Das fliegende Auge: Maduro chancenlos gegen Trumps geheime Spionage-Drohne

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Was Osama bin Laden zu Fall gebracht hatte, hat nun auch Nicolás Maduro erwischt: ein Auge in 15 Kilometern Höhe. Die USA legen Drohnen auf die Lauer.

Washington, D.C. – Sie hätte dem US-Präsidenten die „Möglichkeit geboten, Maduros Bewegungen diskret zu verfolgen und seine Lebensgewohnheiten sowie die seiner Leibwächter über einen längeren Zeitraum im Vorfeld der Operation zu seiner Gefangennahme zu ermitteln“, schreibt Joseph Trevithick über die RQ-170 Sentinel (Wächter) – eine Drohne, die „genau für solche Missionen“ entwickelt und gebaut worden ist, wie The War Zone (TWZ) berichtet: Donald Trumps Auge bis hinein in Nicolás Maduros Privatgemächer. „Dies ist in der Tat ein eher seltener Fall eines öffentlichen Auftritts dieser Waffe“, kommentiert der Defense Express.

Offensichtlich war die Kampagne „Resolute Determination“ („Absolute Entschlossenheit“) ein bis ins Kleinste durchgeplantes Manöver – ein Uhrwerk aus Mensch und Maschine, oder wie der britische Guardian zusammenfasst: „Die Operation zur Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten und seiner Frau umfasste mindestens 150 Flugzeuge, monatelange Überwachung – und angeblich einen Spion in der Regierung.“ Sowie einen Spion in den Wolken: Laut TWZ sei die RQ-170 Sentinel von Lockheed entwickelt worden „zur permanenten Überwachung hochrangiger Ziele tief in umkämpften Gebieten, unter anderem zur Unterstützung von Spezialoperationen wie der ... in Venezuela“, so Trevithick.

„Ich meine, ich habe es mir buchstäblich angesehen, wie eine Fernsehsendung. Und wenn Sie die Geschwindigkeit, die Gewalt gesehen hätten.“

Laut dem Air & Spaceforces Magazine hat die Waffe eine Spannweite von rund 20 und eine Länge von rund fünf Metern: Die RQ-170 fliege unbemannt, sei schwer auffindbar durch ihre Stealth-Eigenschaften und operiere als taktische ISR-Plattform – Intelligence, Surveillance, and Reconnaissance (Nachrichtendienst, Überwachung, Aufklärung) – bei Tag und Nacht. Seit 2007 werde die Drohne durch die US-Luftstreitkräfte eingesetzt. Sie operiert wahrscheinlich in 15.000 Metern Höhe und soll eine Betriebsdauer von fünf bis sechs Stunden erreichen. Die RQ-170 wird vom 432. Geschwader des Air Combat Command auf der Creech Air Force Base in Nevada und vom 30. Aufklärungsgeschwader auf dem Tonopah Testgelände in Nevada geflogen, berichtet die US-Luftwaffe.

Maduro-Festnahme als Reality-TV: Trump habe die Attacke als „eine Fernsehshow“ bezeichnet

Damit hatten die US-Streitkräfte und Donald Trump persönlich die gesamte Operation im Blick – vom Absetzen der ersten Truppen bis zum Zeitpunkt, in dem der venezolanische Regierungschef in Handschellen abgeführt worden war. Trump brüstete sich damit, er habe das Geschehen wie Reality-TV verfolgt, wie die französische Nachrichtenagentur Agence France Press (AFP) berichtet. Trump habe die Attacke als „eine Fernsehshow“ bezeichnet. „Ich meine, ich habe es mir buchstäblich angesehen, wie eine Fernsehsendung. Und wenn Sie die Geschwindigkeit, die Gewalt gesehen hätten“, sagte Trump in einem Telefoninterview mit Fox News, so AFP. „Wir haben jeden Aspekt davon beobachtet.“ Mittels Drohnen schieben Kräfte ihre Reichweite weit in ihre Gegner hinein, ohne physisch beteiligt sein zu müssen.

Zum Jahrestag der Revolution paradieren die Iraner unter einer nachgebildeten US-RQ-170-Drohne.
Beutestück: Im Angesicht des Revolutionsführers Ayatollah Ali Khamenei feierten die Iraner 2012 den 33. Jahrestag der islamischen Revolution – als Prunkstück paradierten die Iraner unter einer nachgebildeten US-RQ-170-Drohne, die kurz vorher über dem Iran auf einer Spionagemission abgestürzt beziehungsweise abgeschossen worden war. © Atta Kenare/AFP

„Drohnen spielen eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung potenzieller Ziele und der Überprüfung ihrer Bedeutung“, bewirbt das texanische Unternehmen Applied Aeronautics seine Produkte. Hochauflösende Kameras, Wärmebildkameras und andere Sensoren seien die Quelle für detaillierte Bilder und Daten, die Freindkräfte, Ausrüstung oder Infrastruktur über Hunderte von Kilometern sichtbar machten, so das Unternehmen. Die US-amerikanische Wächterdrohne benötigt lediglich drei Kräfte am heimatlichen Boden und arbeitet effektiver als jede andere Form von Aufklärung. Offensichtlich sind die Sentinels inzwischen auch in Kampfgruppen mit bemannten Luftfahrzeugen eingebunden.

Vision unter Trump: eine US-Drohnen-Luftwaffe in den Wolken – These gilt als „provokant und interessant“

Der Defense Express erinnert an ein Manöver aus dem Jahr 2020, in das zusätzlich zu der RQ-170 auch F-35A Joint Strike Fighter, F-22 Raptor, F-15E Strike Eagle, B-2A Spirit Bomber und EA-18G Growler Flugzeuge für die elektronische Kampfführung eingebunden gewesen sein sollen. Offenbar proben die USA inzwischen erfolgreich den Verbund von bemannter und unbemannter Luftwaffe. Diese (Kampfjet-)Drohnen, beziehungsweise Collaborative Combat Aircrafts (CCA) sollen künftig neben der Aufklärung auch Kamikaze-Einsätze fliegen können – gesteuert von einem bemannten Kampfjet als Mutterschiff. Die Zeit der Drohnen-Piloten auf der Erde scheint sich damit ebenfalls dem Ende zuzuneigen.

„Piloten beginnen bereits in Simulatoren zu lernen, wie sie eine große Anzahl von CCAs verwalten können, während sie weiterhin ihren eigenen Jet steuern“, sagte im Dezember 2024 Frank Kendall – der Luftwaffenminister unter Präsident Joe Biden äußerte gegenüber dem Magazin Defense News, dass die US-Piloten ihre künftigen neuen Möglichkeiten zu schätzen wüssten. Allerdings widersprach er den Thesen von Elon Musk, dass auf bemannte Kampfjets in Kürze zu verzichten sein würde. Die These Musks, dass die Ära der Kampfjets vorbei sei, wie sich der Tech-Milliardär geäußert hatte, bezeichnete Kendall gegenüber dem Magazin als „provokant und interessant“, hält aber die Realität für langsamer als Musks Vision:

Drohnen-Skandal: „ein mehr als peinlicher Zwischenfall - der nun sicherheitspolitische Folgen haben könnte“

„Ich kann mir vorstellen, dass irgendwann – ich glaube übrigens nicht, dass es Jahrhunderte dauert, sondern eher Jahrzehnte – etwas passieren kann, wie er es sich vorstellt. Aber so weit sind wir noch nicht, und es wird noch eine Weile dauern“, zitieren ihn die Defense News. Im Prinzip haben die USA mit dem erfolgreichen Einsatz der RQ-170 über Venezuela ihr fliegendes Auge vollends enttarnt. The War Zone berichtet davon, dass die Luftwaffe über diesen Aufklärer möglichst Stillschweigen bewahren wollen. Über 20 bis 30 Maschinen soll die US-Luftwaffe verfügen. Allerdings hat diese Geheimwaffe schon des öfteren von sich reden gemacht.

Bereits 2009 berichtete das Magazin JoongAng Ilbo darüber, dass das US-Verteidigungsministerium über Südkorea „den Einsatz seiner neuesten unbemannten Drohne“ vorbereite. Was aus Washington anfangs als „Testflüge“ deklariert worden war, sollte dann doch ältere Spionageflugzeuge ersetzen, um die Aufklärungsfähigkeiten der US-Luftwaffe gegenüber Nordkorea zu stärken, so das Magazin. Bereits zwei Jahre später folgte ein Rückschlag: „ein mehr als peinlicher Zwischenfall – der nun sicherheitspolitische Folgen haben könnte“, wie der Spiegel schrieb. Der Nurflügler, der seitdem als „Biest von Kandahar“ tituliert wird, war über dem Iran abgestürzt. Wie sich trotz spärlicher Informationen später herauskristallisierte, waren die USA mittels der RP-170 dem Al-Qaida-Führer Osama bin Laden auf der Spur gewesen.

Kurzzeitig waren die USA aufgebracht, dass der Iran ihre hochsensible Spionagetechnik ausforschen könnte; allerdings scheint wahrscheinlich zu sein, dass die Ergreifung des Terroristen ohne die Wächter-Drohne kaum möglich gewesen sei. Offenbar erweitert eine solche Drohne die Reichweite bemannter Aufklärungsflüge, wie Ed Darack 2016 für das Smithsonian Magazine von einem Drohnenpiloten erfahren hat: Dem RP-170-Piloten zufolge, „muss man verstehen, dass sowohl Pakistan als auch Iran außerhalb der Reichweite der Aufklärungs- und Überwachungssysteme eines an der Grenze fliegenden Flugzeugs oder von Satelliten liegen. Die schiere Entfernung beeinträchtigt bestimmte Aspekte der Beobachtungsfähigkeit eines Satelliten“, wie er sagte.

Wie The War Zone berichtet, sei die Festnahme Maduros eine Kopie des Einsatzes gegen Bin Laden gewesen. Auch im Vorfeld dieses Blitzangriffs hätte das US-Militär eine maßstabsgetreue Nachbildung von Maduros Versteck gebaut und ein Team des Auslandsgeheimdienstes CIA infiltriert, um einen genauen Zeitplan aufzustellen von Maduros alltäglichen Gewohnheiten und dem Verhaltensmuster seiner Leibwächter. Auch dafür hatten die USA ein Auge über Maduro so platzieren müssen, dass er unter die Lupe genommen werden konnte, ohne selbst etwas entdecken zu können. Ganz anders als der US-Präsident, wie der in einem Interview mit Fox News geäußert hat: „Ich konnte es in Echtzeit verfolgen.“ (Quellen: Agence France Press, The War Zone, Defense Express, Guardian, Air & Spaceforces Magazine, US-Luftwaffe, Applied Aeronautics, Defense News, JoongAng Ilbo, Spiegel, Smithsonian Magazine) (hz)

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