete, dürfte China noch genauer auf seine Investitionen in Südamerika schauen.

Dazu zählen unter anderem Länder wie Brasilien, Argentinien oder Peru, in denen China verstärkt in Energieinfrastruktur investiert hat. Zumindest die Wirtschaft gibt sich geläutert: Laut Bloomberg hätten staatseigene Firmen wie die CNPC, die in Venezuela tätig sind, die chinesische Regierung um Hilfe gebeten, um ihre eigenen Investitionen vor Ort zu schützen. Offen bleibt aber vorerst, welche Garantien die chinesische Regierung in Aussicht stellte. (Quellen: Reuters, Bloomberg, ABC // msw).



Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/trump-greift-nach-venezuelas-oel-wackelt-chinas-einfluss-in-suedamerika-94115300.html