Unter dem Einfluss eines 0,0': Was alkoholfreies Bier mit Ihrem Gehirn und Verhalten macht

Alkoholfreies Bier boomt. Statt Cola oder Wasser greifen viele Menschen zu einem 0.0-Bier – weil es weniger Kalorien hat, keinen Kater verursacht und trotzdem zum geselligen Beisammensein passt. Doch was passiert eigentlich im Kopf, wenn zwar Biergeschmack da ist, aber kein Alkohol? Dieser Frage geht das niederländische Wissenschaftsmagazin „Quest“ nach.

Warum alkoholfreies Bier trotzdem etwas im Kopf auslöst

Auch ohne Alkohol reagiert das Gehirn auf den vertrauten Geschmack. Geruch, Schaum und Bitterkeit erinnern an frühere Trink-Erfahrungen und aktivieren bestimmte Hirnareale. Das erklärt Erik Scherder, Professor für Neuropsychologie, der sich seit Jahren mit dem Zusammenspiel von Gehirn, Verhalten und Gewohnheiten beschäftigt. Entscheidend sei dabei nicht der Alkohol selbst, sondern die Erwartungshaltung.

Durch diese sogenannte Konditionierung wird Dopamin ausgeschüttet – ein Botenstoff, der für Belohnung und gute Stimmung sorgt. Das Ergebnis: Man fühlt sich entspannter und „dazugehörig“, obwohl der typische Rausch ausbleibt. Im Unterschied zu alkoholischem Bier bleiben Koordination, Gedächtnis und Hemmschwellen jedoch unbeeinträchtigt.

0.0 statt Promille: Das Gehirn reagiert auf Geschmack, Schaum und soziale Situationen.
0.0 statt Promille: Das Gehirn reagiert auf Geschmack, Schaum und soziale Situationen. (Symbolfoto) IMAGO

Ist 0.0-Bier wirklich gesund – oder nur die bessere Wahl?

Was „alkoholfrei“ bei Bier wirklich bedeutet

  • „Alkoholfrei“ heißt nicht automatisch 0,0 Prozent: In Deutschland sind bis zu 0,5 Volumenprozent Alkohol erlaubt.
  • Nur „0,0 Prozent“ ist wirklich ohne Alkohol: Diese Produkte enthalten laut Herstellern höchstens rund 0,03 Prozent oder gar keinen nachweisbaren Alkohol.
  • Transparente Kennzeichnung: Viele Brauereien weisen den Restalkohol inzwischen ausdrücklich auf dem Etikett aus.

Scherder rät deshalb, 0.0-Bier nicht automatisch als Dauerlösung zu sehen – vor allem dann nicht, wenn man bewusst mit dem Trinken aufhören will. Die Verbindung zwischen Bier und Geselligkeit bleibe sonst im Kopf bestehen. Auch Wasser oder Softdrinks könnten soziale Rituale erfüllen – ganz ohne diese Prägung.

Alkoholfreies Bier: Alternative mit Grenzen

Dass alkoholfreies Bier das Gehirn zwar beeinflussen kann, körperlich aber anders wirkt als klassisches Bier, zeigt sich auch bei einem Blick auf den Stoffwechsel. Zwar gilt 0.0-Bier als kalorienärmer und wird häufig als isotonisches Getränk beworben, dennoch enthält es je nach Herstellungsverfahren Zucker, der den Blutzuckerspiegel deutlich ansteigen lassen kann – mit möglichen Folgen wie Heißhunger oder Kopfschmerzen.

Hinzu kommt, dass alkoholfreies Bier nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet ist. Bei bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Gicht kann regelmäßiger Konsum problematisch sein. Auch für Schwangere, Stillende oder Menschen mit Suchterfahrung gilt Zurückhaltung.