„Für Humanität und Menschlichkeit“: Peter Barth erhält Bundesverdienstkreuz

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Hebertshausen

Kommentare

Für sein herausragendes ehrenamtliches Engagement hat Peter Barth nun von Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf das Bundesverdienstkreuz bekommen. © Martina Nötel

Der Hebertshauser Peter Barth das Bundesverdienstkreuz bekommen. Seine ehrenamtliche Arbeit für Flüchtlinge, so würdigte Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf, stehe „beispielhaft für Humanität und Menschlichkeit“.

München/Hebertshausen – Im Sommer 2021 waren es bereits sechs Jahre, dass sich Peter Barth für die Integration von Geflüchteten einsetzte. Er hatte da schon den Hebertshauser Asylhelferkreis gegründet und sich in der ganzen Region einen Namen gemacht als kompetenter Ansprechpartner in allen Flüchtlingsfragen. Zeit, so dachte man sich wohl im Landratsamt, dieses Engagement zu würdigen. Peter Barth sollte also beim Ehrenamtsempfang des Landkreises ausgezeichnet werden.

Höchste Auszeichnung für Flüchtlingshelfer

Doch Peter Barth wollte die Ehrung nicht. In einer „Nacht- und Nebelaktion“, so erinnert er sich noch heute, sei nur wenige Tage vor dem Ehrenamtsempfang ein gut integrierter Flüchtling abgeschoben worden. Moussa Nomoko hieß der junge Mann, und laut Peter Barth war er vielleicht wirklich ein Wirtschaftsflüchtling. Aber: „Er war ein guter, fleißiger Bäcker. Sein Weg hier war geglückt.“ Ihn unter einem Vorwand ins Landratsamt zu locken, ihn in Handschellen abzuführen und anschließend in ein Flugzeug zu setzen, war „skandalös. Unter diesen Voraussetzungen wollte und konnte ich damals keine Auszeichnung annehmen“!

Peter Barth lehnte 2021 eine andere Ehrung ab

Mittlerweile hat sich sein Zorn gelegt. Peter Barth sagt, dass er zu Landrat Stefan Löwl ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis pflege. Gemeinsam mit der Ausländerbehörde habe man das von 2022 bis 2025 laufende Chancenaufenthaltsrecht genutzt, um 100 langjährig geduldeten Menschen eine langfristige Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis im Landkreis Dachau zu ermöglichen. „Das war ein Riesen-Erfolg“, sagt Barth. „Und das Landratsamt hat es nicht boykottiert!“

Bundesverdienstkreuz für Peter Barth aus Hebertshausen

Aus diesem Grund – und vielleicht auch, weil er zwischenzeitlich ein wenig altersmilde geworden ist – hat sich der 79-Jährige entschlossen, die höchste Anerkennung für besondere Leistungen um das Gemeinwohl, die unser Land zu bieten hat, anzunehmen. Damit gehört nun auch Peter Barth zum kleinen, feinen Kreis der Bundesverdienstkreuzträger im Landkreis Dachau.

Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf nahm die Verleihung am Mittwoch in München vor. Peter Barths langjähriges, vielfältiges und selbstloses Engagement, unabhängig von Sprache oder Herkunft der Hilfesuchenden, leistet einen bedeutenden Beitrag zur Integration und steht beispielhaft für Humanität und Menschlichkeit“, so die Ministerin.

Besonderer Dank an die Familie

Barth war mit seiner Familie nach München zu der Verleihung gefahren. Vor allem bei seiner Frau bedankte er sich in seiner Rede vor den geladenen Gästen explizit. „Sie hat sich dieses Leben nicht ausgesucht“, und: „Sie hat wirklich viel ertragen durch meinen Einsatz.“ Auch seine Kollegen im Helferkreis würdigte er, denn: „Man ist nie allein.“ Dass er nun das Bundesverdienstkreuz erhalte, sei „das Resultat, in einer Gemeinschaft zu leben und gemeinsam etwas geschafft zu haben“. Insofern verspüre er natürlich eine Freude über seine Auszeichnung, „gebraucht hätte es sie aber nicht“.

Flüchtlingshelfer will sich weiter engagieren

Zumal Barth, wie er mit einem Lächeln zugibt, eigentlich ein alter 68er ist, ein „Streitbarer“, „Subversiver“. In den Kreisen, in denen er sich als junger Mann bewegt hatte, seien „Auszeichnungen des Staats nicht unbedingt angestrebt“ worden. Mit der Weisheit des Alters aber erkannte er, dass man mit subversiver Opposition nicht viel erreicht. „Ich bin nicht zu Gleichgesinnten gegangen, weil die geben mir natürlich recht.“ Vielmehr habe er sich auch mit CSU-Politikern zusammengetan, etwa im Fall des von der Abschiebung bedrohten Gärtners Sane Sadibou mit dem früheren Generalsekretär Stephan Mayer, um sein Ziel zu erreichen. „Ich bin zu denen an der Macht“, sagt Barth. Und es ehre die Mächtigen, dass sie sich von ihm hätten überzeugen lassen.

Sein Verdienstkreuz dürfte daher über kurz oder lang einen Ehrenplatz bekommen – in einer Schublade. An seinem Engagement wird sich ohnehin nichts ändern. „Ich mach’ weiter, mit Herz und Verstand.“