Die Eigentümer der an das Anna-Quartier angrenzenden Grundstücke wünschen sich neue Bebauungsregeln. Kritik gibt es von der Grünen-Fraktion und dem Bündnis für Karlsfeld.
Karlsfeld – Im Herzen Karlsfelds, dem Anna-Quartier, soll das Leben pulsieren. Was dort einmal entstehen soll, ist ein sogenanntes urbanes Gebiet. Sprich: Es darf dichter, höher und mit niedrigeren Anforderungen an den Immissionsschutz gebaut werden. Wohnen, Arbeiten und Gewerbe müssen dabei nicht zu gleichen Teilen vertreten sein. Im Gegensatz zu Mischgebieten. Solche sind für die an das Anna-Quartier angrenzenden Grundstücke im Bereich östlich der Nibelungenstraße vorgesehen. Damit sind die Grundstückeigentümer allerdings nicht mehr zufrieden.
Gemeinderat Karlsfeld diskutiert neues Konzept
Wie Simone Hotzan vom Bauamt in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärte, wünschen sich die Grundstückseigentümer, dass ihre Flächen ebenfalls in ein urbanes Gebiet umgewandelt werden. „Nach so langer Zeit schreit dieser Bebauungsplan danach, angepasst zu werden“, sagte Bürgermeister Stefan Kolbe, der den Antrag unterstütze und anregte, ein Änderungsverfahren anzustoßen.
Warum kann man nicht abwarten, bis das Ludl-Gelände steht und es dann anpassen?
Peter Neumann (Bündnis für Karlsfeld) hatte jedoch Bedenken. Er kritisierte, dass der Bebauungsplan geändert werden soll, noch bevor klar sei, wie das Anna-Quartier, ehemals Ludl-Gelände, genau aussehen werde. Er könne den Wunsch der Antragsteller zwar verstehen, sehe aber die Notwendigkeit nicht, so Neumann. „Warum kann man nicht abwarten, bis das Ludl-Gelände steht und es dann anpassen?“
Seine Bündnis-Kollegin Mechthild Hofner war anderer Meinung. Sie sieht darin eine Chance, das Gebiet aufzuwerten.
Rückenwind erhielt Neumann von Janine Rößler-Huras (Grüne). Sie zeigte sich ebenfalls skeptisch, ob das Anna-Quartier tatsächlich wie geplant umgesetzt wird. Der städtebauliche Vertrag sei noch nicht abgeschlossen, es sei offen, was dort am Ende wirklich gebaut werde. „Ich finde das überhastet“, sagte sie mit Blick auf die geplante Anpassung des Bebauungsplans.
Streit um Bebauung im Bereich neben dem Anna-Quartier
Kolbe widersprach: Das Änderungsverfahren würde seine Zeit brauchen. Laut Baureferent Christian Bieberle (CSU) macht es Sinn, den Nachbarsplan zu überarbeiten. Denn dort könne zusätzliches Gewerbe entstehen. Nachdem man wisse, wie lange solche Verfahren dauern, regte er an, möglichst zeitnah zu beginnen.
Für Stefan Theil (CSU) „wäre es ein verheerendes Zeichen, nicht weiterzuplanen“. Es handle sich um ein „elementares“ Grundstück, weshalb die Gemeinde seiner Ansicht nach „froh und dankbar sein sollte, mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen“.
Laut Cornelia Haberstumpf-Göres (Grüne) sei es „ein verheerendes Zeichen, dass wir keinen Plan haben, wie wir die Gestaltung der Münchner Straße städtebaulich voranbringen wollen.“ Ihr zufolge fehle es an einer übergreifenden Vision, wie das Ortsbild an dieser Stelle überhaupt aussehen solle.
Bündnis-Fraktionsvorsitzender Adrian Heim gab zu Bedenken, die Verwaltung nicht ohne Not zusätzlich mit einem weiteren Verfahren belasten zu wollen. Andere Projekte sollen ihm zufolge nicht verzögert oder behindert werden.
SPD-Gemeinderätin Beate Full erkundigte sich, ob das Bauamt für ein solches Verfahren denn über ausreichend personelle Kapazitäten verfüge. Wie Full betonte, hätten die Gewerbegebiete derzeit oberste Priorität. Bürgermeister Kolbe erklärte: „Wir trauen uns schon zu, dass wir sowas machen können.“
Der Gemeinderat beschloss schließlich – gegen die drei anwesenden Grünen-Gemeinderäte Haberstumpf-Göres, Rößler-Huras, Michael Fritsch sowie Bündnis-Mitglied Peter Neumann –, das Änderungsverfahren einzuleiten.