Der Bauantrag für das neue Berufsschulzentrum Freisings wurde genehmigt. Doch das Mobilitätskonzept sorgte für Diskussionen im Ausschuss.
Freising – Der Spatenstich für das Großprojekt an der Wippenhauser Straße ist bereits erfolgt. Jetzt lag dem Planungsausschuss der Stadt Freising der finale Bauantrag für das neue Berufsschulzentrum vor. Und da gab‘s noch einige Fragen, vor allem bezüglich des Mobilitätskonzepts, das rund um den neuen Campus gilt. Und die gab es, obwohl Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher die Mitglieder des Ausschusses auf etwas hingewiesen hatte: „Wir müssen unterscheiden zwischen dem aufwändigen B-Planverfahren und dem Bauantrag. Um letzteres geht es heute. Und damit weder um die Verkehrsführung noch um gestalterische Fragen.“
Dennoch war es Ulrich Vogl (ÖDP) ein Anliegen, sich noch einmal intensiv mit dem Radverkehr an der Stelle zu beschäftigen. „Es ist hoffentlich geplant, den Radweg von der Straße weg zu verlegen und über den Platz zu führen, der nach der Auflassung des alten Bus- und Kfz-Parkplatzes zur Verfügung steht.“ Stadtbaumeisterin Barbara Schelle klärte auf. Es gebe weiterhin für Schnellfahrer die Möglichkeit, auf der Straße zu radeln. „Wer lieber über den Boulevard fährt, darf das – allerdings in Schrittgeschwindigkeit.“ Vogl befürchtete, dass der Radstreifen an der Wippenhauser Straße wegfällt, „das kann ich aber keinem vermitteln, wieso gibt es denn nicht einen eigenen Radweg?“
Weil dann alle großen Bäume entlang des Grabens an der Wippenhauser Straße hätten gefällt werden müssen. „Und die brauchen wir für die Beschattung ganz dringend.“ Denn auch, wenn für die Bäume, die dem neuen Berufsschulzentrum weichen müssen, Ersatzpflanzungen vorgenommen werden, dauere es 30 Jahre, bis die neuen Bäume auf dem Niveau der Ökosystemleistungen wie CO2-Speicherung, Sauerstoffproduktion, Schattenwurf und Lebensraum seien, wie die gefällten, so Schelle.
Echte Verbesserung für Radverkehr
Deshalb sei versucht worden, so wenig Bäume wie möglich zu entfernen. Dennoch: Auf der Straße würden zwei Meter breite Schutzstreifen für Radfahrer entstehen, sagte Schelle. „Dann ist es eine echte Verbesserung“, lautete Vogls Urteil.
Laut Bauantrag sind für das Bauvorhaben 124 Kfz-Stellplätze und 330 Fahrradabstellplätze auszuweisen. Für Robert Weller (FW) eindeutig zu wenig: „Es werden mehr Schüler, aber weniger Stellplätze. Damit sind diejenigen, die keinen Stellplatz finden, gezwungen in den Seitenstraßen zu parken.“ Wie Christoph Spieß vom Bauamt Freising erklärte, werde der Stellplatzbedarf durch das Mobilitätskonzept um zehn Prozent gesenkt. Als Kompensationsmaßnahmen sind neben den Fahrradabstellplätzen zusätzliche sogenannte Mobilitätselemente im Erdgeschoß des Neubaus zu errichten, wie etwa gesonderte Umkleide- und Duschräume und Umkleide- und Ladespinde für alle, die mit dem Rad kommen. Außerdem sind Fahrradreparatursäulen nahe der Radlparkhäuser vorgesehen.
Charlotte Reitsam (Grüne) dazu: „Auch dieses Projekt ist Teil der Internationalen Bauausstellung IBA und läuft unter der Überschrift Mobilitätswende und Klimaanpassung. Da können wir uns nicht über zu wenig Stellplätze beklagen. Denn genau das ist das Ziel des Ganzen: Den Stellplatzbedarf durch entsprechende Vorkehrungen zu reduzieren.“
Lintl fürchtet Zielkonflikt
Einen Zielkonflikt sah Maria Lintl (FSM) auf die Stadt zukommen: Denn die Fensterfront des Camerloher-Gymnasiums sei in Richtung des künftigen Allwetterplatzes ausgerichtet. Über der Aula befinde sich zudem die Bibliothek der Schule sowie Räume für Einzel-Instrumentalunterricht. „Sobald wir mit der Detailplanung zu tun haben, bitte ich, immer wieder draufzuschauen, um die Situation bestmöglich zu lösen. Da braucht man ganz großes Fingerspitzengefühl.“ OB Eschenbacher bat darum, das Thema im Kreisausschuss vorzubringen. „Wir sind nicht der Bauherr. Dieses Anliegen ist für uns irrelevant.“
Trotz aller Fragen und Bedenken waren am Ende alle für den Bauantrag des 158-Millionen-Projekts. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher abschließend: „Bislang waren alle begeistert von dem hervorragenden Ergebnis des städtebaulichen Architektenwettbewerbs.“