Nach den neuerlichen Äußerungen von Donald Trump und seines Beraters Stephen Miller bezüglich einer Annexion der Insel Grönland sorgen sich die Dänen um die Zukunft Grönlands und der Beziehungen zu den USA. In Bezug auf Millers Worte sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im dänischen Parlament, Rasmus Jarlov: "Wahrscheinlich weiß er nicht, dass die USA bereits uneingeschränkten und exklusiven Zugang zu Grönland haben und daher nichts davon gewinnen würden, es anzugreifen", so Jarlov. "Aber obwohl er nichts über Grönland weiß, ist er dennoch bereit, einen Krieg zu beginnen, um es zu erobern."
"Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf"
Auch für die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen herrscht kein Zweifel daran, dass Trump es ernst meint. "Er hat es immer wieder direkt und indirekt gesagt", sagte Frederiksen in einem Interview des dänischen Rundfunks. "Aber wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf", warnte sie. Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur.
Frederiksen wies die Besitzansprüche des US-Präsidenten klar zurück. "Dänemark ist immer ein guter Verbündeter gewesen", sagte sie in dem Interview. "Wir sind uns in der Nato einig darin, die Sicherheit im hohen Norden zu verstärken." Man könne aber nicht einfach hergehen und einen Teil des Territoriums eines anderen Landes übernehmen, sagte Frederiksen. Auch Grönlands Regierung lehnt den US-Gebietsanspruch ab. "Wir sind seit Generationen ein enger und treuer Freund der Vereinigten Staaten", so der grönländische Regierungschef Jens Frederik Nielsen. "Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten von der 'Bedürfnis nach Grönland' spricht und uns mit Venezuela und militärischen Interventionen in Verbindung bringt, ist das nicht nur falsch, sondern auch respektlos."
Dänischer Verteidigungsexperte: "Schlechte Nachrichten für Dänemark und Grönland"
Auch dänische Experten halten die Drohungen für sehr real. "Die Amerikaner zeigen jedenfalls, dass sie bereit sind, ziemlich weit zu gehen, und dass ihnen andere Länder egal sind", sagte Arktis-Forscher Jon Rahbek-Clemmensen von der dänischen Verteidigungsakademie dem Rundfunksender DR. "Sie betrachten den amerikanischen Kontinent als ihr Hinterland. Das sind schlechte Nachrichten für Dänemark und Grönland, denn dort liegt Grönland auch."
Dennoch sucht man in Kopenhagen weiter den Dialog mit Washington. "Wir werden es weiter versuchen, aber es ist sehr schwierig, mit Menschen zu diskutieren, denen es völlig egal ist, womit sie es zu tun haben", so der dänische Abgeordnete Rasmus Jarlov.
Große Wut in Grönland: "Das macht mich rasend"
In Grönland ist die Wut der Menschen groß. Auf den Straßen der grönländischen Hauptstadt Nuuk waren die erneuten Drohungen aus den USA Gesprächsthema Nummer eins. „Das ist so respektlos, dass sie glauben, dass sie einfach unser Land übernehmen können“, sagte die Grönländerin Mia Schmidt dem dänischen Rundfunk. „Das macht mich rasend!“
Viele Grönländer sagten dem Sender DR, sie seien nun noch beunruhigter als zuvor. „Das ist ein klares Signal der USA, dass sie darauf bestehen, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen“, sagte Jesper Müller aus Nuuk.