Franz-Marc-Museum begeht 40-Jähriges: Kunst und Feierlaune am Kochelsee

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Kaffeeplausch auf dem Balkon: Dieses Foto entstand um 1908 in Lenggries. Maria Franck und Franz Marc (damals noch nicht verheiratet) ließen sich von der oberbayerischen Landschaft inspirieren. © Franz-Marc-Museum

Das Franz-Marc-Museum in Kochel versteht sich längst nicht mehr als bloßer Ausstellungsort. Es will Denkraum sein, der gesellschaftliche Fragen aufgreift und Debatten anstößt. Dieser Anspruch spiegelt sich im Jahresprogramm 2026 wider. Im Zentrum steht das 40-jährige Bestehen des Hauses, das im Sommer groß gefeiert wird.

Kochel am See – Hoch über dem Kochelsee thront das Franz-Marc-Museum an einem Ort, der selbst wie ein Gemälde wirkt. Eingebettet in diese eindrucksvolle Landschaft präsentiert das Haus vornehmlich die Werke Franz Marcs (1880 bis 1916) und seiner Weggefährten. Als prominenter Vertreter der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ wollte der Namenspatron, der unter anderem in Sindelsdorf und Ried lebte, die Welt neu sehen – und fand zu einer Bildsprache, die ihn zu einem der wichtigsten Protagonisten des deutschen Expressionismus werden ließ.

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Historische Villa und Neubau

In diesem Jahr feiert das Museum, das von der Franz-Marc-Stiftung und der Stiftung Etta und Otto Stangl gemeinsam getragen wird, sein 40-jähriges Bestehen. Den Anfang machten 1986 Ausstellungsräume in der historischen Villa, in der heute Café und Verwaltung untergebracht sind. 2008 erhielt die Institution mit dem neuen Museumsbau ein zeitgemäßes Gesicht. Und 2023 kam der sogenannte Blau-Raum hinzu – ein Atelierhaus, in dem vor allem die Museumspädagogik angesiedelt ist.

Das Franz-Marc-Museum will mehr sein als ein Betrieb, an dem Kunst gezeigt, bewahrt und vermittelt wird. Seit 2024 steht Jessica Keilholz-Busch als Direktorin an der Spitze. Gemeinsam mit ihrem Team verfolgt sie das Ziel, mit unterschiedlichen Formaten, innovativen Angeboten und wechselnden Sonderausstellungen den Blick auf die Klassische Moderne zu weiten und zugleich zur Auseinandersetzung mit aktuellen Fragestellungen anzuregen. „Wir sind ein Ort, an dem gesellschaftliche Diskurse verhandelt werden“, beschreibt die Kunsthistorikerin das Selbstverständnis. Entsprechend greift das Museum Themen wie Nachhaltigkeit, die Rolle der Frau oder Fragen der Tierethik auf.

Große Beachtung fand beispielsweise 2025 die Schau „Die Moderne im Zoo“. Sie untersuchte die Bedeutung der neu entstandenen zoologischen Gärten um 1900 für die Kunst der Moderne (wir berichteten). Diesen Weg möchte Keilholz-Busch konsequent weiterverfolgen. Und das Konzept überzeugt: Rund 55 000 Besucherinnen und Besucher zählte das Franz-Marc-Museum im vergangenen Jahr – ein außerordentlich gutes Ergebnis.

Das 40-Jährige ist ein Grund zum Feiern. Für den 21. Juni ist daher ein großes Jubiläumsfest geplant – mit einem bunten Programm für Jung und Alt. Derzeit laufen die Vorbereitungen. Zwei Highlights stehen aber schon fest: Zum einen präsentiert sich dann die Dauerausstellung zu Franz Marc in frischer Gestaltung. Ein neues Vermittlungstool, das Künstliche Intelligenz zu Hilfe nimmt, sowie interaktive Elemente sollen künftig einen niedrigschwelligen Zugang zu Werk, Themen und Denkweisen des Künstlers schaffen.

Zum Zweiten eröffnet anlässlich ihres 150. Geburtstags eine Ausstellung (21. Juni bis 27. September) zu Maria Franck-Marc (1876 bis 1955), der Ehefrau Franz Marcs. Sie war nicht nur Zeitzeugin der Epoche, sondern eigenständige Künstlerin. Ihre Gemälde und Zeichnungen seien experimentierfreudig und farbintensiv, berichtet Keilholz-Busch, und zeichneten sich häufig durch einen ironischen Ton aus. Das Museum widmet sich nicht allein dem Werk, sondern beleuchtet zugleich die Stellung von Künstlerinnen in dieser Zeit.

Derzeit ist im Museum noch die Ausstellung „Wilde Farben, freier Geist. 120 Jahre Künstlergruppe Brücke“ zu sehen (bis 12. April). Im Frühjahr rückt mit Adolf Erbslöh (1881 bis 1947) eine stille, aber prägende Figur der Moderne in den Fokus: Vom 26. April bis 26. Juli widmet sich das Haus dem Mitbegründer und Vorsitzenden der Neuen Künstlervereinigung München, der maßgeblich jenes künstlerische Klima prägte, aus dem der „Blaue Reiter“ hervorging.

Künstlerreisen nach Tunesien

Im Herbst startet die Ausstellung „Licht wird Farbe – Reisen nach Tunesien“ (11. Oktober bis 17. Januar 2027). Sie untersucht Künstlerreisen nach Tunesien zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Motor der Moderne. Im Zentrum stehen der Aufenthalt von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky 1904/05 sowie die Tunis-Reise von Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet 1914.

Mehr als ein Ausstellungsort: das Franz-Marc-Museum in Kochel.
Mehr als ein Ausstellungsort: das Franz-Marc-Museum in Kochel. © Dietmar Denger

Das Jahresthema „Blau machen. Rauskommen. Ankommen. Runterkommen.“ verweist auf eine weitere Facette des zeitgenössischen Museumsverständnisses. Wie ein roter Faden ziehen sich bewusstes Wahrnehmen und das Zur-Ruhe-Kommen durch das Programm – sei es beim freien Malen, beim Arbeiten mit Ton oder in der Zen-Meditation. Einen besonderen Akzent setzt am 30. April eine Veranstaltung: Zu Gast ist der dänische Künstler Jeppe Hein mit seiner Performance „Breathe with Me“ („Atme mit mir“), die Atemtechniken mit Malerei verbindet und ein gemeinschaftliches Kunstwerk schafft.