Bürgermeisterwahl in Langenbach: Bewerber ringen um Stimmen – und werden vom Publikum gelöchert

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Sie standen bei der Podiumsdiskussion in Niederhummel Rede und Antwort: Die Langenbacher Bürgermeisterkandidaten. © Lehmann

Bei der FT-Podiumsdiskussion mit Langenbachs Bürgermeisterbewerbern herrschte derart Andrang, dass zunächst Stühle fehlten. Dann folgte ein Abend mit viel Inhalt – und auch Lachern.

Langenbach – Die Neugier war groß: Bereits vor dem ausgerufenen Einlass um 18 Uhr strömten die Leute in das Wirtshaus am Dorfbrunnen in Niederhummel, um sich die besten Plätze zu sichern. Am Ende reichten die vorgesehenen Sitzmöglichkeiten nicht aus. Zusätzliche Stühle wurden spontan aus den Räumen der Feuerwehr herangeschafft, das Podium nach hinten gerückt, sodass der Saal pünktlich um 19 Uhr prall gefüllt war. In den nächsten beiden Stunden waren alle Augen auf die vier Bürgermeister-Kandidaten gerichtet: Martin Huber (UWL), Susanne Wildgruber (FWO), Walter Schmidt (FW) und Maik Moses (MiLa).

Die Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten in Langenbach.
Das Publikum verfolgte gespannt, wie sich die Kandidaten für das Bürgermeisteramt schlagen würden. Nach einem abwechslungsreichen Programm gab es zudem die Gelegenheit, die politischen Vertreter mit Fragen zu löchern. © Lehmann

Kandidaten kontern „freche Fragen“

Das Publikum erlebte einen launigen Abend, der immer wieder durch verschiedene Formate und Aufgabenstellungen aufgelockert wurde. Insgesamt gelang es allen Kandidaten, über die zwei Stunden hinweg wiederholt für konkrete Statements ebenso wie für humorige Aussagen Applaus zu ernten und mögliche Schwächen als Stärken zu präsentieren. Darauf zielten auch die vier „frechen Fragen“ ab, von denen Moderator und FT-Redakteur Jonas Grundmann je Kandidat eine im Köcher hatte. Schmidt konterte den Vorschlag, das Feld doch den Jüngeren zu überlassen, und erntete Applaus für seine Antwort: „Wie soll es hier weitergehen mit lauter Neuen, die keine Erfahrung haben?“ Wildgruber indes wurde gefragt, ob sie während ihrer Kommunaltätigkeit ihre Männer, Ehemann und zwei Söhne, denn ruhigen Gewissens daheim lassen könne. „Mir bleibt nichts anderes übrig, als die drei daheim allein wurschteln zu lassen“, gestand sie augenzwinkernd.

Walter Schmidt (FW), Kandidat für Langenbach.
Walter Schmidt (FW) will das Ehrenamt stärken. © Lehmann

In der Fragenrunde mussten die Kandidaten dann mit Ja-und-Nein-Schildern Stellung beziehen. Gespalten war das Podium vor allem in der Einschätzung, ob die Auflagen für das grüne Gewerbegebiet zu teuer seien, bei der Frage nach einer dritten Startbahn war das Ergebnis wieder eindeutig: „Ein klares Votum von allen vier Kandidaten – keine dritte Startbahn“, konstatierte Moderator Grundmann.

Wem liegt welches Thema am Herzen?

Die Kandidaten erhielten auch die Möglichkeit, ihre jeweiligen Herzensthemen anzubringen. Für Huber und seine UWL ist das der Hochwasserschutz. „Das Thema haben leider schon viele Haushalte am eigenen Leib gespürt“, sagte Huber. Er sprach sich für mehr Blühstreifen aus, um die Prävention „mit Naturerlebnis und Artenvielfalt zu verbinden“. Schmidt formulierte das Ehrenamt als sein Herzensthema, Wildgruber machte sich für die Seniorenpolitik stark, und Moses stellte die Ganztagesbetreuung in den Mittelpunkt.

Martin Huber (UWL) aus Langenbach
Martin Huber (UWL) möchte mehr Hochwasserschutz. © Lehmann

Im interaktiven Langenbach-Quiz zeigten sich die Kandidaten ebenso sattelfest wie beim Zeichnen des Gemeindewappens, wobei da rein künstlerisch noch Luft nach oben bestand. Der Bauturbo entwickelte sich zum beherrschenden Thema des Abends beim Publikum. Während der zweiten 45 Minuten löcherten die Anwesenden die Kandidaten mit vielen Fragen zum Thema Bauen und Wohnen. Die angestrebten konkreten Lösungsvorschläge konnte jedoch keiner der Vier bieten. Der soziale Wohnungsbau sei ein heikles Thema, wich Schmidt aus, die Eigentümer seien „nur auf Profite aus“. Sein Vorschlag: Genossenschaften oder „man vermietet billiger, so wie ich das mache“, fügte er schmunzelnd hinzu.

Susanne Wildgruber (FWO) aus Langenbach)
Susanne Wildgruber (FWO) setzt sich für Senioren ein. © Lehmann

Im Zusammenhang mit dem Bauturbo wurde auch die fehlende Kanalisation in der Lohe-Siedlung mehrfach vom Publikum adressiert und in erster Linie an Wildgruber gerichtet. „Die Kläranlage in Niederhummel gehört ertüchtigt“, bekräftigte sie. „Das muss angegangen werden, wenn wir moderat wachsen wollen.“ Mit einem konkreten Vorschlag musste sie jedoch passen.

Dorfbrunnen-Wirtin stellt pikante Frage

Wie Wildgruber zeigte auch Moses an diesem Abend deutlich mehr Präsenz als noch zuvor bei der Podiumsdiskussion im Alten Wirt (wir haben berichtet). Ebenfalls begünstigt durch das Format kam Moses regelmäßig zu Wort und adressierte wiederholt Fragen zu seiner politischen Eignung. Auf die Frage der Wirtin des Dorfbrunnens, warum er denn noch eine Gruppierung gegründet habe, statt etwa bei den FWO zu kandidieren, erntete Moses mit seiner Antwort Applaus: „Bei uns sind sieben Leute auf der Liste, die brennen für die Themen. Die sind nicht nur dabei, damit die Liste voll wird.“

Maik Moses (MiLa) aus Langenbach
Maik Moses (MiLa) macht sich für Kinderbetreuung stark. © Lehmann

Am Ende waren alle Fragen beantwortet, Bühnenpräsenz hatte jeder der Kandidaten gezeigt – wer das Rennen macht, entscheiden nun die Bürger. Auf den Punkt brachte es Moderator Grundmann mit seinen Abschlussworten: „Viel wichtiger, als wen Sie am 8. März wählen, ist, dass Sie wählen gehen. Denn es geht um nichts Geringeres als die Zukunft Ihrer Heimatgemeinde.“

Die Sprüche des Abends

Ich bin ja der gebürtigste Langenbacher.

Martin Huber (UWL) über seine Beweggründe, zu kandidieren

In meiner Zeit als Bürgermeister kann sich gerne einer einarbeiten und meine Nachfolge antreten.

Walter Schmidt (FW) auf die Frage, ob er aufgrund seines Alters nicht lieber Jüngeren das Feld überlassen sollte.

Weil ich bin, wer ich bin.

Susanne Wildgruber (FWO) darüber, warum sie als neue Bürgermeisterin die beste Wahl sei.

Mein Appell an alle: Macht‘s was, tut was!

Mike Moses (MiLa) über die Wichtigkeit des Ehrenamts.

Wahrscheinlich wird jetzt erwartet, dass ich irgendwas zu Vereinen frage.

Christian Huber, Vorsitzender des Sportvereins Langenbach.