Zum Start ins neue Jahr senkt Aldi erneut die Preise zahlreicher Produkte und festigt damit seine Position als Preisführer. Im vergangenen Jahr hatte Lidl versucht, diese Spitzenposition auf dem deutschen Markt für sich zu beanspruchen. Große Versprechen von beiden Discounter-Konzernen – doch welche Auswirkungen hat der Preiskampf tatsächlich für die Kunden?
Aldi senkt die Preise
Zum Jahresbeginn reduziert Aldi die Preise für zahlreiche Produkte, wie die Lebensmittelzeitung berichtet. Insgesamt 17 Artikel werden dauerhaft günstiger – eine Maßnahme, die seit dem 2. Januar gilt. Besonders deutlich fallen die Preisnachlässe bei Jasmin- und Basmati-Reis aus: Die Kilo-Packung Basmati-Reis kostet nach der Preissenkung von 50 Cent nun 2,49 Euro. Auch bei Backwaren profitieren Kunden, etwa bei Wraps, Knäckebrot oder Bio-Landbrötchen zum Aufbacken.
Nur wenige Tage später folgte die nächste Runde, diesmal im Fleischsortiment (seit 7. Januar):
- Schweine-Hackfleisch (800 g, Eigenmarke): 3,79 Euro statt 3,99 Euro
- Gyros vom Schwein (500 g): 3,99 Euro statt 4,29 Euro
- Bio-Schweineschnitzel: 4,89 Euro statt 4,99 Euro
- Rinderhack (500 g, Aldi Nord): 6,19 Euro statt 6,49 Euro
- Gemischtes Hackfleisch (500 g): 4,79 Euro statt 4,99 Euro
Aldi Süd bewirbt die Aktion unter dem Motto „Deutschlands wahrer Preisführer“ und unterstreicht damit seine Vorreiterrolle im Discount. Auch Lidl positioniert sich zum Jahresbeginn selbstbewusst im Preiskampf. Mit Slogans wie „Preisführer durch gezielte Auswahl“ und „Preisführer durch schnelle Prozesse“ macht der Discounter auf Plakaten und in sozialen Medien deutlich, dass er den Anspruch auf die Preisführerschaft nicht kampflos aufgibt.
Teurer Einkauf trotz Preissenkungen
Trotz der großen Ankündigungen bleibt der Einkauf für viele Verbraucher kostspielig. Vor allem Markenprodukte zeigen kaum Bewegung nach unten – teilweise sind sie sogar teurer geworden. Eine regelmäßige Preisanalyse der Lebensmittelzeitung fällt entsprechend ernüchternd aus: Kein erfasstes Markenprodukt war im Vergleich zum Vorjahr günstiger. Entlastung gibt es fast ausschließlich bei Eigenmarken.
Das gilt allerdings nicht für alle Lebensmittel. Während etwa der Butterpreis im Dezember 2025 unter die Ein-Euro-Marke fiel, bleiben andere Produkte wie Schokolade oder Kaffee weiterhin teuer. Der Grund: Viele Kostenfaktoren für Hersteller und Händler sind nach wie vor hoch. Energie, Verpackung, Transport und Löhne sind deutlich teurer geworden – und lassen sich nur begrenzt einsparen. Im Fall von Kaffee oder Schokolade kommen zusätzliche noch Ernteausfälle durch den Klimawandel hinzu, das die Preise in die Höhe treibt.
Wie stark die Belastung der hohen Lebensmittelpreise bei der Bevölkerung empfunden wird, zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Für mehr als zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) sind Lebensmittel der Bereich, in dem sie steigende Preise am deutlichsten spüren. Kein Wunder: Seit 2020 sind die Lebensmittelpreise in Deutschland insgesamt um rund ein Drittel gestiegen.
Das Spiel mit den Preissenkungen
Discounter liefern sich immer wieder ein öffentlichkeitswirksames Duell um die niedrigsten Preise. Im Mai 2025 kündigte Lidl „die größte Preissenkung seiner Geschichte“ an: Mehr als 500 Einzelartikel sollten dauerhaft günstiger werden, teilweise regional um bis zu 35 Prozent. Klingt zu gut, um wahr zu sein – und genau so ist es auch.
Das Handelsblatt in Zusammenarbeit mit dem Preisvergleichsunternehmen Smhaggle zeigt: Bei mehr als einem Viertel der damals reduzierten Produkte liegt der Preis heute wieder höher – im Schnitt sogar um 3,9 Prozent über dem Niveau zum Start der Aktion.
Einige Beispiele der Analyse verdeutlichen den Preisanstieg:
- Bio-Leberwurst (Eigenmarke Dulano): zeitweise für 1,39 Euro erhältlich, inzwischen 1,69 Euro
- Vegane Fruchtgummis (Marke Strolchi): zeitweise für 0,99 Euro erhältlich, inzwischen 1,29 Euro
- Kartoffelsalat (Marke Chef Select): zweitweise für 1,29 Euro erhältlich, inzwischen 1,49 Euro
Große Preissenkungen der Discountern dienen in erster Linie nicht den Verbrauchern, sondern sind ein strategisches Mittel, um Kunden zu gewinnen und die sogenannte „Preisführerschaft" zu sichern. Denn eines ist klar: Wettbewerber reagieren meist binnen weniger Stunden oder Tage und passen ihre Preise entsprechend an.