Schockierende Realität von Rentnern: Von Erhöhungen bleibt kaum Geld übrig

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Millionen Rentner bekommen 2026 mehr Geld. Doch durch steigende Abgaben bleibt unterm Strich oft nichts übrig. Fast jeder fünfte Senior lebt in Armut.

München – Auf dem Papier sieht es nach einer guten Nachricht aus: Ab Juli 2026 steht für Millionen Rentnern eine gesetzliche Anpassung der Renten an: Nach Entwürfen des Rentenversicherungsberichts dürfte die Rente um rund 3,7 Prozent steigen, betroffen wären damit etwa 21 Millionen Bezieherinnen und Bezieher. Die Zahl beruht auf der Lohnentwicklung des Vorjahres und ist vorläufig. Die endgültige Anpassung wird im Frühjahr 2026 festgelegt.

Schreiben der Deutschen Rentenversicherung mit Kleingeld und Brille
Renter erwartet 2026 eine Renten-Erhöhung um rund 3,7 Prozent. Doch viel übrig bleibt davon nicht. © W2Art/IMAGO

Doch es gibt einen Haken: Die Prozente beziehen sich auf die Bruttorente. Was am Ende auf dem Konto landet, ist eine andere Zahl – und die fällt für viele Rentner ernüchternd aus. Der Grund sind die immer weiter steigenden Sozialabgaben.

Renten-Erhöhung und keinen Cent mehr im Portemonnaie – Sozialabgaben erreichen Rekordwerte

Ruheständler zahlen weiterhin Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und sozialen Pflegeversicherung (GKV und SPV), die direkt von der Bruttorente abgehen. Den allgemeinen Krankenversicherungsbeitrag von 14,6 Prozent teilen sie sich mit der Deutschen Rentenversicherung. Doch daneben gibt es den individuellen Aufschlag, den die Kassen selbst festlegen – und der ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert.

Im Jahr 2024 lag er nach Angaben des Portals zusatzbeitrag.net im Durchschnitt bei 1,7 Prozent, 2025 bei 2,5 Prozent und 2026 bereits bei 2,9 Prozent. Je nach Kasse kann der individuelle Zusatzbeitrag sogar bei bis zu 4,39 Prozent liegen. Parallel dazu stieg zum 1. Januar 2025 auch der Pflegeversicherungsbeitrag – von 3,4 auf 3,6 Prozent. Bei Rentnern wurde die Erhöhung jedoch erst ab Juli 2025 umgesetzt. Die Folge: Im Juli wurden die Nachzahlungen für das erste Halbjahr auf einen Schlag fällig, so die Deutsche Rentenversicherung.

Insgesamt haben die Gesamtbeitragssätze zur Sozialversicherung 2025 erstmals die Marke von 42 Prozent überschritten. Der Trend zeigt weiter nach oben. Bis 2035, so prognostizieren Experten vom Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES), könnten die Beiträge ohne Intervention der Regierung bei knapp 50 Prozent liegen.

Rentner spart an allen Ecken und Enden – Armutsquote unter den Ü65-Jährigen steigt weiter

Bei vielen Rentnern treffen die steigenden Beitragssätze auf Unverständnis. Der ehemalige Firmenbesitzer Ulrich Reimann, der von einer Rente von nur 1.021 Euro lebe, übt im Gespräch mit dem Focus deutliche Kritik: „Entschuldigen Sie den Ausdruck, aber der Staat ist ein Arschloch.“

Bei Reimann komme allerdings ein weiterer Mechanismus hinzu: Zwar sei seine Rente jüngst bereits um 75 Euro monatlich gestiegen, doch durch die daraus resultierende Neuberechnung des Wohngeldes habe er „null Komma null“ von der Erhöhung gespürt.

Fertiggerichte und Einsparungen beim Heizen – „das ist die Realität eines 74-jährigen Rentners in Deutschland“, so Reimann. Die Statistik gibt ihm Recht: Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2025 liegt die Armutsquote unter Senioren insgesamt bei alarmierenden 19,4 Prozent – fast jeder fünfte Mensch über 65 ist also von Armut bedroht oder betroffen.

Studie zeigt: Stabilisierung der Sozialabgaben ist mit drei Maßnahmen möglich

Projektionen der IGES zeigen, wie sich die Sozialbeiträge stabilisieren ließen und Rentern ein wenig Luft verschaffen könnten. Drei konkrete Hebel hat das Institut im Auftrag der DAK durchgerechnet: erstens ein Ende der beitragsfinanzierten Zahlungen an den Krankenhaus-Transformationsfonds, zweitens ein höherer Bundeszuschuss an die Krankenkassen in Höhe von rund zehn Milliarden Euro und drittens der Einstieg in eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik ab 2027, bei der die GKV-Ausgaben nur noch im Gleichschritt mit den Einnahmen wachsen dürfen.

Würden alle drei Maßnahmen umgesetzt, könnte sich der GKV-Beitragssatz ab 2026 bei 17,2 -17,5 Prozent einpendeln. Denkbar wäre zudem eine Erstattung der pandemiebedingten Ausgaben der SPV von rund 5,2 Milliarden Euro. Dann dürfte der Gesamtsozialversicherungsbeitrag 2035 bei knapp 47 statt 50 Prozent liegen. (Quellen: Rentenversicherungsbericht, zusatzbeitrag.net, Deutsche Rentenversicherung, Institut für Gesundheits- und Sozialforschung, Focus, Paritätischer Armutsbericht) (jaka)

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