Der Gymnasiast Felix Truckenbrodt aus Weilheim wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Seine Kompositionen werden von Profimusikern aufgeführt.
Nur wenige haben in der 9. Klasse schon ein klares Berufsziel vor Augen. Anders verhält es sich bei Felix Truckenbrodt. Geboren 2011 in Starnberg, wuchs er in Weilheim auf, ist Schüler des hiesigen Gymnasiums und hat sich als Pianist schon eine ganze Menge Preise bei „Jugend musiziert“ erspielt. Das kommt bei musisch begabten Jugendlichen des Öfteren vor. Aber Felix kann auch schon auf 42 selbstkomponierte Werke verweisen, von denen einige bei „Jugend komponiert“ in München ebenfalls ausgezeichnet und aufgeführt worden sind. Und so steht es für ihn heute schon fest: „Ich möchte auf jeden Fall Komposition studieren!“
„Seit seinem zweiten Lebensjahr hat Felix immer irgendwelche Instrumente in den Händen gehabt“, erzählt sein Vater, René Truckenbrodt. Der Jurist spielt selbst Trompete im Weilheimer Kammerorchester und im Posaunenchor der Apostelkirche. Die Familie stammt ursprünglich aus Thüringen, wo Felix‘ Uropa auch schon im Blasorchester aktiv war. Mit Flötenunterricht begann Felix‘ musikalische Laufbahn. „Aber er wollte immer unbedingt Klavier lernen“, erzählt der Vater. Dessen Argumente, für so ein großes Instrument sei doch gar kein Platz in der Wohnung, ließ der Sohn nicht gelten und hielt unbeirrt an seinem Ziel fest.
Nun steht das weiße Klavier im Wohnzimmer, umrahmt von Felix‘ Auszeichnungen. Seit seinem siebten Lebensjahr hat er Unterricht, den Lehrer durfte er sich unter drei Angeboten selbst aussuchen. Und der richtige Instinkt führte ihn zu Eva Müller nach Wielenbach, deren Tochter Katharina Schmauder als Sechsjährige erste Werke aufs Papier brachte und heute eine renommierte Komponistin ist. Müller unterrichtet Felix nach wie vor und gibt ihm die Gelegenheit, bei Klassenvorspielen im Barocksaal in Benediktbeuern oder dem Kulturhaus in Raisting am Klavier auch eigene Werke vorzutragen.
Lange komponierte er im Geheimen
Doch wie kommt ein Kind zum Komponieren? „Mir ist halt was eingefallen und das wollte ich aufschreiben“, erzählt Felix. Da war er acht Jahre alt. Das erste Werk, natürlich fürs Klavier, zeigte er aber nur seinen Eltern. „Und dann wollte ich einfach immer weiter schreiben.“ Vier Jahre lang wirkte er so quasi im Geheimen, bis er beim Klassenabend zum ersten Mal etwas Eigenes präsentierte. Eva Müller erkannte sein Talent sofort. Sie stellte den Kontakt zu „Jugend komponiert“ in München her, wo er ein Werk einreichte – und umgehend einen Preis erhielt. „Als damals Jüngster!“, wie der stolze Vater anmerkt.
Von Felix‘ 42 Werken für Klavier, Klavier und Orchester sowie diverse Kammermusikbesetzungen wurden zehn schon öffentlich aufgeführt, so auch ein Orchesterwerk beim diesjährigen Sommerkonzert des Gymnasiums. In dessen, seit Jahrzehnten musisch geprägter Atmosphäre fühlt sich der junge Künstler am richtigen Platz. „Meine Mitschüler waren natürlich erst schon sehr überrascht, dass da ein Stück von mir gespielt wird. Aber dann waren alle begeistert“, berichtet Felix. Sein Vater ergänzt, dass die Schule mit kleinem und großen Orchester, drei Big Bands und vier Chören ohnehin mit den bayerischen Musikgymnasien mithalten könne. Für einen Pianisten gibt es in diesen Ensembles gleichwohl wenig Einsatzmöglichkeiten, doch im Chor war und ist Felix immer dabei. Aufgrund seiner tiefen Stimme darf er als Neuntklässler sogar schon im Oberstufenchor mitsingen.
Seit zwei Jahren bekommt Felix nun auch Kompositionsunterricht bei Minas Borboudakis, dem künstlerischen Leiter von „Jugend komponiert“ in München. Hier wurden auch schon zwei seiner Werke aufgeführt, und zwar von Profimusikern. „Das Gefühl ist nicht in Worte zu fassen. Es ist krass!“, beschreibt Felix diese Erlebnisse. Borboudakis ist von der Begabung seines jungen Schülers überzeugt und ermuntert ihn, mit dem Komponieren weiter zu machen. Klavier werde er wohl zusätzlich studieren, meint Felix. Dass er auch als Pianist talentiert ist, beweisen zehn Erste Preise, die er seit 2020 bei Regional- und Landeswettbewerben als Solist, im Duo oder im vierhändigen Klavierspiel bei „Jugend musiziert“ und im Jugendmusikwettbewerb Fünfseenland errungen hat.
Bald Gast-Auftritt im Stadttheater
Wer Felix einmal auf der Bühne am Klavier erleben möchte, hat dazu am 28. Februar Gelegenheit. Felix Reuter, Pianist aus Weimar und Freund seines Vaters, wird im Weilheimer Stadttheater ein Familienkonzert unter dem Titel „Die verflixte Klassik“ geben und hat ihn dazu als Gast eingeladen. Mit vier Jahren war der kleine Felix übrigens erstmals in einem Konzert des großen Felix. „Von da an wollte er unbedingt Klavier spielen“, erinnert sich der Vater.
Auf der Website, die der Vater kürzlich für den Sohn eingerichtet hat, findet sich folgendes Zitat: „Eine falsche Note zu spielen ist unwichtig, aber ohne Leidenschaft zu spielen ist unverzeihlich!“. Es stammt von Ludwig van Beethoven. Warum hat Felix das ausgewählt? „Beethoven ist mein Lieblingskomponist. Und das ist mein Lieblingsspruch von ihm. Er ermutigt mich bei dem, was ich tue.“