Der große Neubau, den ein Bauträger im Weilheimer Süden errichten will, wäre dort „ein Fremdkörper“, findet die Stadt. Doch das Landratsamt will ihn zulassen – sehr zum Ärger der Lokalpolitiker.
Für das Stadtbauamt und den Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates steht fest: Diese Pläne würden am Franziskusweg „bei weitem den Rahmen sprengen“. Den Antrag eines Bauträgers, auf dem Grundstück Franziskusweg 25 in zweiter Reihe ein Mehrfamilienhaus mit drei Vollgeschossen, Tiefgarage und acht Wohnungen errichten zu dürfen, hat der Bauausschuss im September einstimmig abgelehnt. Stattdessen würde sich die bereits genehmigte Planung für das Areal – zwei Doppelhäuser mit jeweils zwei Vollgeschossen und insgesamt vier Wohneinheiten – laut Gremium bestens in die Umgebung einfügen.
Doch der Antragsteller will mehr, und die Baugenehmigungsbehörde beim Landratsamt Weilheim-Schongau ist bereit, ihm mehr zu geben, so hieß es nun in der Dezember-Sitzung des Bauausschusses: Ihrer Beurteilung nach würde sich auch das deutlich massivere Mehrfamilienhaus einfügen. Deshalb legte das Landratsamt der Stadt die Unterlagen „im Rahmen einer Ersetzung des Einvernehmens“ erneut zur Beurteilung vor.
„Würde wie ein Fremdkörper wirken“
Im Rathaus sorgte das spürbar für Verärgerung. „Es zwickt und zwackt für dieses Mehrfamilienhaus an allen Ecken“, befand Manfred Stork, der Leiter der städtischen Bauverwaltung. Der gewünschte Neubau, so formuliert er in einer Erwiderung ans Landratsamt, „würde städtebauliche Spannungen auslösen und wie ein Fremdkörper wirken“, er hätte Folgen für den gesamten Franziskusweg und würde dort „zu völlig überdimensionierter Bebauung führen“. Bezugspunkt für dieses Vorhaben seien die vorhandenen, meist ein- bis zweistöckigen Einzel- und Doppelhäuser entlang des Franziskusweges und nicht die dahinterliegende, riegelartige und deutlich größere Bebauung an der Pollinger Straße.
Der Bauausschuss unterstützte einstimmig dieses Schreiben an die Kreisbehörde und folgte Storks Rat, einen Bebauungsplan für den fraglichen Bereich aufzustellen. Anders sei das städtebauliche Gefüge dort wohl nicht zu schützen.
„Unklar, wie Gericht entscheiden würde“
So sah es auch Stadtbaumeisterin Katrin Fischer: Weil man geteilter Meinung sein könne, ob die Bauten an der Pollinger Straße prägend seien, wäre letztlich „unklar, wie da ein Gericht entscheiden würde“. So bleibe der Stadt nur, einen Bebauungsplan aufzustellen und vorerst eine Veränderungssperre zu verhängen. Denn so nötig und sinnvoll Verdichtung oft sei: Es müsse „auch noch ein Anteil an Grün bleiben“, betonte Fischer, und „das wäre hier mit einem Mehrfamilienhaus nicht der Fall“.
Gewiss brauche man in Weilheim Geschosswohnungsbau, befand Marion Lunz-Schmieder (CSU), „das haben wir auch an vielen Stellen auf den Weg gebracht“. Doch in diesem Fall gelte es, „das schöne Wohnviertel“ zu erhalten. Brigitte Holeczek (BfW) zeigte sich verärgert, dass die Stadt dafür gezwungen sei, einen Bebauungsplan aufzustellen – „obwohl wir das eigentlich gar nicht wollen und lieber vereinfachen würden“.
Letztlich gehe es hier „darum, wer die Deutungshoheit hat“, sagte Alfred Honisch (Grüne): das Landratsamt oder die Stadt. Und für ihn ist klar: „Hier soll nicht Ober Unter stechen, sondern wir sollten dagegenhalten.“ Auch mit der beschlossenen Aufstellung eines Bebauungsplanes gilt laut Stadtbauamt: Von der bereits genehmigten Bebauung des genannten Areals mit zwei Doppelhäusern könne der Antragsteller „jederzeit Gebrauch machen“.
Genau solche Pläne gibt es für die nebenan gelegenen Grundstücke Franziskusweg 19 und 21: Laut neu eingereichter Bauanträge sollen dort nach Abbruch der Bestandsgebäude zwei Doppelhäuser mit 12,25 Metern Länge, 11,70 Metern Breite und gut zehn Metern Firsthöhe errichtet werden – mit jeweils zwei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss als Nichtvollgeschoss. Je Doppelhaushälfte sei eine Wohneinheit geplant, die nötigen Autostellplätze würden in seitlich angebauten Garagen und auf den Vorplätzen untergebracht.
„Das fügt sich in die bestehende Bebauung ein“, sagte Bauverwaltungsleiter Stork, und der Bauausschuss stimmte der Planung einhellig zu – ohne Diskussion.