Die Verbindung von Kunst und Wissenschaft ist eine Herausforderung. Dem Franz-Marc-Museum in Kochel ist diese mit der viel beachteten Ausstellung „Die Moderne im Zoo“, die am Sonntag (9. November) zu Ende ging, eindrucksvoll gelungen. Rund 30 000 Besucher wurden gezählt. Auch die nächste Schau hat das Potenzial, ein Publikumsliebling zu werden: Sie widmet sich der Künstlergruppe Brücke.
Kochel am See – Die Ausstellung „Die Moderne im Zoo“ war für das Franz-Marc-Museum in Kochel ein Meilenstein, der weit über die Region hinaus Beachtung fand. Denn erstmals wurde umfassend untersucht, welche Bedeutung die neu entstandenen zoologischen Gärten um 1900 für die Kunst der Moderne hatten.
Von Franz Marcs ikonischem „Affenfries“ über Oskar Kokoschkas „Tigerlöwe“ bis hin zu Arbeiten von August Macke, Paul Klee, Gabriel von Max, Paul Meyerheim, Max Slevogt, Alfred Kubin, Wera von Bartels, August Gaul und Renée Sintenis zeigte die Schau eindrucksvoll, wie sich in jener Zeit eine neue künstlerische Auseinandersetzung mit dem Tier entwickelte. „Diese Ausstellung war ein Wagnis – sowohl inhaltlich und organisatorisch als auch logistisch“, bilanziert Museumsdirektorin Jessica Keilholz-Busch. „Aber damit haben wir unter Beweis gestellt, dass das Franz-Marc-Museum Themen setzen kann, die weit über Kochel hinaus Bedeutung haben.“
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Tierparks als Orte der Inspiration
Künstler entdeckten damals die Tierparks als Orte der Inspiration, suchten dort nach neuen Ausdrucksformen und Motiven, nach einer anderen Sicht auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. 170 Werke aus 30 Museen und privaten Sammlungen vereinten sich auf 550 Quadratmetern zu einem faszinierenden Panorama aus Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie, Kunsthandwerk und Film. Das Konzept kam an, die Resonanz war riesig. Am Ende wurden rund 30 000 Besucher gezählt. Allein in der letzten Ausstellungswoche kamen 2000. Das ist eine Menge für ein Haus dieser Größe. „Das Thema hat die Leute berührt“, erklärt sich Pressesprecherin Bettina Pauly den Erfolg. Das Museum sieht sich auf dem richtigen Weg: Mit „Die Moderne im Zoo“ habe man sich neu positioniert, heißt es, als Ort, der Kunstgeschichte mit aktuellen Fragen verbindet und den Dialog zwischen Mensch, Tier und Umwelt ins Zentrum stellt.
Ein Kooperationspartner war der Münchner Tierpark Hellabrunn. Die Präsentation habe verdeutlicht, „wie stark sich unser Blick auf Tiere und ihre Lebensräume im Laufe des letzten Jahrhunderts verändert hat“, berichtet Vorstand und Direktor Rasem Baban. Hellabrunn und andere zoologische Gärten haben sich seinen Angaben zufolge längst von reinen Tierschauen zu bedeutenden Einrichtungen für Arterhaltung, Artenschutz, Umweltbildung und veterinärmedizinische Forschung entwickelt.
Das nächste Projekt steht indessen bereits in den Startlöchern: Anlässlich des 120-jährigen Gründungsjubiläums der Künstlergruppe Brücke zeigt das Franz-Marc-Museum ab Sonntag, 23. November, Meisterwerke des deutschen Expressionismus, darunter Leihgaben aus dem Kunstmuseum Ravensburg und aus Privatbesitz.
Aufbruch in die Moderne
1905 wagte das legendäre Bündnis den Aufbruch in die Moderne. Mit leuchtenden Farben, radikal vereinfachten Formen und einer neuen Ausdruckskraft suchte es nach einem unverstellten Zugang zur Welt. Damit prägten Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Otto Mueller eine revolutionäre neue Richtung und legten den Grundstein für die Entwicklung der modernen Kunst. Mit rund 50 Arbeiten – Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen und grafischen Werken – beleuchtet die Ausstellung die Anfänge dieser Bewegung, die neben dem Blauen Reiter als Keimzelle des deutschen Expressionismus gilt.