„Da Bertl is bärig“

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Und los: Bis zu fünf Ochsen traten gegeneinander an, Helfer auf der Bahn durften sie nur mit Futter locken oder mit Rufen. © Andrea Jaksch

Eine Riesengaudi war das Ochsenrennen am Donnerstag in Hadorf, das mehr Zaungäste als offizielle Besucher hatte. 17 Starter waren gemeldet, aber nicht alle wollten ins Ziel kommen. Gewonnen hat eine Machtlfingerin mit Erfahrung.

Hadorf – 17 Ochsen, mehrere tausend Zuschauer und jede Menge Applaus: Das gab es am Donnerstag in Hadorf vor dem Wagner-Stadl. Vorsitzender Leonhard Wagner organisierte gemeinsam mit seiner Burschenschaft das zweite Ochsenrennen der jüngeren Zeit im Landkreis Starnberg – zum ersten Mal in Hadorf.

Die 17 Ochsen bereiteten sich gemeinsam mit ihren Reitern hinter der Rennstrecke auf den Start vor, als sich um 10 Uhr die Türen für die Gäste öffneten. Gemeinsam mit der Feuerwehr Hadorf, einem Security-Team und zahlreichen Helfern aus befreundeten Burschenschaften und Landjugenden empfing die Burschenschaft Hadorf die etwa 2500 Zuschauer, die teilweise mit eigenen Traktoren und Reisebussen nach Hadorf kamen, und weitere etwa 3000 Zaungäste. Mit Getränken, Weißwurst, Grillgut und Musik der Blaskapelle „Da Blechhauffa“ stimmten sie sich auf den Rennstart um 13 Uhr ein. Die 4000 Semmeln und 900 Brezen der Bäckerei Lidl waren schnell verzehrt.

Hadorf,29.05.2025, Ochsenrennen, Siegerin(v.li.): Armin Bandowski, Tim Bajer, Eva Wolf, Andreas Sontheim
Die Siegerin: Eva Wolf mit ihrem Team Armin Bandowski, Tim Bajer, Eigner Andreas Sontheim und Bertl (v.l.). © Andrea Jaksch

 „Die Regeln sind immer ähnlich“, so Wagner, der selbst mit der Nummer sieben und seinem Ochsen Simmerl an den Start ging. „Die Startboxen müssen von neutralen Personen geöffnet werden, der Reiter muss auf dem Ochsen das Ziel erreichen, und der Ochse muss komplett über die Ziellinie“, erklärte er. „Und man darf das Tier nur mit Futter oder der Stimme locken.“ Außerdem gebe es tierschutzrechtliche Regeln, wie etwa schattige Plätze und genug Futter für die Tiere. Diese müssen mindestens zwei Jahre alt sein, um teilnehmen zu dürfen.

Für Donnerstag hatten sich 17 Ochsen mit ihren Jockeys, darunter neun Frauen, angemeldet. 14 Tiere stammten aus dem Landkreis Starnberg. Unter ihnen die Ochsen Max und Moritz aus Perchting. Johanna Noll (24) trainierte die beiden gemeinsam mit ihrem Freund Florian Seethaler. „Wir haben zweimal pro Woche etwa eineinhalb Stunden auf einer eigenen Rennbahn trainiert“, erzählte sie. „Es sind ruhige und gemütliche Tiere, aber sie wissen, dass sie geradeaus laufen müssen.“

Hadorf,29.05.2025, Ochsenrennen
Riesen-Andrang: 2500 Zuschauer waren an der Bahn zugelassen, Tausende verfolgten das Rennen als Zaungäste. © Andrea Jaksch

Die offizielle Rennbahn in Hadorf maß 90 mal 15 Meter und bot Platz für maximal fünf gemeinsam startende Ochsen. In vier Vorrunden traten die Tiere mit ihren Reitern und weiteren Teammitgliedern gegeneinander an. Dazu gehörten zum Beispiel Treiber, die die Ochsen auf Kurs hielten oder Futter brachten. Die jeweils zwei Gruppensieger kamen ins Halbfinale, dessen Sieger anschließend ins Finale.

Schon vor dem Start gab es Spekulationen und Fachsimpeln über die Favoriten. Durch den Kauf eines Loses konnten die Ochsenfans Wetten abgeben und Tombolapreise gewinnen. „Unser Favorit ist der Leo Wagner“, sagte Markus Freund von der Burschenschaft Hadorf. „Sein Ochse Simmerl hat ein elegantes Laufwerk.“ Rosemarie Biemel aus Dornwang hingegen setzte ihre Stimmen auf den Ochsen Maxl mit seiner Reiterin Lara Schubert sowie auf Wuschel, geritten von Theresa Wachinger. Wuschel hatte 2023 das Ochsenrennen in Dornwang gewonnen.

Hadorf,29.05.2025, Ochsenrennen
Ein Ochse hat seinen eigenen Willen: Wenn er nicht mag, hilft auch alles gut zureden nichts. © Andrea Jaksch

In Hadorf schaffte er es im Finale auf den zweiten Platz. Den ersten sicherte sich die 22-jährige Eva Wolf aus Machtlfing auf dem Ochsen Bertl. „Da Bertl is bärig“, so Wolf. Er ist 27 Monate alt und hat eine Schulterhöhe von 150 Zentimeter. Sein Besitzer Andreas Sontheim fragte Wolf vor etwa vier Monaten, ob sie ihn reiten wolle. „Es ist eine sehr große Ehre, einen Ochsen reiten zu dürfen“, sagte Wolf. Ihr Geheimnis: „Mit einem tollen Team an den Start gehen.“ Bertl sei schnell und stur, was ihn wild auf Laufen mache. Bereits 2022 nahm sie mit einem anderen Tier am Ochsenrennen in Frieding teil und erreichte dort den sechsten Platz. Ob noch weitergeritten werde? „Der Bertl ist am liebsten allein auf der Weide mit seinen Spezln, und genau das hat er jetzt verdient“, so Wolf. Für sie stiftete der regionale Goaßbockverein einen Ziegenbock. Platz drei erreichte Lara Schubert auf Maxl, und auf Platz vier ritt Valentin Reithmayer auf dem Ochsen Max.

Hauptorganisator Leonhard Wagner und sein Ochse Simmerl bekamen Applaus, als das Tier auf Hälfte der Strecke den Dienst verweigerte und erst nach einer Umarmung seines Reiters zurück zum Startpunkt trottete. Aber wenn ein Ochs‘ nicht mag, dann mag er nicht, heißt es. Einige liefen ohne ihre Reiter ins Ziel, blieben in der Startbox stehen oder drehten wie Simmerl um, was dem Fest keinen Abbruch tat. Im Gegenteil. In jeder Hinsicht wurden die Erwartungen von Gästen und Veranstaltern übertroffen.

Von Vanessa Lange

Hadorf,29.05.2025, Ochsenrennen, (Name hat Vanessa)
Im Wettbüro: Rosemarie Biemel aus Dornwang beispielsweise gab ihren Tipp ab – und lag daneben. © Andrea Jaksch

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