Erinnerungstag: Schüler der Max-Mannheimer-Mittelschule bewegen mit persönlichen Geschichten

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Ein berührendes Mosaik aus Geschichten und Momenten: Schüler, Lehrer und Besucher haben auf dieser Wand ihre persönlichen Erinnerungen festgehalten. © Integrationsbeirat

Beim Erinnerungstag setzen sich Garchinger Schüler mit NS-Verbrechen und Flucht auseinander. Auch die Familie von Max Mannheimer war beim Projekttag anwesend.

Garching – Mucksmäuschenstill war es im Bürgersaal Garching. Keiner der Besucher rührte sich, während Claudio Cumani, Vorsitzender des Integrationsbeirats, auf der Bühne um Fassung rang, damit er weitersprechen konnte. Die Erinnerungen hatten ihn übermannt, als er von der letzten persönlichen Begegnung mit Max Mannheimer vor dessen Tod erzählte. „Er war ein Mensch von tiefen Gedanken. Er konnte zuhören und liebte den Dialog, insbesondere mit der jungen Generation.“ Deshalb schätzt Cumani es sehr, dass die Mittelschule in Garching nach diesem Brückenbauer benannt wurde.

Klassenarbeit - Der Baum der Erinnerung an Irena Sendler, eine polnische Sozialarbeiterin, die während des Zweiten Weltkriegs 2500 jüdische Kinder im Warschauer Ghetto rettete.
Der Baum der Erinnerung an Irena Sendler, eine polnische Sozialarbeiterin, die während des Zweiten Weltkriegs 2500 jüdische Kinder im Warschauer Ghetto rettete. © Integrationsbeirat

„Die Erinnerungskultur wird an der Max-Mannheimer-Mittelschule gepflegt“, erläuterte Rektorin Judith Mathä beim von der Schule organisierten Erinnerungstag. „Die diesjährige Ausstellung behandelt unter anderem das heikle Thema der Geschehnisse des Dritten Reiches.“ Auch sie entstamme einer Generation, in der Großeltern und Eltern, die den Krieg noch als Kinder miterlebt hatten, beharrlich schwiegen. „Wir aber wollen verschiedenen persönlichen Erinnerungen einen Raum geben.“

Schüler der Theater-AG präsentierten Erlebnisse und Andenken an geliebte Menschen. Die Rektorin war beeindruckt und ergriffen, „wie sich die jungen Leute nicht nur mit den Verbrechen gegen die Menschlichkeit des NS-Regimes auseinandersetzen, sondern sie auch uns Älteren mit ihrem ausdrucksstarken Spiel zeigten, was ihnen wichtig ist und was sie bewegt“. Teilweise mussten die Kinder selbst aus ihrem Geburtsland fliehen. Schon lange ging es nicht mehr nur um das NS-Deutschland, sondern all die Kriegsschauplätze in dieser Welt. Spürbar bei den Flüchtlingen war eine tiefe Dankbarkeit für die Unterstützung, für gelebte Menschlichkeit und ankommen zu dürfen. Eine unvergessliche Erinnerung.

Mathä freute sich, dass so viele Besucher wie noch nie gekommen waren. „Sicherlich hängt das große Interesse mit dem aktuellen Zeitgeschehen zusammen, es ist wichtiger denn je.“ Auch die Familie von Max Mannheimer ehrte sein Andenken mit ihrer Anwesenheit.

Organisatorin: Claudio Cumani, Vorsitzender des Integrationsbeirats, und Judith Mathä, Rektorin der Max-Mannheimer-Mittelschule.
Organisatoren: Claudio Cumani, Vorsitzender des Garchinger Integrationsbeirats, und Judith Mathä, Rektorin der örtlichen Max-Mannheimer-Mittelschule. © gg

„Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“ Dieses Leitmotiv von Max Mannheimer ist Teil der Erinnerungskultur der Schule und Grundlage aller Max-Mannheimer-Projekttage. „Es ist wichtig, sich die Dinge, die in der Vergangenheit geschehen sind, immer wieder vor Augen zu führen“, erinnerte Bürgermeister Dietmar Gruchmann. „In unserer Stadtgemeinschaft leben wir vorbildlich miteinander, weil sich viele Einzelne engagieren.“ Dafür sei er dankbar.

Die bereits zehnjährige Zusammenarbeit der Mittelschule mit dem Integrationsbeirat zeugt von einem bewussten Umgang mit den Gegensätzen. „Dennoch haben auch wir manchmal unsere Herausforderungen mit dem gegenseitigen Respekt in Bezug auf Migrationshintergrund“, sagte Peter Pieczka, der den diesjährigen Projekttag organisierte, wobei er die gute Zusammenarbeit mit dem Lehrerkollegium betonte. Seine Familie stamme aus Polen und Tschechien, deshalb könne er sich in dieses Thema gut hineinversetzen. „Wir versuchen, sensibel heranzugehen und dabei alle ins Boot zu holen. Wir sprechen offen darüber.“ Er fand es gut, „dass die Schüler ohne Berührungsängste bei den Garchinger Bürgern eine Umfrage zur Erinnerungskultur gemacht haben“.

Spannende Antworten waren das Ergebnis: „Erinnerungen geben Hoffnung, sind Glücksgefühle.“ „Erinnerung zeigt mir, woher ich komme, wer ich bin. Sie gibt mir Orientierung im Leben.“ Oder die Aufforderung einer Schülerin, dass Erinnerungen nicht immer mit einem Handy aufgenommen werden müssten. Beim musikalischen Abschluss des Instrumentalensembles mit Unterstützung des Chors der Grundschule Garching-Ost unter der Leitung von Edgar Mayer bedarf es keiner Worte mehr. Die Musik wird von der Sprache des Herzens getragen.