Nachdem die US-Marine den Tanker der russischen Schattenflotte, "Marinera" beschlagnahmt hat, wird eine Frage immer interessanter: Warum ist das Boot so wichtig, dass sich die USA und Russland am Mittwoch eine öffentliche Verfolgungsjagd im Atlantik liefern, Streit inklusive? Der Zugriff sei wegen "Verstößen gegen US-Sanktionen" auf Anordnung eines Bundesgerichts erfolgt, sagen die USA. Russland kritisierte das US-Vorgehen scharf und forderte die ungehinderte Heimkehr der Seeleute, bezeichnet das Vorgehen als Piraterie.
Verdacht auf illegale Fracht: Die Spur führt zum Iran und zur Hisbollah
Inzwischen gibt es weitere Informationen über Ladung und Mannschaft des Bootes. Wie CBS berichtet, soll die "Marinera" zumindest in der Vergangenheit nicht nur Öl aus Venezuela, sondern auch Rohöl aus dem Iran geladen haben. Wie der Guardian schreibt, kam der Tanker im Dezember aus dem Iran auf dem Weg nach Venezuela. Im Januar tauchte das Boot im Atlantik auf. Die Fahrt endete mit der jetzigen Beschlagnahmung durch die Marine.
Offenbar hat das Schiff nicht nur Öl geladen. Die "Marinera" unterliegt nach Angaben der britischen Zeitung seit Juni 2024 Sanktionen des US-Finanzministeriums wegen des Vorwurfs, illegale Fracht für die Hisbollah, die vom Iran unterstützte libanesische Miliz, transportiert zu haben.
Hintermänner enttarnt: Dubiose Firmengeflechte in den Emiraten
Interne Vertragsunterlagen, aus denen die „Bild“ zitiert, bringen Licht ins Dunkel um den mysteriösen Tanker: Das Schiff gehört der Firma „Louis Marine Shipholding“, hinter der laut Dokumenten der Syrer Bakri Mohamad Altounaji steht. Wie aus einer im Internet auffindbaren Aufenthaltskarte für die Vereinigten Arabischen Emirate hervorgehe, sei Altounaji am 9. August 1997 geboren worden und und halte sich seit mindestens Juni 2022 in den VAE auf. Die Vergangenheit des Tankers ist dabei hochgradig brisant, da er für Unternehmen im Einsatz war, die dem iranischen Mullah-Regime nahestehen.
Ein Beispiel dafür ist die „Onden General Trading LLC“, die 2023 in einer emiratischen Freihandelszone gegründet wurde. Nach Erkenntnissen des US-Finanzministeriums gehört diese Firma zu einem Netzwerk, das den illegalen Handel sowie Drohnen-Lieferungen für das iranische Militär ermöglicht. Aufgrund dieser Verwicklungen wird das Unternehmen seit April 2024 auf einer US-Sanktionsliste geführt.
Kriegsschiffe und U-Boote: Russische Eskorte für das „Geisterschiff“
Nachdem der Tanker am 21. Dezember versucht hatte, eine US-Seeblockade gegen Venezuela zu durchbrechen und sich dabei erfolgreich einer Enterung durch die US-Marine entzog, schrillten in Moskau offenbar die Alarmglocken. Das Schiff verschwand daraufhin für zwei Wochen komplett von den Radarschirmen und schaltete den Transponder aus, um eine Ortung unmöglich zu machen. Am 1. Januar tauchte der Tanker schließlich unter neuem Namen und russischer Flagge im Nordatlantik wieder auf – offensichtlich mit Kurs auf Russland. Um die Ankunft abzusichern, entsandte die russische Marine dem Schiff ein U-Boot sowie zwei Kriegsschiffe, die den Tanker vermutlich nach Russland eskortieren sollen.
Nach Maduro-Festnahme: USA lockern Sanktionen gegen Venezuela
Unterdessen treibt Donald Trump sein Vorhaben, Kontrolle über das venezolanische Ölgeschäft zu erlangen, voran. Am Mittwoch verkündeten die USA, dass sie einige ihrer Sanktionen gegen das südamerikanische Land aufheben. Dies soll den Transport und den Verkauf venezolanischen Öls auf dem Weltmarkt ermöglichen, wie das US-Energieministerium mitteilte. Welche Sanktionen genau gelockert werden sollen und wann, wurde zunächst nicht mitgeteilt.