Die Spende sichert den Betrieb vorerst. Doch der Gemeinderat muss jetzt eine dauerhafte Lösung für das defizitäre Hallenbad finden.
Oberschleißheim – Minutenlanger Applaus, Standing Ovations und Bravorufe: Nach Wochen der Sorge und hitziger Debatten rund um die drohende Schließung des Hallenbads Oberschleißheim sorgte ein Anrufer bei Bürgermeister Markus Böck (CSU) für die entscheidende Wende.
Helmut Schreiner: „Helfen können, das ist eine Gnade“
Mit einer Spende von 500 000 Euro sichert das Unternehmer-Ehepaar Helmut und Ulrike Schreiner vorübergehend den Hallenbadbetrieb. „Stellen Sie sich vor: Sie sehen, hören und spüren die Verzweiflung und wissen, Sie könnten helfen“, erklärt Helmut Schreiner. Er ist Senior-Gesellschafter der Schreiner Group, eines international tätigen Familienunternehmens für Hightech-Labels und Funktionsteile mit Sitz in Oberschleißheim, und Geschäftsführer von Schreiner Innovation. Die Summe spendet das Ehepaar Schreiner aus seinem Privatvermögen, weil ihnen Kinder, Leistungsschwimmer, die DLRG und Gesunderhaltung der Bürger am Herzen liegen. „Helfen können, das ist Gnade“, erklärt Helmut Schreiner seine Grundhaltung. Sein Lebensmotto: Nutze die Zeit, werde zum Segen und freue dich.
DLRG-Ortsvorsitzender Lucas Marchlewitz „unendlich dankbar“
Die Freude ist den mehr als 300 Besuchern der Gemeinderatssitzung ins Gesicht geschrieben. „Ich bin unendlich dankbar für diese erhoffte Finanzspritze“, sagt der Vorsitzende des DLRG-Ortsverbands Lucas Marchlewitz. Er hofft darauf, dass der Gemeinderat eine langfristig tragfähige Lösung für das Hallenbad erarbeitet. Bürgermeister Markus Böck sieht sich und den Gemeinderat in der Verantwortung. „Es ist unsere Aufgabe, alles zu tun, um das Hallenbad so lange wie möglich weiterzubetreiben“, sagt er.
Hallenbad hat jedes Jahr 500 000 Euro Defizit
Seit Jahren schreibt die Gemeinde mit dem Hallenbad rote Zahlen – rund 500 000 Euro Defizit jährlich. „Die Spende von Herrn Schreiner ist ein Notpflaster. Die Arbeit des Arbeitskreises geht jetzt erst richtig los“, sagt Ingrid Lindbüchl (Grüne), Mitglied im Arbeitskreis Hallenbad. Dieser erarbeitete Vorschläge, um die finanzielle Lage des Hallenbads zu verbessern. Fünf dieser Maßnahmen beschloss der Gemeinderat in der Sitzung einstimmig. So sollen die Eintrittspreise für alle Badegäste – das Bad zählt rund 16 000 Besuche im Jahr – um 50 Prozent steigen. Die Kosten für eine Schwimmbahn erhöhen sich für Vertragspartner von 60 auf 90 Euro. Künftig werden gebuchte, nicht genutzte Bahnen in Rechnung gestellt. Schul- und Sportschwimmen soll nicht mehr wie bisher an zwei, sondern an mindestens drei Tagen pro Woche stattfinden.
Suche nach dauerhafter Lösung
Diskussionsbedarf gab es bei der Wassertemperatur. „24 Grad Celsius, wie in Sportbecken üblich, sind für Kinder zu wenig“, betonte Stefanie Haslbeck (CSU). Am Ende einigte sich der Gemeinderat einstimmig zunächst auf eine allgemeine „Reduzierung“ der Temperatur.
Betriebsleiter pflegt Bad akribisch und liebevoll
Die Erhaltung des Hallenbads steht unter der Voraussetzung, dass die Technik des 1972 in Betrieb genommenen Bads in den nächsten Jahren hält. „Der Betriebsleiter des Hallenbads pflegt diese Anlage akribisch und fast liebevoll“, sagt Lindbüchl. Dass die Technik bislang funktioniert, sei maßgeblich ihm zu verdanken. Bereits 2018 hatte der Gemeinderat ein Sanierungskonzept in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Das Bad gilt als sanierungsbedürftig, die Kosten beliefen sich damals auf rund 4,3 Millionen Euro. 2019 beschloss der Gemeinderat einen Neubau. Die fertigen Pläne liegen seit 2021 aus finanziellen Gründen in der Schublade.
Bürgermeister Markus Böck will Ideen von Bürgern sammeln
Für Ideen von Bürgern regte der Bürgermeister die Einrichtung einer eigenen E-Mail-Adresse an. Grüne und Freie Wähler brachten die Gründung eines Fördervereins ins Gespräch, um den Betrieb möglichst lange zu sichern. Stefan Vohburger (FW) schlug einen Zweckverband mit den Kommunen vor, die das Bad für das Schulschwimmen nutzen.
Arbeitskreis arbeitet an Lösungen
Beschlossen ist die Verstetigung des Arbeitskreises, der künftig dem Gemeinderat regelmäßig über seine Fortschritte berichten muss. Geprüft werden die Verpachtung des Cafés, eine Beteiligung anderer Kommunen an den Vorhaltekosten, die Überprüfung von Altverträgen sowie eine Richtlinie zur Sportstättennutzung. „Unsere DLRG würde ich nicht zu einer jährlichen Nutzungsgebühr zwingen wollen“, so Böck. Zusätzliche Einnahmen wären über eine höhere Grundsteuer B oder steigende Gebühren für Bürgersaal und Konferenzräume möglich. Auf diese Schritte will der Bürgermeister aus Rücksicht auf die Oberschleißheimer Bürger vorerst verzichten.
Theresia Maier hat lange im Hallenbad gearbeitet
„Die Spende hat mich umgehauen“, sagt Theresia Maier, die viele Jahre als Angestellte im Hallenbad arbeitete. „Ich finde es so wichtig, dass Kinder von klein auf das Schwimmen lernen“, so die vierfache Großmutter, die froh ist um jeden Tag, an dem das Hallenbad erhalten bleibt.
VON ANNA RATZINGER