Verheerende Taktik im Ukraine-Krieg: Putin greift bestimmte Infrastruktur quasi täglich an

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Selenskyj warnt vor russischen Angriffen auf die ukrainische Logistik. Besonders das ukrainische Schienennetz gerät in letzter Zeit immer öfter ins Visier.

Moskau/Kiew – Im Ukraine-Krieg führen beide Seiten nicht nur Direktangriffe auf etwa Truppen durch. Sowohl die Ukraine als auch Russland versuchen immer wieder, auch die feindliche Logistik zu stören und sich so einen Vorteil zu verschaffen. So wird das ukrainische Schienennetz zuletzt immer wieder von russischen Angriffen getroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht fast tägliche Attacken.

Putin lässt ukrainisches Schienennetz attackieren: „Fast täglich angegriffen“

„Es ist wichtig, dass die notwendige Logistik überall aufrechterhalten wird“, betonte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache vom Sonntag (8. Februar) laut ukrainischen Medien. Weiter hieß es: „Auch in dieser Woche hat die russische Armee fast täglich die Eisenbahn angegriffen. Heute gab es in der Region Tschernihiw einen gezielten Angriff gegen einen Zug, der an diesem Tag Passagiere befördern sollte.“

Russland schoss Drohnen auf einen Passagierzug. © -/Ukrainian Emergency Service/dpa

In den Tagen zuvor sei es auch in den Regionen Charkiw und Dnipropetrowsk zu Attacken gegen die Eisenbahninfrastruktur gekommen. Selenskyj nutzte seine Ansprache erneut dafür, um die Verbündeten der Ukraine nach mehr Luftverteidigungssystemen zu bitten. Die Ukraine dürfe im von Kreml-Chef Wladimir Putin angezettelten Krieg nicht alleine gelassen werden, sagte er.

Putins Kalkül hinter Angriffen auf ukrainisches Schienennetz: „Bestimmte Regionen abschneiden“

Hinter Putins Angriffen wird ein gezieltes Kalkül vermutet. „Das Ziel ist sehr klar: Wenn man die jüngsten Angriffe auf der Karte betrachtet, fällt deutlich auf, dass versucht wird, bestimmte Regionen der Ukraine effektiv abzuschneiden“, sagte der ukrainische Bahnchef Oleksandr Perzowskyj der Nachrichtenagentur AFP.

Die ukrainische Bahn sei stolz darauf, dass ihre Züge „trotz des Krieges fahrplanmäßig verkehren“, sagte der Bahnchef weiter. Doch vor die Wahl gestellt würde das staatliche Unternehmen auf „Nummer sicher“ gehen und „anhalten und das Personal evakuieren“ anstatt weiterzufahren. Moskau hat in den vergangenen Monaten seine Angriffe auf die Bahn-Infrastruktur der Ukraine verstärkt. Bei den Angriffen wurden Zivilisten getötet und Zugstrecken unterbrochen, die zur Evakuierung von Menschen aus dem Frontgebiet genutzt wurden.

Putin nimmt ukrainische Eisenbahn ins Visier – immer wieder tödliche Angriffe

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges vor fast vier Jahren hat die Ukraine immer wieder tödliche Angriffe auf zivile Eisenbahnstrecken gemeldet. Vor kurzem wurden bei einem Drohnenangriff auf einen Personenzug in Charkiw laut ukrainischer Staatsanwaltschaft fünf Menschen getötet. Im April 2022 waren bei einem Angriff auf den Bahnhof von Kramatorsk mehr als 60 Menschen getötet worden.

Das ukrainische Schienennetz ist eines der größten Europas. Die Ukraine ist auf den Zugverkehr angewiesen, denn die Flughäfen sind seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 geschlossen. Jedes Jahr werden per Bahn Millionen Passagiere, Güter und Soldaten befördert. (Quellen: Ukrainska Prawda, AFP, eigene Recherche) (bb)