Die sicherheitspolitische Lage der Welt entwickelt sich in eine immer schwierigere Richtung. Laut den Deutschen ist man hierfür nicht gut genug gerüstet.
München – Mit dem Ukraine-Krieg, den Kreml-Chef Wladimir Putin im Februar 2022 entfachte, wurde Europa mit einer großen Herausforderung für seine sicherheitspolitische Lage konfrontiert. Die Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump hat die Unsicherheit der Lage noch einmal deutlich verstärkt. Denn nun muss sich Europa auch den Herausforderungen aus den USA stellen. Wie groß die Bedrohungswahrnehmung der Deutschen inmitten dieser heiklen Lage ist, zeigte nun eine Umfrage der Münchner Sicherheitskonferenz, über die die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet.
Umfrage zur Münchner SiKo: Deutsche halten Vorbereitungen zur Sicherheitslage für unzureichend
Die Umfrage vom Oktober 2025 offenbart demnach massive Kritik an der staatlichen Vorbereitung: Mehr als zwei Drittel der Befragten bewerten die Vorbereitung des Staates auf die neue sicherheitspolitische Lage als sehr schlecht oder eher schlecht. Nur sieben Prozent sehen den Staat als sehr gut oder eher gut vorbereitet. Ähnlich gering ist das Vertrauen in staatliche Anstrengungen zur Vorbereitung. Nur ein Fünftel der Deutschen zeigt sich sehr oder eher optimistisch, dass Deutschland in der unsicheren Realität bestehen kann. Fast die Hälfte der Befragten äußert sich sehr oder eher pessimistisch.
Die Umfrage vom Oktober 2025 zeigt außerdem: 53 Prozent der Befragten bewerten die aktuelle Sicherheitslage schlechter als während des Kalten Krieges - 31 Prozent als „viel schlechter“, 22 Prozent als „eher schlechter“. Fast die Hälfte hält einen russischen Angriff auf EU- oder NATO-Staaten in den kommenden fünf Jahren für sehr oder eher wahrscheinlich. Nur sechs Prozent hingegen vertrauen darauf, dass die USA die europäische Sicherheit auf jeden Fall verteidigen würden.
Umfrage der Münchner Sicherheitskonferenz
Die Umfrage wurde im Auftrag der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) durch die Bilendi GmbH durchgeführt. Insgesamt wurden 2.109 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren im Zeitraum vom 16. bis 23. Oktober 2025 befragt. Die Erhebung erfolgte online.
Der Umfrage nach macht sich unter den Deutschen inzwischen auch ein Gefühl der Hilflosigkeit breit - sowohl bei sich selbst als auch bei den Politikern. Denn der Münchner Sicherheitsindex zeigt: Das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts globaler Ereignisse ist in Deutschland deutlich gestiegen. Bereits vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 fühlten sich 49 Prozent der Befragten hilflos. Bis November 2025 stieg dieser Wert auf fast zwei Drittel (63 Prozent) – ein Anstieg um 14 Prozentpunkte.
Trump-Vize Vance bei der Münchner SiKo: Röttgen rechnet nicht mit US-Mäßigung
CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen rechnet indes nicht damit, dass US-Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) am Samstag gemäßigter auftritt als US-Vizepräsident JD Vance vor einem Jahr. Der wichtigste Zuhörer für Rubio sei – ebenso wie für Vance – US-Präsident Donald Trump. „Und an dessen Erwartungen wird er seine Rede ausrichten, nach meiner Einschätzung“, sagte der Unionsfraktionsvize im Deutschlandfunk.
Im vergangenen Jahr hatte Vance in seiner Rede in München die europäischen Verbündeten ungewöhnlich scharf attackiert und sie vor einer Gefährdung der Demokratie gewarnt. Rubio bemühe sich genauso wie Vance im „Dauerwahlkampf“ um Trumps Nachfolge um dessen Unterstützung, sagte Röttgen. Das spiele „die wesentliche Rolle“. Auch Rubios geplante Weiterreise nach Ungarn zu Ministerpräsident Viktor Orbán sei „ein politisches Zeichen, das Trump gefällt“, so Röttgen.
Dass die USA doch noch aus der NATO austreten könnten, befürchtet der CDU-Politiker aktuell nicht. Trump entscheide jedoch nicht nach einem roten Faden, sondern „von Fall zu Fall“. „Insofern müssen wir eben auf vieles vorbereitet sein, auch auf das Undenkbare“, sagte Röttgen. (Quellen: Süddeutsche Zeitung, dpa, eigene Recherche) (bb)