Die Regierung um Kanzler Merz fordert immer mehr Arbeit durch Arbeitnehmer. Bis zu 48 Stunden pro Woche sollen es sein. Eine Umfrage spricht Bände.
Berlin – Seit Monaten zielen Forderungen aus der Union bis hin zum Kanzler auf mehr Arbeitsmoral in Deutschland ab. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisierte die „fast drei Wochen“, auf die die Deutschen im Schnitt bei den Krankentagen im Jahr kommen. „Generell in der Lebenszeit“ soll nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mehr gearbeitet werden. Nun tobt eine Debatte um die immer weiter steigende Teilzeit.
Zudem plant die Bundesregierung eine Reform, die den Acht-Stunden-Tag abschaffen und eine wöchentliche Arbeitszeitgrenze einführen soll. Wovon drei Branchen besonders betroffen wären. Mehr Flexibilität verspricht die Union dadurch Arbeitnehmern wie Arbeitgebern. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht dahinter ein Schlupfloch für deutlich mehr 48-Stunden-Wochen. Wie weit die Debatte an den Bedürfnissen der Menschen im Jahr 2026 vorbeigeht, offenbart nun eine repräsentative Umfrage der IU Internationale Hochschule.
Merz-Regierung plant 48-Stunden-Woche – Umfrage spricht klare Sprache
Die Umfrage zeigt: Die Deutschen stehen einer 48-Stunden-Arbeitswoche äußerst skeptisch gegenüber. 73,5 Prozent der Befragten bewerten eine solche Arbeitsbelastung für ihr Leben als „negativ“ oder „sehr negativ“. „Wir fanden überraschend, wie weit sich das Grundempfinden in der Bevölkerung vom politischen Diskurs entkoppelt hat“, kommentiert Arbeitsexperte Malte Martensen von der IU die Ergebnisse.
Dass es so eine große Ablehnung gegen eine 48-Stunden-Woche gebe, habe er nicht gedacht. Es gebe den Reflex, in Krisenzeiten einfach Antworten auf komplexe wirtschaftliche Probleme zu suchen. „Aber nur zu sagen, die Menschen müssten mehr arbeiten, ist letztlich zu kurz gedacht.“
Als Hauptgründe für die Ablehnung längerer Arbeitszeiten nennen die Befragten mangelnde Zeit für Familie und Freunde sowie für Sport und Hobbys. Auch gesundheitliche Bedenken – sowohl körperlicher als auch psychischer Natur – spielen eine wesentliche Rolle. Dennoch bevorzugen 44,7 Prozent der Deutschen ein Vollzeitmodell mit 35 bis 40 Wochenstunden als ideale Arbeitsform für ihre Lebenssituation. Eine Vier-Tage-Woche mit 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich wünschen sich 33,9 Prozent, während klassische Teilzeitmodelle mit weniger als 35 Wochenstunden für 18,5 Prozent am attraktivsten sind.
Zur IU-Studie
Für die Studie wurden 2.000 Arbeitnehmende in Deutschland im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt. Die Stichprobe ist repräsentativ für den deutschen Arbeitsmarkt nach Alter und Geschlecht. Die Befragung wurde im Zeitraum vom 10. bis 16. November 2025 durchgeführt.
Aus für Acht-Stunden-Tag zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit
Die Umfrage erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem SPD und Union den Acht-Stunden-Tag zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit abschaffen wollen. Die Reform würde das deutsche Arbeitszeitgesetz grundlegend ändern. Das aktuelle Arbeitszeitgesetz erlaubt bereits maximal 48 Stunden an sechs Tagen pro Woche.
Konkret würde die Veränderung bedeuten, dass Arbeitnehmer, besonders in der Tourismus-, Gastronomie- und Pflegebranche längere Schichten – bis zu zwölf Stunden oder mehr an einzelnen Tagen – leisten könnten, solange die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden im Referenzzeitraum eingehalten wird. Tatsächlich liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2024 bei 34,3 Stunden – deutlich unter diesem Maximum.
Erfolgreich bewerben: Tipps für die Jobsuche
Wer eine neue berufliche Herausforderung sucht, braucht einen Plan und sollte stets systematisch vorgehen. Dieser Ratgeber bietet Ihnen alles, was Sie rund um das Thema Jobsuche und Bewerbung wissen müssen.
Laden Sie sich die Bewerbungstipps HIER kostenlos herunter.
Arbeitsexperte Martensen sieht strukturelle Probleme als Haupthindernis für längere Arbeitszeiten: „40 Stunden finden die Leute okay. Gleichzeitig sagen sie: Mehr geht nicht, weil sie das mit den organisatorischen Realitäten in ihrem Leben nicht unter einen Hut kriegen.“ Besonders deutlich wird dies bei seiner Einschätzung der notwendigen Rahmenbedingungen: „Solange es keine flächendeckende Kinderbetreuung gebe oder das Problem mit der Pflege nicht gelöst sei, gingen gewisse Dinge einfach nicht.“ (Deutsche Presse-Agentur, IU Internationale Hochschule) (mke)
Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel oder ähnliche Erfahrungen gemacht? Haben Sie Fehler entdeckt? Schreiben Sie direkt an unsere Autorin/unseren Autor.