Experte: Trumps neuer Kurs hat keine Strategie, er ist auf Rache aus

Die Strategieexperten wachsen derzeit geradezu wie Pilze aus der Erde, die im Brustton der Überzeugung behaupten, es ginge Donald Trump um die Herrschaft über strategisch relevante Ressourcen (vor allem Seltene Erden, um bestimmte Mineralien und Metalle und um Erdöl) es ginge auch um KI, die Kontrolle über die Arktis und das Zurückdrängen Chinas und Russlands aus Lateinamerika. 

Die Verfechter dieser These sehen sich durch die Veröffentlichung der Nationalen Sicherheitsstrategie Ende November 2025 bestätigt. In ihr wird die Monroe-Doktrin erwähnt, die durch Trump eine neue Wendung erfahre, was als „Donroe“-Doktrin bezeichnet wird. Konkret ginge es um die Kontrolle der USA über Lateinamerika.

Experte: Trump verfolgt keine Strategie, er ist auf Rache aus

Ob diese These stimmt, wage ich zu bezweifeln. Trump ist nicht dafür bekannt, dass er strategische Visionen verfolgt. Seine Präferenz liegt eher darin, Rache zu üben an allen, die ihm nicht wohlgesinnt waren und sind, und mit markigen Sprüchen all das in Frage zu stellen, was bislang die globale Stärke der USA ausgemacht hat. 

Dabei wird er aber immer wieder von Personen seines Umfeldes beeinflusst, die ihre eigene Agenda verfolgen. 

Trump-Stabschef träumt von Großmächten, die tun und lassen können was sie wollen

Sein derzeit wichtigster Stichwortgeber ist Stephen Miller, der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses. Er ist der eifrigste ideologische Hitzkopf der Administration und verantwortlich für den Text, den Trump auf der Pressekonferenz am 3. Januar vorgelesen hat. Miller denkt in Kategorien von geopolitischen Großräumen, in denen Großmächte in ihren geographischen „Einflusszonen“ tun und lassen können was sie wollen. 

Miller gehört einer extrem pessimistischen und auf Machtpolitik fixierten Denkrichtung eines kruden Realismus an, die in der Tradition von Carl Schmitt und Thomas Hobbes steht und auf den griechischen Historiker Thukydides zurückgeht. 

Von Miller stammt der Satz: "Wir leben in einer Welt, in der realen Welt, die von Stärke regiert wird, die von Gewalt regiert wird, die von Macht regiert wird. Das sind die eisernen Gesetze der Welt." Damit liegt er nicht weit von den Überlegungen Putins und seiner Berater entfernt.

Trumps Droh- und Gewaltpolitik wird ihm auf die Füße fallen

Das mag philosophisch interessant klingen, aber die Umsetzung in reale Politik gerade in der sogenannten westlichen Hemisphäre ist etwas völlig anderes. Mit militärischen Drohungen (aber ohne die Bereitschaft zu einer Invasion) lässt sich auf die Dauer weder Venezuela steuern noch irgendein anderes amerikanisches Land. Und die Probleme der Migration und des Rauschmittelschmuggels werden durch militärische Drohungen auch nicht gelöst. Es ist kein realistisches Konzept zu erkennen, wie die USA Venezuela oder gar ganz Lateinamerika stärker kontrollieren wollen. 

Der Anspruch auf Grönland und die Drohung Millers, den Einsatz militärischer Gewalt nicht auszuschließen, zerstören den Zusammenhalt der westlichen Allianz. Diese Droh- und Gewaltpolitik wird Trump irgendwann auf die Füße fallen, sei es international - weil sie nichts bewirken wird - oder innenpolitisch, wo mittlerweile immer mehr Abgeordnete und Senatoren der Republikaner an ihrem Präsidenten zweifeln und dessen Zustimmungswerte immer tiefer sinken.

Dieser krude und völlig wertefreie Realismus würde sogar von Thukydides kritisiert werden. Denn in seinem Buch "Der Peloponnesischen Krieg" hat Thukydides sehr genau beschrieben, wie die Athener Demokratie, die ihre Stärke aus dem attischen Seebund bezog, unter dem Einfluss von großsprecherischen Demagogen diese Verbündeten so verprellte, dass Athen am Ende allein gegen Sparta stand und dann auch besiegt wurde. 

Das Sparta von heute heißt China und dieses Land zieht Dank Trump langsam an den USA vorbei was wirtschaftliche, technologische und militärische Fähigkeiten betrifft.

Prof. Dr. Joachim Krause, emeritierter Direktor des ISPK Kiel, gilt als renommierter Sicherheitsexperte mit internationaler Lehr- und Publikationserfahrung sowie diplomatischem Engagement. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.