Die VZG Bad Tölz vermarktete 326 Jungkühe und 3856 Kälber erfolgreich. Doch eine neue Tierseuche breitet sich bereits aus.
Lenggries – Eine positive Bilanz zog die Viehzuchtgenossenschaft (VZG) Bad Tölz bei ihrem Züchtertag im Gasthof Pfaffensteffl in Lenggries. Mit ihren Vermarktungszahlen braucht sie einen Vergleich mit den weiteren sieben im Zuchtverband Miesbach gebündelten Viehzuchtgenossenschaften nicht zu scheuen: 326 Jungkühe und 3856 Kälber der Betriebe im Tölzer Land wechselten im vorigen Jahr bei den Zuchtviehmärkten in der Miesbacher Oberlandhalle den Besitzer. „Das Preisniveau war gut“, stellte VZG-Vorsitzender Hans Rauchenberger fest. Hervorragend abgeschnitten hätten die Tölzer Züchter zudem bei der Rinderzucht-Südbayern-Schau.
Gutes Preisniveau
Problematisch für die Kälbermarkt-Abwicklung und auch für die Preise war allerdings, als im Oktober das Blauzungenvirus Typ 8 in Berchtesgaden festgestellt und infolgedessen Oberbayern und Niederbayern zu Sperrzonen ausgerufen wurden. Der üblicherweise rege Verkauf von Kälbern nach Norddeutschland war in dieser Situation nicht möglich.
Sperrzonen wegen Blauzungenvirus
In einer großen Gemeinschaftsaktion habe das Marktteam die unmittelbar erforderliche Blutprobennahme bei den Tieren gut über die Runden gebracht, stellte der neue Zuchtverbands-Geschäftsführer Hans Stadler fest. „Inzwischen hat sich auch bei den Bauern das vorgeschriebene Prozedere mit einer rechtzeitig vor der Vermarktung durchgeführten Repellent-Behandlung sowie einer Laborprobe und entsprechendem Negativ-Befund-Nachweis gut eingespielt.“ Wichtig für erfolgreiche Märkte sei ein konstant hohes Stückzahl-Angebot, so Stadler. „Das lockt Käufer an.“ Um die logistischen Abläufe an den Markttagen zu optimieren, sei für heuer ein Stall-Umbau an der Oberlandhalle vorgesehen.
Zuchtleiterin Paula Heine bescheinigte in ihrem Bericht erfreuliche Fortschritte bei der Hornlos-Zucht – ein wesentliches Kriterium bei der Vermarktung, nachdem gehörnte Tiere aufgrund der Verletzungsgefahr kaum mehr Abnehmer finden. Zugleich sei man darauf bedacht, das Programm „Gesundheit und Robustheit“ weiter in Anwendung zu bringen. Dazu gehöre auch, die Blutlinien ausreichend zu streuen.
Immer mehr Melkroboter im Einsatz
Peter Gasteiger vom Milcherzeugerring berichtete, dass in den größer gewordenen Betrieben immer mehr Melkroboter zum Einsatz kommen. Er wies zudem auf eine neue Klauenpflege-App des Landeskuratoriums für tierische Veredelung (LKV) hin. Fortgeschritten sei der Strukturwandel: Oberbayernweit, so Gasteiger, hätten im vorigen Jahr 134 Betriebe die Milchkuhhaltung aufgegeben.
Amtsveterinär Dr. Bernhard Hauser wies im Zusammenhang mit der Blauzungenkrankheit darauf hin, dass in Südeuropa und Frankreich sich mittlerweile eine weitere von Gnitzen übertragene Virusinfektion ausbreite: Die „Lumpy Skin Disease“ führe zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden. Bestätige sich ein Verdachtsfall, müssten alle Rinder des betroffenen Betriebes unschädlich beseitigt sowie Sperrzonen eingerichtet werden.
Sich für den Erhalt der verbliebenen Schlachthöfe einzusetzen, appellierte indes Georg Westenrieder von der Erzeugergemeinschaft (EG) Miesbach, die zusammen mit der EG Traunstein den dortigen Schlachthof betreibt. Nach zahlreichen Schließungen sei es wichtig, den großen Schlachtkonzernen nicht allein das Feld zu überlassen. „Denn wir wollen kurze Transportwege und anständige Preise.“ (Rosi Bauer)