Atomgespräche sollen die angespannte Lage zwischen Iran und USA beruhigen. Derweil gießt Teheran Öl ins Feuer. Eine gefährliche Strategie, sagt ein Experte. Eine Analyse.
Teheran setzt offenbar auf Zeit: Während die Welt auf die Atomgespräche zwischen Iran und den USA am Freitag im Oman blickt, verfolgt das iranische Regime eine bewusste Verzögerungsstrategie. Erst wird der Verhandlungsort von der Türkei in den Oman verlegt, dann werden Bedingungen geändert – und kurz vorher gibt es auch noch eine handfeste Provokation. Ein Muster, das Experten als kalkulierte Hinhaltetaktik bewerten.
Seit Wochen wachsen die Spannungen zwischen Iran und den USA, immer wieder wird über einen unmittelbar drohenden US-Militäreinsatz gegen Iran spekuliert. Ein Gespräch zwischen den Nationen soll nun für Entspannung sorgen. Erst war Istanbul als Ort vorgesehen, jetzt tritt Oman als Vermittler auf. Am Freitagmorgen gab es entsprechende Vorbereitungen für indirekte Verhandlungen, wie das Außenministerium von Oman via X mitteilte. Demnach gebe es am „Vormittag separate Konsultationen sowohl mit der iranischen Delegation unter der Leitung Seiner Exzellenz Dr. Seyyed Abbas Araqchi als auch mit der amerikanischen Delegation unter der Leitung von Steve Wittkopf, Sondergesandter des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, und Jared Kushner.“
Iran und Atomgespräche mit USA im Oman: Hinhaltetaktik des Regimes
Hauptthema aus US-Sicht ist das iranische Nuklearprogramm: Washington möchte verhindern, dass Iran Atomwaffen entwickelt. Iran verkompliziere die Verhandlungen indes systematisch, sagt Nahost-Kenner Hans-Jakob Schindler, Direktor beim Counter Extremism Project, im Gespräch mit dieser Redaktion. „Erst ändern sie den Ort von Istanbul in den Oman. Dann kündigen sie an, explizit nicht über ihr Raketenprogramm sprechen zu wollen. Das Regime ist Meister darin, so zu verhandeln, dass es möglichst nie zum Ergebnis kommt.“
Diese Hinhaltetaktik habe System: Das iranische Regime hoffe wohl darauf, dass Trump irgendwann das Interesse verliere. „Aber vielleicht verliert er auch die Geduld. Dann gibt es einen Militärschlag.“ Die Strategie zielt auch auf einen möglichen Machtwechsel in Washington ab. „Jeder andere Präsident wird weniger willens sein, eine Militäroperation gegen den Iran zu starten. Die Demokraten ohnehin nicht, und jemand wie JD Vance als Isolationist, der die außenpolitischen Aktionen der USA zurückfahren würde, auch nicht.“
Ungewöhnlich: Während Iran auf Zeit spielt, verschärft es gleichzeitig die Lage durch gezielte Provokationen. Am Mittwoch schoss das US-Militär eine iranische Drohne ab – sie war nach amerikanischen Angaben bedrohlich nahe an einen US-Flugzeugträger im Arabischen Meer herangeflogen. Der Zeitpunkt: nur zwei Tage vor den geplanten Gesprächen am Freitag.
„Das iranische Regime will zwei Botschaften senden. Nach innen: ,Wir sind stark‘. Und nach außen: ,Wir können uns auch wehren‘“, so Schindler. Angesichts der angespannten Lage ein riskantes Spiel: „Das hat schon ansatzweise suizidäre Züge. Oder anders: Man muss fragen, ob die noch alle Tassen im Schrank haben“, so Schindler. „Mit einer Drohne so nah ranzufliegen, ist ganz eindeutig eine Provokation.“
Parallel zum Drohnenvorfall bedrohten iranische Schiffe außerdem einen amerikanischen Tanker in der Straße von Hormus. Auch dies eine Botschaft mit der Bedeutung: Wir sind imstande, die globale Energieversorgung erheblich zu beeinträchtigen. Schließlich passiert durch die Meerenge von Hormus praktisch das komplette Flüssiggas aus Katar sowie der überwiegende Teil der saudi-arabischen Ölausfuhren. Diese Aktion entspreche der grundsätzlichen Strategie der iranischen Regierung, betont Schindler: „Die spielen ihr übliches Spiel: Verzögern und Drohen.“
Federführend agieren dabei die Pasdaran, die iranischen Revolutionsgarden. „Die haben exklusiv das Drohnen- und Raketenprogramm des Iran unter ihrer Kontrolle und sind auch für die Sicherung der Straße von Hormus zuständig. Das waren gezielte Provokationen der Revolutionswächter.“ Nun stelle die Regierung sicher, dass die Freitagsgespräche erschwert würden. „Ich glaube nicht, dass wir Ergebnisse sehen werden“, so Experte Schindler. (Quellen: Expertengespräch, eigene Recherchen, Omans Außenministerium via X, dpa)