Schützen errichten riesige „Tirol“-Schilder entlang der Olympia-Route – Botschaft verwirrt internationale Gäste und hat tieferen historischen Hintergrund.
Vintl – Während die Biathlon-Wettkämpfe in Anterselva auf Hochtouren laufen, haben die traditionellen Schützen ihre Mission gestartet. Entlang der Straße zum Biathlon-Stadion prangen plötzlich überdimensionale „Tirol“-Schriftzüge in den Wiesen der Val Pusteria. Weiß-rote Fahnen flattern im Wind – ein Anblick, der internationale Gäste rätseln lässt.
Die Aktion der Südtiroler Schützen kommt nicht von ungefähr. Während tausende Olympia-Besucher und Athleten durch die Region strömen, nutzen die „Cappelli Piumati“ (Federhüte) die weltweite Aufmerksamkeit für ihre Botschaft. Die großen Schilder entstanden durch Mitglieder des Schützenbezirks Pustertal, berichtet Il Dolomiti.
Tirol-Schilder bei Olympia sind Teil einer größeren Kampagne
„Mit den Schriftzügen ‚Tirol‘ wollen wir ein positives Signal senden“, erklärt Christoph Schmid, Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes. Für ihn ist „gerade bei einem großen internationalen Event ist es wichtig, sich bewusst zu präsentieren und unser Land als das zu zeigen, was es ist: ein Teil Tirols mit seiner eigenen Geschichte, Sprache, Kultur und Tradition“.
Die Schilder-Aktion folgt auf eine bereits laufende Plakatkampagne. Seit Ende Januar hängen an Bushaltestellen in ganz Südtirol Plakate mit der Aufschrift „Grüß Gott in Tirol“. Wie der Südtiroler Schützenbund auf seiner Webseite erklärt, führt er diese gemeinsam mit dem Südtiroler Heimatbund durch.
Vor Olympia-Aktion hatte es Kontroversen um die Beschilderung gegeben
Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes, betont: „Wir heißen unsere Gäste herzlich willkommen. Gerade Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele stehen für Begegnung, sportlichen Wettkampf, Respekt und Verständigung“, heißt es auf der Webseite. Der Auftakt der Olympischen Spielen wurde durch einen Angriff auf das Bahnnetz in Norditalien überschattet.
Der Zeitpunkt ist laut einem Bericht der FAZ bewusst gewählt. Zuvor hatte es Kontroversen um die offizielle Olympia-Beschilderung gegeben. Auf den ursprünglichen Schildern der Wettkampfstätten stand nur „Anterselva“ – der italienische Name für Antholz. Erst nach einer Intervention von Landeshauptmann Arno Kompatscher sollte dies geändert werden, um der vereinbarten Zweisprachigkeit zu entsprechen. Eine andere Olympia-Maßnahme wurde von einem intalienischen Umweltverband als klimaschädlich kritisert.
Olympia-Aktion soll Einladung zum Dialog sein
Die Schützen erklären ihre historische Mission: Der südliche Teil Tirols wurde nach dem Ersten Weltkrieg ohne Befragung der Bevölkerung Italien angegliedert. In Rasen-Antholz sprechen 98 Prozent der 3.000 Einwohner Deutsch als Muttersprache.
Die Aktion versteht sich laut den Organisatoren nicht als Provokation, sondern als Einladung zum Dialog. Die Schützen nutzen die olympische Bühne, um auf ihre kulturelle Identität aufmerksam zu machen – eine Identität, die ihrer Ansicht nach über heutige Staatsgrenzen hinausgeht. (Quellen: Il Dolomiti, Südtiroler Schützenbund, FAZ) (tt)
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