Menschen waren in Feuer-Bar eingesperrt: Held von Crans-Montana macht Feuerwehr schwere Vorwürfe

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Ein Anwohner rettete 20 Menschen beim Silvester-Unglück in der Schweiz. Jetzt liegt er selbst im Krankenhaus und erhebt Vorwürfe gegen die Feuerwehr.

Crans-Montana – Die Flammen fraßen sich durch die Bar, Menschen schrien um Hilfe. Und Paolo Campolo (55) rannte direkt ins Inferno hinein. Der Anwohner aus Crans-Montana wurde in der Silvesternacht zum Lebensretter – und erzählt nun, was er erlebte.

Beim Feuer in der Silvesternacht halfen auch Anwohner aus Crans-Montana, Gäste der Bar zu retten. © Marco Alpozzi/picture alliance/dpa/LaPresse via ZUMA Press/Screenshot

Als um 1.30 Uhr die Tochter seiner Partnerin anrief und vom verheerenden Brand in der Bar „Le Constellation“ berichtete, zögerte Campolo keine Sekunde. „Wir sind sofort losgegangen, ich bin sofort zum Ort des Geschehens gegangen“, sagt er dem Portal 20 Minuten.

Silvester-Brand in Crans-Montana: Anwohner eilte sofort zur Bar „Le Constellation“

Der 55-Jährige wohnt nur 50 bis 100 Meter von der Bar „Le Constellation“ entfernt. Direkt am Haupteingang begann er, Menschen aus der schwarzen Rauchwand zu ziehen. Zusammen mit anderen Ersthelfern rettete er zwischen 15 und 20 Personen aus der Feuerhölle. „Man denkt nicht nach, weder vorher noch nachher. Man tut einfach, was man tun muss“, beschreibt Campolo seine Motivation.

Schwere Vorwürfe von Ersthelfer aus der Schweiz: Tür der Bar blockiert, Feuerwehr tatenlos

Doch der Held von Crans-Montana erhebt auch schwere Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte. Bei seinem Eintreffen war die Feuerwehr bereits vor Ort. Campolo berichtet von einer offenbar blockierten oder verschlossenen Tür auf der Rückseite der Bar. „Ich weiß nicht, ob es ein Notausgang oder Serviceausgang war, aber hinter dieser Tür waren verzweifelte Menschen“, erinnert er sich. Durch eine Scheibe konnte er die eingeschlossenen Personen sehen.

Als er einen Feuerwehrmann auf die Situation aufmerksam machte, habe dieser laut nur gesagt: „Wir kümmern uns darum“ – und sei dann weggegangen. Campolo wartete nicht: „Mit jemandem, der zufällig vorbeikam, haben wir die Tür aufgebrochen und die Menschen herausgeholt.“

Silvester-Tragödie nimmt Feuerwehrkommandant schwer mit: „Es tut mir leid“

Er habe auch der Polizei vom Vorfall mit der Tür berichtet, erklärt Campolo. Auf Nachfrage von Ippen.Media kann die Kantonspolizei Wallis dazu aber keine näheren Angaben machen. Die Ermittlungen in Crans-Montana laufen aktuell, dabei geht es auch um Vorwürfe gegen den Betreiber des „Le Constellation“.

Dass die Feuerwehr beim Silvester-Unglück nicht ihr Bestmöglichstes getan haben sollte, ist ohnehin schwer vorzustellen. Man mag sich kaum ausmalen, was die Einsatzkräfte in dieser Nacht erlebt haben. Die Erlebnisse nehmen auch erfahrene Feuerwehrleute schwer mit. „Wir haben sofort geholfen, wir wollten den jungen Menschen wirklich helfen“, sagt Kommandant David Vocat dem Schweizer Blick am Unglücksort – dann bricht seine Stimme laut Bericht ab. „Es tut mir leid“, bringt Vocat nur noch hervor. „Du hast getan, was du konntest“, sagt jemand anderes und legt einen Arm um seine Schulter.

Anwohner liegt nach Heldentat in Crans-Montana im Krankenhaus

Paolo Campolo kämpft derweil mit den Folgen seiner Heldentat. Er liegt laut 20 Minuten mit einer schweren Rauchvergiftung im Spital und muss eine Atemmaske tragen. Der Rauch hat seine Atemwege stark belastet. 24 Stunden lang muss er Aerosol einatmen, um die Atemwege wieder zu öffnen.

Unter den von ihm geretteten Personen befindet sich auch der Verlobte der Tochter seiner Partnerin, der mit schweren Verbrennungen am Rücken in einem Spital liegt. Das Feuer in der Bar „Le Constellation“ forderte mindestens 40 Todesopfer und über 115 Verletzte – eine der schwersten Brandkatastrophen in der Schweizer Geschichte. (Verwendete Quellen: 20 Minuten, Kantonspolizei Wallis, Blick) (moe)