Vor wenigen Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass Polen zu einem Magnet für britische Auswanderer wird. Doch die Zeiten haben sich laut "Telegraph" geändert. Johnny Mercer, ein britischer Geschäftsmann, der in Polen das Bauunternehmen Polstrad leitet, erlebte diesen Wandel hautnah.
Als er vor drei Monaten eine Marketingstelle in seinem Unternehmen ausschrieb, erhielt er 35 Bewerbungen von Briten, die bereit waren, dauerhaft nach Polen zu ziehen - darunter war auch ein Kandidat ohne jegliche Verbindung zu Polen, der letztlich die Stelle bekam.
Migrationsströme haben sich umgekehrt
Die traditionelle Migrationsrichtung zwischen Polen und Großbritannien hat sich umgekehrt. Laut offiziellen Zahlen zogen im letzten Jahr bis Juni lediglich 7.000 polnische Staatsbürger nach Großbritannien, während 25.000 Polen das Vereinigte Königreich verließen und in ihre Heimat zurückkehrten. Doch nicht nur die Polen kehren zurück. Seit 2020 hat sich die Zahl der Briten mit Wohnsitz in Polen von 113.000 auf 185.000 fast verdoppelt.
Auch Deutschland hat laut "Polskie Radio" mittlerweile einen negativen Wanderungssaldo mit dem östlichen Nachbarland.
Wirtschaftlicher Aufschwung entscheidend
Polens wirtschaftlicher Erfolg ist einer der Hauptgründe für diesen Trend. Jadwiga Emilewicz, ehemalige stellvertretende Premierministerin Polens, beschreibt die aktuelle Entwicklung als "goldene Ära der polnischen Wirtschaft".
Tatsächlich hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf seit dem Jahr 2000 von 42,7 Prozent des britischen Niveaus auf beeindruckende 85,9 Prozent gesteigert. Prognosen zufolge könnte das durchschnittliche Haushaltseinkommen in Polen das britische bis 2031 übertreffen. Auch dem deutschen Wirtschaftsniveau nähert sich Warschau immer weiter an.
Hohe Lebensqualität begeistert
Auch von der Lebensqualität sind viele Ausländer begeistert. Immobilien sind deutlich günstiger als in Großbritannien und Deutschland. Das Thema Sicherheit spielt ebenfalls eine Rolle. Eine Britin berichtete dem "Telegraph", dass sie in London mehrfach Opfer von Einbrüchen geworden sei, während sie sich in Warschau sicher genug fühle, nachts allein durch die Straßen zu gehen.