Putin fordert für ein Ende des Ukraine-Kriegs Gebiete im Donbass. Eine Denkfabrik bezweifelt, dass er sich damit zufriedengeben wird.
Moskau – Die USA drängen offenbar die Ukraine dazu, das gesamt Donbass-Gebiet an Russland abzutreten. Im Gegenzug sollen US-Sicherheitsgarantien für die Ukraine stehen. Dies geht aus einem Bericht der Financial Times vom 27. Januar 2026 hervor. Der Vorschlag sorgt in diplomatischen Kreisen für Aufsehen. Sicherheitsexperten vermuten eine weitere Falle von Wladimir Putin.
In den Verhandlungen über Frieden in der Ukraine stellt der Kreml die Bedingung, dass Kiew die Gebiete Luhansk und Donezk Russland überlässt. Für die Ukraine kommt das nicht infrage. Auch das Institute for the Study of War (ISW) bewertet dieses Angebot kritisch und warnt davor, dass sich Wladimir Putin damit zufriedengeben würde.
Ukraine-Verhandlungen: Experten sorgen sich vor Falle von Wladimir Putin
„Ein ukrainischer Rückzug aus den ukrainisch kontrollierten Gebieten der Oblast Donezk würde russische Streitkräfte in eine vorteilhaftere Position bringen, um nach einer Ruhe- und Erholungsphase Angriffe gegen die Südwest- und Zentralukraine wieder aufzunehmen“, schreibt das ISW einer Bewertung zum Ukraine-Krieg. Die Experten rechnen damit, dass die Gebietsabtretungen keine Garantie für Frieden bringen werden.
Daher sei es ein Fehler, die Gebiete in der Ostukraine aufzugeben, auch wenn sie massiv unter militärischem Druck stehen und perspektivisch wohl ohnehin an Moskau fallen würden. Russland müsste „erhebliche Ressourcen, Zeit und Personal (...) aufwenden, um den Rest des Donbass einzunehmen“, schreibt das ISW. Es prognostiziert, dass die russischen Streitkräfte das Gebiet nicht vor Sommer 2027 einnehmen könnten.
Putin plant in der Ukraine anderes, als er dem Westen vermitteln will
Das ISW sieht eine deutliche Diskrepanz zwischen Aussagen, die dem Westen vermittelt werden, und denen, die in Russland getätigt werden. Diese lassen vermuten, dass Putins Ziele über territoriale Gewinne hinausgehen. Der Kreml strebt eine grundlegende Neuordnung der europäischen Sicherheitsarchitektur an. Gebietsabtretungen allein würden dieses übergeordnete Ziel nicht befriedigen und könnten sogar als Ermutigung für weitere aggressive Schritte interpretiert werden.
So sagte der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Duma, Alexei Schurawljow, in einem Interview mit dem russischen Staatssender Rossija-1, der Donbass sei nicht das Hauptproblem. Der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes erklärte in einem Interview mit der Kreml-Nachrichtenagentur RIA Novosti, eine Friedensregelung müsse die angeblichen „Ursachen“ des Krieges angehen. Und Russlands Armeechef Waleri Gerassimow betonte die Notwendigkeit von Pufferzonen außerhalb des Donbass, um die von Russland besetzten Gebiete in den Oblasten Luhansk und Donezk zu schützen.
Kreml übt mit Lügen Druck auf Westen und Ukraine aus
Die russische Militärführung präsentiert nachweislich Lügen und Übertreibungen über Geländegewinne an der Front, um Druck auf die Ukraine und den Westen auszuüben. Ein Beispiel dafür ist Gerassimows Behauptung, Kupjansk sei eingenommen worden. Das wird von ukrainischen Streitkräften dementiert, und sogar russische Militärblogger sehen das anders. Gerassimow behauptete auch, dass russische Streitkräfte seit dem 1. Januar 17 Siedlungen und über 500 Quadratkilometer erobert hätten. Das ISW konnte jedoch nur Fortschritte in etwa 265,45 Quadratkilometern bestätigen.
Sollte die Ukraine Russland tatsächlich die Gebiete in der Ostukraine überlassen, würde Putin zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sein Militär müsste Territorium nicht mühsam und unter massiven Verlusten einnehmen, und Putin könnte sein ursprüngliches Ziel aus einer vorteilhafteren Position heraus verwirklichen. (Quellen: Institute for the Study of War, Financial Times, RIA Nowosti, Rossija-1, Tagesspiegel)