- Der vollständige Artikel von Christoph Maria Michalski, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Wegners Tennis-Stunde mitten im Strom-Chaos ist der Gipfel der Taktlosigkeit
Eine Handlung mit Symbolkraft sorgt für Diskussionen: Der Kommentar zur Tennisstunde des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner während des Berliner Stromausfalls beleuchtet die Folgen für das Vertrauen in die Politik. Im Zentrum der Leserdebatte steht der Vorwurf des Führungsversagens und fehlender Präsenz auf der einen Seite, während andere darauf verweisen, dass in solchen Krisen ohnehin Fachleute gefragt seien. Neben dem Umgang mit der Krise selbst entzündet sich die Kritik auch an der Krisenkommunikation und der Empathie gegenüber Betroffenen.
Kritik an politischer Führungskrise
Mit 36 Prozent bildet dieses Lager das größte Meinungsbild. Viele Leser nehmen das Verhalten von Bürgermeister Wegner während des Stromausfalls als Zeichen einer Führungskrise wahr. Ihre Kritik richtet sich vorrangig auf fehlende Präsenz, das Ausbleiben empathischer Reaktionen und mangelndes Verantwortungsgefühl, wie im Originalartikel thematisiert. Einige Kommentierende vergleichen die Situation mit bekannten Beispielen früherer Fehltritte von Politikern. Auf der anderen Seite verweisen einzelne darauf, dass in technischen Notlagen Fachpersonal und nicht politische Symbolik gefragt sei, wobei der Tenor eindeutig die hohe Erwartung an Vorbildfunktion und Glaubwürdigkeit hervorhebt.
"In einer Krise zeigt sich die Qualität einer Führungskraft. Diese Chance hat er nachhaltig vergeigt. Offensichtlich war es doch kein Ass für Berlin." Zum Originalkommentar
"Das Verhalten dieses Herren spiegelt doch lediglich die bekannte Taktlosigkeit der Politiker gegenüber dem Wahlvolk wider. Erinnert irgendwie an die dumme Sache im Ahrtal. Vielen Dank für das tolle Engagement." Zum Originalkommentar
"Der regierende Bürgermeister ist nicht dazu da, das Kopfloch zu buddeln oder gar die Kabel zu muffen. Genauso wenig repariert der Kapitän eines Havaristen das Leck in der Bordwand selbst. Ein guter Kapitän bleibt in einer Gefahrenlage aber auf der Brücke." Zum Originalkommentar
Kritik an Krisenkommunikation
Einige Leser (15 Prozent) diskutieren vorrangig die Kommunikationsstrategie von Wegner, wie sie im Artikel angesprochen wird. Leser kritisieren das Fehlen klarer, empathischer Worte und Symbolik im Umgang mit den Betroffenen. Ein zentrales Motiv ist die Enttäuschung über das Ausbleiben solidarischer Präsenz – Wegners Rechtfertigung, er sei erreichbar gewesen, reicht aus Sicht Vieler als Zeichen politischer Anteilnahme nicht aus. Die Kommentierenden machen deutlich, dass es weniger um die praktische Verantwortung, sondern vielmehr um die emotionale Wirkung von Politik in Ausnahmesituationen geht.
"Das Verwerfliche war doch nicht, dass er Tennis gespielt hat, sondern seine Lüge. Warum hat er denn nicht von Anfang an die Wahrheit gesagt?" Zum Originalkommentar
"Er hat seine Freizeit genossen... ich frage mich, wie es in einer solchen Situation für einen Bürgermeister so etwas wie Freizeit geben kann... Weiß der Bürgermeister, wie viele Menschen sich zu dieser Zeit in ihrer Freizeit ehrenamtlich als Helfer engagiert haben? Vielleicht haben diese Menschen auch Hobbys, denen sie gerne nachgegangen wären. Das musste warten, solange Hilfe benötigt wurde. Der Gipfel ist die Lüge und dass er sagte, dass er doch erreichbar gewesen sei. Das ist zynisches Passivverhalten von oben herab. Man erwartet von einem Bürgermeister aktives und solidarisches Krisenmanagement. Hätte er wenigstens medienwirksam Suppe ausgegeben oder Feldbetten aufgebaut...sich halt nützlich gemacht. Wegtreten." Zum Originalkommentar
"Ein schlimmeres Signal kann ein Politiker nicht aussenden: Euch geht es nicht gut - aber mein Ding mache ich dennoch. Und dann wundern Politiker sich, dass sie eine Quittung nach der anderen kassieren. Wem die Not des kleinen Mannes derart egal ist, der darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann die Quittung dafür erhält. Instinktlos - respektlos." Zum Originalkommentar
Kritik an politischer Verantwortung und Moral
Dieses Meinungslager umfasst ebenfalls 15 Prozent der Stimmen. Hier dominieren Stimmen, die politisches Handeln mit moralischen Ansprüchen an Verantwortung und Anstand verknüpfen. Im Artikel wird diese Diskrepanz zwischen Erwartung und Wirklichkeit thematisiert. Kommentierende fordern Konsequenzen für Wegners Verhalten, das sie als respekt- und verantwortungslos bewerten. Die Diskussion dreht sich um den politischen Amtsauftrag in Notsituationen, den viele als nicht erfüllt sehen und in Konsequenz einen Rücktritt oder eine Abwahl fordern.
"Dieser Mann sollte umgehend seinen Stuhl räumen. Verantwortungslosigkeit nennt man so ein Verhalten. Im Grunde genommen ist er ein Spiegelbild eines Großteils der heutigen Gesellschaft. Sei es in Arztpraxen oder Kliniken sowie Behörden, man stößt immer wieder auf verantwortungsloses, leistungsfeindliches Verhalten. Eine Fehlerkultur gibt's auch nicht mehr. Da wundert mich nichts mehr." Zum Originalkommentar
"Na da werden ja wieder kräftig Nebelkerzen zur Ablenkung vom kriminellen Vorgehen der Linksextremisten geworfen. Statt sich über Peanuts aufzuregen, wären z. B. bei der TAZ Nachfragen im eigenen Milieu und Mithilfe bei der Aufklärung des Verbrechens angesagt. Fehlanzeige?! Die Verbrecher haben vorsätzlich Menschenleben und die Gesundheit von Tausenden von Berlinern in Gefahr gebracht und haben obendrein Steuergelder vermutlich in Milliardenhöhe verschwendet. Von der Umweltsauerei durch die Baumschulen mal gar nicht zu reden." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber politischer Verantwortung
Zehn Prozent der Leser stellen generell die Haltung der politischen Elite in den Vordergrund und unterstellen eine abgehobene, von den Bürgern entfernte Wahrnehmung. Kritik richtet sich dabei auch an die Rolle der Wähler, die laut Kommentierenden fragwürdige Politiker überhaupt erst ins Amt bringen. Es werden Zweifel geäußert, dass solche Verhaltensweisen Einzelfälle sind, vielmehr steht die Glaubwürdigkeit des gesamten Systems zur Debatte. Im Zusammenhang zum Artikel manifestiert sich hier eine strukturell-kritische Perspektive.
"Tja….wer hat den …Mann gewählt….." Zum Originalkommentar
"Nein, das Problem ist nicht Herr Wegner, das Problem ist, dass die Wähler solche Leute in solche Positionen bringen. Auch der Landrat bei der Ahr-Flut war als Ausfall lange bekannt. Er hatte aber das richtige Parteibuch und lächelt er immer so freundlich. Der Wähler ist selbst schuld." Zum Originalkommentar
"Nicht meckern und empören, genießt einfach, was ihr gewählt habt." Zum Originalkommentar
"Wenn er mit seiner Taschenlampe 1h in Zehlendorf herumgelaufen wäre, statt 1h Tennis zu spielen, wären die Haushalte dann 1 Sekunde schneller am Netz gewesen? Nein, also was soll diese künstliche Aufregung? Die zentrale Frage ist doch, was man tun kann, damit sich ein solcher Vorfall in dieser Größenordnung nicht wiederholt. Die Saboteure dingfest machen, die Verteilung dezentralisieren und Redundanz schaffen, lessons lernen etc. Das sind dann schon längere Prozesse, die ein Bürgermeister nicht in 1h bewerkstelligen kann und für die er Kräfte braucht, die während er Tennis spielte, sicher nicht verfügbar waren." Zum Originalkommentar
"So nach dem Motto: ich kann ja doch nichts machen, dann spiele ich eben Tennis. Unglaublich. Besser kann man seine Gleichgültigkeit nicht demonstrieren. Unwürdig für dieses Amt." Zum Originalkommentar
Kritik an Infrastruktur und Krisenmanagement
Weitere Leser (sieben Prozent) richten den Fokus auf die Infrastruktur und die eigentliche Krisenbewältigung. In Anlehnung an den Artikel wird weniger die Person Wegner als vielmehr die technische und organisatorische Mängel in Berlin diskutiert. Kritisiert werden fehlende Vorbereitung auf Großschadensereignisse sowie das Fehlen ausreichend geschulter Fachkräfte. Die Kommentierenden fordern, den Blick stärker auf nachhaltige Lösungen und zukunftsfähige Strukturen jenseits persönlicher Symbolpolitik zu richten.
"Wenn Herr Wegner anstelle zum Tennis zum Reiten gegangen wäre oder gar nichts getan hätte, wäre auch nichts passiert. Da braucht man in erster Linie Elektriker, die Berlin offenbar nicht hatte, wenn man das Licht wieder anknipsen will. Jetzt im Nachhinein herumjammern, macht das Desaster auch nicht besser." Zum Originalkommentar
"Jeder mit gesundem Menschenverstand weiß eigentlich, dass ein Bürgermeister in den seltensten Fällen ein Starkstromkabel selber flicken kann. Außer er ist von Beruf Elektriker. Ob der Bürgermeister im Büro sitzt oder vor Ort ist und auf wichtig macht oder Tennis spielt, kommt auf das Gleiche heraus. Ich sehe das gelassen." Zum Originalkommentar
"Wenn er mit seiner Taschenlampe 1h in Zehlendorf herumgelaufen wäre, statt 1h Tennis zu spielen, wären die Haushalte dann 1 Sekunde schneller am Netz gewesen? Nein, also was soll diese künstliche Aufregung? Die zentrale Frage ist doch, was man tun kann, damit sich ein solcher Vorfall in dieser Größenordnung nicht wiederholt. Die Saboteure dingfest machen, die Verteilung dezentralisieren und Redundanz schaffen, lessons lernen etc. Das sind dann schon längere Prozesse, die ein Bürgermeister nicht in 1h bewerkstelligen kann und für die er Kräfte braucht, die während er Tennis spielte, sicher nicht verfügbar waren." Zum Originalkommentar
"Da wird wieder etwas aufgeblasen! Was bitte soll so ein Politiker sonst machen? Wenn er zwei Stunden in die Baugrube guckt, dann ist auch nichts gewonnen. Letztendlich kann er außer Interviews zu geben nichts machen und für alles andere gibt's Fachkräfte! Aufregung umsonst, gehen Sie weiter, hier gibt's nichts zu sehen!" Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber politischer Glaubwürdigkeit
Sechs Prozent der Leserschaft äußern in ihren Kommentaren deutliche Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit von Politikern. Der Artikel liefert die Steilvorlage über Wegners widersprüchliche Aussagen, was von Kommentierenden kritisch aufgenommen und aufs gesamte politische System übertragen wird. Sie werten nicht nur das Verhalten, sondern insbesondere die Kommunikation als intransparent oder sogar gezielt unehrlich. Damit schließt das Meinungsbild an eine grundsätzlich skeptische Position gegenüber politischen Institutionen an.
"Das Verwerfliche war doch nicht, dass er Tennis gespielt hat, sondern seine Lüge. Warum hat er denn nicht von Anfang an die Wahrheit gesagt?" Zum Originalkommentar
"Diese Lügerei bei den Verantwortlichen erleben wir doch bei jedem Katastrophenfall der letzten Jahre. Genau deshalb sind die Leute auch so wütend!" Zum Originalkommentar
"Wer seine Tennis-Klamotten einpackt und sich ins Auto setzt (vermutlich hat Wegner keinen Tennisplatz im eigenen Garten oder im Keller) und dann schon alleine vielleicht ne halbe Stunde Hin- und Rückfahrt braucht, der macht das nicht für ne 30 Minuten (was dann noch netto übrigbleibt von Wegners angeblichen "Stunde"). Insofern bezweifle ich, ob seine nächste Ausrede einen größeren Wahrheitsgehalt hat als seine erste erwiesene Lüge" Zum Originalkommentar
"Ich verstehe durchaus, dass auch ein OB mal ne Pause braucht. Aber Lügen geht gar nicht." Zum Originalkommentar
Sonstige Stimmen
Die übrigen Kommentare (elf Prozent) fallen unter sonstige, vielfach humorvolle oder sarkastische Beiträge. Diese Beiträge greifen gelegentlich die allgemeine Debatte auf, nähern sich dem Thema aber meist auf ironische oder abschweifende Weise, ohne eine klare Haltung zum Vorfall oder zum Politverhalten einzunehmen.
"Hat er das Match eigentlich gewonnen?" Zum Originalkommentar
"Wenn es auf der Arbeit mal schlecht läuft, gehe ich demnächst mal Tennis spielen. Gutes Beispiel für die Arbeitnehmer." Zum Originalkommentar
"Haben wir sonst keine Probleme? Regt euch lieber über die auf, die für diesen Terrorakt verantwortlich sind." Zum Originalkommentar
Was denken Sie – genügt das bisherige Verhalten von Politikern wie Kai Wegner Ihren Erwartungen? Oder zählen in der Krise andere Werte und Signale? Teilen Sie Ihre Meinung und diskutieren Sie mit anderen Lesern über politische Vorbilder, Kommunikation und Vertrauen.