Nach 60 Todesfällen durch Ertrinken sieht die Regierung der Kanarischen Inseln Handlungsbedarf. Besonders im Fokus: Die fatalen Riesenwellen.
Santa Cruz de Tenerife – Auf den Kanarischen Inseln vor der Westküste Nordafrikas im Atlantik ist vor allem im Herbst und Winter Vorsicht geboten. Die Küsten von Gran Canaria und Teneriffa werden regelmäßig von riesigen Wellen getroffen, die etwa durch Stürme weit draußen im Atlantik entstehen. Immer wieder starben bei solchen Vorfällen auch Touristen.
Die Riesenwellen brechen in dem tiefen Meer rund um die Inseln erst ganz kurz vor der Küste und treffen dann fast ungebremst auf Land. Zuletzt gab es im Dezember mehrere Tote zu beklagen, als auf der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa mindestens vier Menschen ums Leben kamen. Die Regierung der Kanarischen Inseln hat nun Konsequenzen für Urlauber und Einheimische angekündigt.
60 Tote durch Riesenwellen auf Kanaren: Regierung entwickelt neues Warnsystem für Urlauber
Eine gewaltige Wasserwand hatte an den Felsen von Los Gigantes auf Teneriffa am 7. Dezember 2025 mehrere Menschen in das aufgewühlte Meer gezogen. Vier Feriengäste starben. Jetzt antwortet die Inselregierung mit einschneidenden Schritten – denn die Statistik ist alarmierend.
Zahlreiche Personen kamen 2025 schon an den Ufern der beliebten Urlaubsinseln ums Leben. „Das ist ein Thema, das diese Regierung beunruhigt, denn es sind 60 Todesfälle in diesem Jahr“, sagte Notfallkoordinator Manuel Miranda im kanarischen Parlament.
Mehrsprachige Riesenwellen-Warnung an Touristen geplant
Wie teneriffa-news.com berichtete, haben Miranda und Tourismusministerin Jéssica de León bereits ein Expertenteam zusammengestellt. Ihre Absicht: Die wöchentlich 270.000 Urlauber auf den Kanarischen Inseln unmittelbarer über Wetterrisiken zu informieren. „Wir müssen stabile Kommunikationswege schaffen“, heißt es von Miranda in einer amtlichen Erklärung der Kanarischen Inselregierung. Bis jetzt bekamen ausschließlich Notfalldienste Frühwarnungen – zukünftig sollen Touristen unmittelbar benachrichtigt werden.
Der erste Abschnitt plant, Wetterhinweise für Reiseunternehmen zu erleichtern und eine überarbeitete Empfängerliste aufzubauen. Im zweiten Abschnitt soll das System technisch verbessert werden, um Besucher in unterschiedlichen Sprachen anzusprechen, so die Erklärung der Inselregierung.
Schon heute stellt die Webseite holaislascanarias.com Sicherheitshinweise in 15 Sprachen bereit, wie de León hervorhebt. Diese Angaben beinhalten Hinweise vor riskanten Meeresströmungen und Sicherheitsvorschriften für Uferzonen.
Riesenwellen entstehen durch ferne Atlantikstürme – auch bei stillem Wetter
Zusätzlich soll die örtliche Bevölkerung von dem neuen Warnsystem profitieren, erläuterte Miranda. Sie werde mit „Informationskampagnen und Kommunikation über herkömmliche Medien“ beliefert, unterstrich der Chef des Katastrophenschutzes in der Regierungserklärung. Es gebe eine Notwendigkeit, die „Erziehung junger Menschen von Kindesbeinen an zu vertiefen, damit sie wissen, wie das Meer funktioniert, wie seine Gezeiten beispielsweise sind“.
Inspiration für den Urlaub
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Das Risiko wird häufig verkannt, auch durch die Leichtsinnigkeit vieler Touristen: Monsterwellen können selbst bei stillem Wetter entstehen, „selbst wenn es dort windstill ist“, sagte Stefan Schimmels, Leiter des Forschungszentrums Küste in Hannover, bei spiegel.de. „Grundsätzlich entstehen Wellen dadurch, dass Wind über Wasser bläst“, erläuterte der Fachmann weiter. „Je stärker und je länger der Wind weht, desto höher und länger werden die Wellen.“
Häufig bleiben Unwetter auf hoher See, die die großen Wassermassen verursachen, erst unentdeckt, da sie viele Kilometer vor dem Ufer toben. Doch Achtung: „Diese großen Wellen verlieren kaum Energie, wenn sie viele Kilometer über das Meer wandern“, mahnte Schimmels. Dadurch könne es am Ufer zu gewaltigen Wassermassen kommen. Sie bilden sich durch die weit entfernten Unwetter im Atlantik und prallen dann mit ganzer Kraft auf die vulkanischen Kanarischen Inseln. Enorme Wellen sorgten auch für einen Schreck-Moment auf einem AIDA-Kreuzfahrtschiff. (Quellen: dpa, teneriffa-news.com, Regierung der Kanarischen Inseln, spiegel.de) (kh)
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